pries das ausgedehnte Vortragswesen seines Gaues. Staatsrat Ernst Boepple371
vom bayerischen Kultusministerium verlangte die Erziehung des ganzen deutschen
Volkes zu einer nationalsozialistischen Einheit.372 Aus Berlin war eigens Walter
Groß, der Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP, zu einem Vortrag über
die „Rassenkunde als Grundlage der neuen Weltanschauung“ angereist.373
Zur feierlichen Einweihung der Räume des Saarpfälzischen Instituts und der Mittelstelle
Saarpfalz am Stiftsplatz in Kaiserslautern waren auch Vertreter der universitären
Westforschung, Franz aus Heidelberg und Steinbach aus Bonn, gekommen.
Emrich forderte eine Wissenschaft, die die Antriebe des Volkes zu Tatbereitschaft
und Gefolgschaftstreue erschließen sollte.374 Anschließend auf der öffentlichen
Tagung der PGFW betonte er die Notwendigkeit des neuen Kulturschaffens für
die politische Erneuerung durch den Nationalsozialismus, der „weltanschaulich
die Bindung von Politik und Kultur“ begründet habe. Kultur sei „keine Staatsangelegenheit,
sondern ein Volkstumskampf‘. Regionalwissenschaft und Heimatforschung
in ihrer völkischen Auffassung, zusammengefasst im Saarpfälzischen
Institut, sollten dem Menschen „neue lebendige Beziehungen zu Raum und Boden,
zu Natur und Volkstum“ vermitteln.'75 Um die Westgrenze des Reiches gegen die
„Versuchungen und Verlockungen fremder Ideologien zu wappnen, die in liberalen
Zeiten hemmungslos“ eingeströmt seien, müssten „gerade an den Grenzen die
Waffen des Geistes scharf und geschliffen gehalten“ werden.376 Für K. Lothar Wolf
war die wichtigste Aufgabe der „Pfalz in der deutschen Geistesgeschichte“, „den
Westen Deutschlands zu einem Bollwerk deutscher Gesinnung“ auszubauen. '7
Genauso verschleiert und schleichend wie 1935 der staatliche Anschluss des Saarlandes
an den Gau Bürckels378 vollzog sich 1936 die Eingliederung der Saarwissenschaften
in die Pfalz. Eine offizielle Übernahme der SFG durch die PGFW
gab es nicht. Über die informelle Zusammenarbeit auf gemeinsamen Tagungen
und in Arbeitsgemeinschaften kamen sich pfälzische und saarländische Forscher
371 Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Hg. Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann
Weiß, 2. Aufl. (München: dtv, 1998), 824, 566.
372 HMP, G/Institutssitzungen: „Geschichte und Aufgabe der Gegenwart: Die Tagung der saarpfälzischen
Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften und des Gauschulungsamtes“,
Saarbrücker Zeitung (16.10.1936).
373 BayHStA, MK 15552: „Tag der Wissenschaft und Volksbildung“ der Gaukulturwoche 1936.
4 BayHStA, MK 15552: Roth[-Lutra], Eröffnung des Spl am 15.10.1936; HMP, G/Institutssitzungen:
w., „Ein Markstein des Aufbaues: Das saarpfälzische Institut für Landeskunde und
die Mittelstelle ,Landsleute drinnen und draußen1 der Bestimmung übergeben“, Saarbrücker
Zeitung (16.10.1936).
375 BayHStA, MK 15552: Roth[-Lutra], Öffentliche Kundgebung in Kaiserslautern am 15.10. 1936.
376 HMP, G/lnstitutssitzungen: „Volksverbundene Wissenschaft“, Saarbrücker Zeitung (7.4.1938).
7 HMP, G/Institutssitzungen: „Geschichte und Aufgabe“, Saarbrücker Zeitung (16.10. 1936);
cf. K[arl] Lothar Wolf, „Pfälzer Naturwissenschaft und deutsche Geistesgeschichte“, Völkische
Wissenschaft, 3 (1936/37), 156-62; BayHStA, MK 15552: Veranstaltungen der PGFW auf der
Gaukulturwoche Saarpfalz 1936.
378 Rödel, „Behörde“, 295.
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