Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Mit  der  Einrichtung  des  Saarpfälzischen  Instituts  wurde  1936  eine  neue  wissenschaftliehe
  Zeitschrift  für  Pfalz  und  Saarland  begründet.  Emrich  und  Christmann
konnten  Franz  als  Mitherausgeber  gewinnen,  der  an  engen  Beziehungen  zwischen
seiner  Heidelberger  landeskundlichen  Arbeitsgemeinschaft  und  den  pfälzischen
Wissenschaftseinrichtungen  interessiert  war.  Da  die  PGFW  nur  einen  Teil  der  Ausgaben
  für  den  ersten  Jahrgang  deckte,  und  ein  Drittel  der  Aufsätze  Saarthemen
behandelte,  wandte  sich  Franz  an  die  SFG.  Aubin  war  einverstanden,  die  saarpfälzische
  Wissenschaftszeitschrift  zu  unterstützen;  es  war  das  einzige  von  der  SFG
geforderte  Projekt,  das  noch  nicht  vor  der  Rückgliederung  begonnen  worden  war.3*
„Als  eine  Liquidierung  der  Saarfrage  von  der  geistigen  Seite  her“  begrüßte  Aubin
besonders  Hellwigs  Beitrag  zur  Saarliteratur  Frankreichs  nach  1914.38ii
Das  Erscheinen  der  Zeitschrift  verzögerte  sich  und  Franz  wurde  ungehalten.  Im
April  1937  war  endlich  die  neue  Gauwissenschaftszeitschrift  heraus,  die  Emrich
„im  letzten  Augenblick“  Abhandlungen  zur  saarpfälzischen  Landes-  und  Volksforschung
  benannt  hatte.* 389 391  Der  Titel,  vor  allem  das  falsch  gestellte  Adjektiv,
schlug  der  deutschen  Volkstumswissenschaft  ins  Gesicht.  Für  Hans  Schwalm,
einen  Herausgeber  des  Handwörterbuchs  des  Grenz-  und  Auslanddeutschtums,
drückte  er  aus,  „dass  es  auch  ein  ,saarpfälzisches  Volk‘  gibt  (ein  völlig  unmöglicher
  Titel!  es  gibt  nur  eine  deutsche  Volksforschung,  höchstens  eine  saarpfälzische
  Landesforschung!!!)“.31'"  Aus  Freiburg  schimpfte  Metz.  Franz  empfahl  für
den  zweiten  Band  den  Titel  Saarpfälzische  Abhandlungen  zur  Landes-  und
Volksforschung.391  Obwohl  die  PGFW  diesen  zweiten  Band  deutlich  großzügiger
bezuschusste  und  Emrich  die  Umwidmung  des  für  die  Völkische  Wissenschaft
angesetzten  Haushaltstitels  erreichte,  wurden  zusätzliche  Mittel  nötig,  da  durch
die  Übernahme  weiterer  regionaler  Wissenschaftszeitungen  in  die  Saarpfälzischen
Abhandlungen  der  Seitenumfang  auf  das  Doppelte  gestiegen  war.3"2  Am  zweiten
Band,  dessen  Redaktion  Postius  versah,  arbeitete  Franz  nicht  mehr  mit.  Für  den
dritten  Band  beschied  man  sich  mit  einem  „Kriegsheft“.393  Im  Herbst  1940
sammelte  Ramsauer  schon  von  Metz  aus  Beiträge,  die  sich  mit  dem  Anschluss
Lothringens  befassten.  Den  vierten  Band  der  jetzt  Westmärkischen  Abhandlungen

x  BayHStA,  MK  15552:  Roth[-Lutra],  Geschäftssitzung  der  PGFW  v.  15.10.1936  [13];
BABL,  R8037/1:  Franz  an  RKRSaar  v.  15.3.1936,  Franz  an  Aubin  v.  29.5.  u.  11.8.1936,  Aubin
an  Franz  v.  1.8.1936  u.  16.4.1937;  cf.  Scholz-Babisch  (Sekretariat  Aubins)  an  Franz  v.
23.5.1936;  HessHStA,  1150/65:  Aubin  an  Mitglieder  der  SFG  v.  31.1.1938,  3;
388  BABL,  R8037/1:  Aubin  an  Franz  v.  27.4.1937;  Hellwig,  „Saarliteratur“,  187-233.
389  BABL,  R8037/1  :  Franz  an  Aubin  v.  17.4.1937.
390  HMP,  G/Ramsauer  Briefe  bis  1939:  Schwalm  an  Ramsauer  v.  23.7.1937.
391  HMP,  G/Postius  1938:  Franz  an  Postius  v.  8.8.1937.
Die  Kosten  stiegen  von  RM  2710,15  auf  RM  8616,45;  BayHStA,  MK  15553:  Emrich  an
BayKM  v.  7.3.1939;  cf.  [Roth-Lutra  u.]  Emrich,  Sitzung  der  PGFW  am  22.6.1937  [11];  Emrich
an  BayKM  v.  15.2.1938:  Änderung  des  Voranschlags  1937/38,  3.
393  BayHStA,  MK  15553:  Emrich  an  BayKM  v.  27.1.1940.

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