Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Manuskript  zur  Saarbrücker  Bevölkerung  fast  fertig  gestellt.  Auf  Grund  des
Papiermangels  konnte  man  die  Gemeinschaftsarbeit  nicht  zum  Druck  bringen.411''
Provinz  und  Universität
Der  Einfluss  der  Westdeutschen  Forschungsgemeinschaft  (WFG)  auf  die  Deutschtumswissenschaften
  entlang  der  Westgrenze  war  beträchtlich.  Aber  ihre  Wirksamkeit
  ist  regional  zu  differenzieren.  Im  Gau  Bürckels  spielte  die  WFG  eher  eine
geringe  Rolle.  Der  Gauleiter  und  seine  Führenden  Wissenschaftler  wollten  sich
von  Gaufremden  nichts  vorschreiben  lassen  und  in  Ermangelung  einer  Universität
konnte  die  WFG  in  der  Saarpfalz  nicht  Fuß  fassen.  Zwar  nahmen  saarländische
und  pfälzische  Wissenschaftler  an  Tagungen  der  WFG  teil.  Saarpfälzische  Anwesenheit
  ist  aber  nur  für  4  von  insgesamt  26  WFG-Tagungen  überliefert.  Hallier
war,  solange  er  die  Bibliothek  des  ELI  leitete,  regelmäßiger  Mitarbeiter  der  WFG.
Nach  seinem  Umzug  nach  Metz  1941  dünnten  die  Verbindungen  aus.  Wenn  Vertreter
  des  Gaues  WFG-Tagungen  besuchten,  dann  nur  zur  eigenen  Information.
Sie  beteiligten  sich  nicht  aktiv  und  bereiteten  keine  Referate  für  die  WFG  vor.
Ihre  Diskussionsbeiträge  lassen  sich  an  den  Fingern  einer  Hand  abzählen.  Meist
enthielten  sie  sich  des  Wortes;  das  ostentative  Schweigen  von  Emrich  und  Hallier
auf  der  WFG-Tagung  am  3.  Juli  1943  in  Frankfurt  fiel  sogar  dem  stellvertretenden
WFG-Vorsitzenden  Ernst  Zipfel  auf.* 404
Die  Missachtung  zwischen  Bürckels  Wissenschaftlern  und  der  WFG  war  durchaus
gegenseitig.  Die  Dürftigkeit  der  Beziehungen  wurde  nicht  zuletzt  vom  geringen
fachlichen  Ansehen  der  saarpfälzischen  Wissenschaftler  bestimmt.  Emrichs  Behauptung
  von  1936,  dass  mit  der  Gründung  des  Kaiserslauterer  Instituts  „die
landeskundliche  Forschungsarbeit  im  Gau  Saarpfalz  den  Anschluss  an  die  westdeutsche
  Forschung  gefunden“  habe,405  hatte  nichts  mit  der  Realität  zu  tun.  In
einer  Auflistung  des  Reichserziehungsministeriums  zur  westdeutschen  Grenzlandforschung
  von  1937  tauchte  sein  Institut  nicht  auf.406  Noch  1942  ignorierte  die
offizielle  Westforschung  völlig  das  Kaiserslauterer  und  sogar  das  mit  der

Saargegend,  37  (1989),  178-89,  hier  179,  184-85;  BayHStA,  MK  15552:  Emrich  an  BayKM  v.
15.8.1937,  1;  Fr.  Christmann,  Emrich,  Vollsitzung  der  PGFW  am  30.6.1938  [2,  4  u.  10];
G.  Paul,  Mallmann,  Herrschaft  und  Alltag,  308.
403  Hellwig  an  d.  Verf.  v.  6.2.2000;  HMP,  G/Besprechungsbelege,  Mitarbeiter:  Emrich  an
Kirschner  v.  15.12.1941;  cf.  HMP,  G/Besprechungsbelege,  Christmann  allg.:  Hellwig  an
Christmann  v.  19.3.1942.
404  Anwesend  waren  saarpfalzische  Wissenschaftler  im  Oktober  1935  in  Bad  Dürkheim,  im
März  1937  in  Worms,  zwei  Jahre  darauf  in  Bad  Münster  a.  St.  und  Mitte  1943  in  Frankfurt;
IGL,  Akte  o.  Nr.:  Tagung  der  WFG  in  Bad  Dürkheim  am  19./20.10.1935;  PAAA,  R60279,  f.
E062710:  Teilnehmerliste  der  Tagung  der  WFG  am  12.-14.3.1937  in  Worms;  PAAA,  R60284,
f.  E061422,  35,  42:  Jahrestagung  der  WFG  am  9.-11.3.1939  in  Bad  Münster  a.  St.;  GStAPK,
Rep.  178/VII,  3A5,  II,  f.  158r:  Zipfel  an  Fredericks  u.  an  Rohr  v.  6.7.1943;  cf.  Fahlbusch,
Wissenschaft,  379.
405  BayHStA,  MK  15552:  Roth[-Lutra],  Eröffnung  des  Spl  am  15.10.1936.
406  BABL,  R4901/2603,  f.  103-04:  Klingelhöfer  an  Frey  v.  15.9.1937;  cf.  f.  98  u.  100:  Ebert
(APA)  an  RuPrMWEuV  v.  7.5.  u.  29.6.1937.

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