Material stellte jedoch die Juden nur als ungewollte Fremde dar. Außer bei Kredit
suchenden Adligen hätten Juden in saarländischen Territorien keine Aufnahme
gefunden.437 Hoppstädters selektive Dokumentation war die historische Rechtfertigung
der aktuellen Judendeportationen. Anfang 1942 hielt Hoppstädter vor
dem Historischen Verein für die Saargegend einen Vortrag über den „Juden in der
Geschichte des Saarlandes“,438 den er zusammen mit dem Aufsatz zu einer selbständigen
Publikation ausarbeitete. Hierbei genoss er wieder die beratende Unterstützung
von Christmann. Ende 1943 brachte das Westmark-Institut als Beiheft der
Westmärkischen Abhandlungen Hoppstädters Buch Der Jude in der Geschichte des
Saarlandes heraus,430 dessen „antisemitische^] Geist“ die Auswahl und Bewertung
der geschichtlichen Fakten bestimmte.* 440
Deutlich verschärfte sich der Antisemitismus während des Krieges, wovon die
große Zahl von wissenschaftlich verbrämten Artikeln zur „Geschichte des Judentums“
in der Zeitungsausschnittsammlung des Lothringischen Instituts zeugt.
Besonders Hoppstädter machte die Geschichte des Judentums in der Gaupresse
verächtlich. An eventuellen redaktionellen Eingriffen in die Beiträge, wofür die
NS-Tageszeitungen besonders in der annektierten Moselle auf das Einverständnis
der Autoren verzichteten, scheint sich Hoppstädter nicht gestört zu haben, setzte
er doch seine antisemitische Artikelserie fort. Andererseits sprach er in einem
Zeitungsartikel von der ,judenfreundliche[n] Haltung“ der Regentin von Blieskastel
Reichsgräfin Marianne von der Leyen, ohne ihr daraus einen Vorwurf
machen zu wollen.441 Gewerbeoberlehrer Ernst Drumm aus Zweibrücken, ein
Schüler Christmanns, betätigte sich gleichfalls als Gau-Judenforscher. Seine Artikel
veröffentlichte er zumeist in der NSZ Westmark. Drumm warf Hoppstädter vor,
nicht erkannt zu haben, dass die Fürsten Zweibrückens schon sehr früh „im
ganzen gesehen antisemitisch eingestellt“ gewesen seien. Sein von Christmann
unterstütztes Buch442 wurde allerdings nicht mehr veröffentlicht.
4,7 P. v. Papen, „,Scholarly‘ Antisemitism“, 266.
4lX ADM, 1W248: D., „,Der Jude in der Geschichte des Saarlandes4: Eine Veranstaltung des
Historischen Vereins“, Saarbrücker Zeitung (12.1.1942); cf. HMP, G/Besprechungsbelege,
Christmann allg.: Christmann an Hoppstädter v. 9.1.1942.
4,4 HMP, G/Sach 1943-44, Allgemein: Christmann an Hoppstädter v. 26.6.1943, Kirschner an
Hoppstädter v. 4.1.1944; cf. HMP, G/Schriftverkehr 1944, LI: Kirschner an Halber v.
19.1.1944.
440 Fritz Jacoby, „[Besprechung] Albert Marx, Die Geschichte der Juden an der Saar (1985)“,
Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, 36 (1988), 222.
441 Die antisemitischen Zeitungsausschnitte des LI befinden sich in ADM, 1W248; hier auch
Kurt Hoppstädter, „Eine wirtschaftliche Macht: Juden in der Reichsgrafschaft Blieskastel“,
Metzer Zeitung (11.2.1943), Ausgabe Saarbrücken, Nr. 35; cf. ADM, 1W248: Kurt Hoppstädter,
„,Die Unterthanen ruiniert4: Jüdische Schmarotzer im Saargau“, „Schmarotzer in den
Saarstädten: Die Juden des Saarlandes vor der Rückgliederung 1935“ und „Projektemacher und
Ausbeuter: Juden in der saarländischen Eisenindustrie“, Metzer Zeitung (4., 13. und
31.1.1943), Ausgabe Saarbrücken, Nr. 2, 10 und 25.
44‘ HMP, G/Schriftverkehr 1944, Christmann A-L: Drumm an Christmann v. 11.3.1944; cf.
HMP, G/Sach 1943-44: Christmann an Drumm v. 15.7.1943 u. v. 15.3.1944.
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