man gefangene Juden, und da dachte ich mir, daß ihre Gesichter doch noch
tierischer seien als die von Mongolen und Kalmücken.“431 432 Bertrams Abscheu vor
Juden verhinderte, dass er das verzweifelte Überleben von geschundenen KZ-Arbeitssklaven
erkannte.
Schon vor dem Nationalsozialismus antisemitisch war die Volkskunde von Nikolaus
Fox, in der er die ab 1933 zur Nationaldoktrin der Deutschen aufgestiegene
Lehre von der biologisch bedingten Unverbesserlichkeit der Juden vorwegnahm:
„Die jüdische Tradition [...] läßt die nationalen und vaterländischen Traditionen
der Deutschen nicht so leicht eindringen in das Gemüt und in das Herz des Juden.
Mit dem Verstände erarbeitet sich der jüdische Mitbürger ein für seine Existenz
notwendiges Maß von Nationalempfinden. [...]
Körperlicher Arbeit ist der Jude vollständig abgeneigt; sein ererbter unwiderstehlicher
Drang nach Erwerb und Geld läßt ihn eher Unbill und Not ertragen, als daß
er von seinen Handelsgeschäften absteht. Dieses Unvermögen des Juden ist
allgemein. [...]
Falsch und ungerecht wäre es, den Juden wegen seiner ererbten Anlagen, die sich
naturnotwendig auswirken, zu verurteilen.“433
Der Wissenschaftshistoriker des Saarpfälzischen Instituts Rembert Ramsauer
machte es sich zur Aufgabe, den Einfluss der angeblich betrügerischen jüdischen
Wissenschaftler zu bekämpfen. Ein weiterer Judenforscher war der Dudweiler
Reichsbahninspektor Kurt Hoppstädter, der die Geschichte der Juden im Gau neu
schreiben wollte, denn die einzige bekannte Darstellung zum Judentum in der
Kurpfalz sei „schon aus dem Grunde [...] nicht brauchbar, weil der Verfasser
Jude“ sei.433 Im Dezember 1941 sandte er sein Manuskript über „Die Judenfrage
in den ehemals nassauischen Grafschaften Ottweiler und Saarbrücken“ an das
Westmark-Institut. Christmann, Halber und Emrich veröffentlichten es in den
Abhandlungen,434 Christmann, der selber vom nationalsozialistischen Antisemitismus
überzeugt war und Juden als „Krankheitskeime“, „Parasiten“ und „verderbliche^..]
Schmarotzer“ beschimpfte,435 sprach Hoppstädter seine Anerkennung
aus.436 * Zwar verzichtete Hoppstädter auf vulgärantisemitische Hetztiraden, sein
4,1 ADM, 1W237: Otto Bertram an seinen Bruder Richard v. 30.11.1941.
432 Nikolaus Fox, Saarländische Volkskunde, Volkskunde Rheinischer Landschaften [4] (Bonn:
Klopp, 1927), 122-25.
4” Kurt Hoppstädter, „Die Judenfrage in den ehemals nassauischen Grafschaften Ottweiler und
Saarbrücken“, Westmärkische Abhandlungen zur Landes- und Volksforschung, 5 (1941/42), 195-202,
hier 195.
434 HMP, G/Besprechungsbelege, Christmann allg.: Christmann an Hoppstädter v. 19.12.1941;
HMP, G/Besprechungsbelege, LI: Christmann an Halber v. 5.3.1942.
435 Christmann, „Lothringische Ost-Auswanderung“, 12.
436 HMP, G/Besprechungsbelege, Mitarbeiter: Christmann an Postius (Metz-Montenich), an
Zint und an Dittler v. 20.3.1942; HMP, G/Besprechungsbelege, Christmann allg.: Christmann
an Hoppstädter v. 9.1.1942.
248