Full text : Volk, Reich und Westgrenze

die  historische  Zunft  veröffentlichte  Joachim  Lerchenmueller  einige  Quellen.43
Auch  die  theoretischen  und  methodischen  Ansätze  der  deutschen  historischen
Sozialforschung  aus  den  1930-er  und  1940-er  Jahren  wurden  kritisch  beleuchtet.44
Auf  den  vergangenen  Deutschen  Historikertagen  wurde  die  Geschichte  der
Geschichtswissenschaften  im  Nationalsozialismus  kontrovers  diskutiert.43  Einen
guten  Überblick  über  die  jüngste  For  gab  am  4.  März  2001  die  Sendung  des
Hessischen  Rundfunks  Geschichte  ist  kriegswichtig  von  Manfred  Köhler.4(1  In
einer  entschiedenen  Abhandlung  über  die  lnstrumentalisierbarkeit  der  deutschen
Geschichtswissenschaft  fasste  Edgar  Wolfrum  ihre  Geschichte  im  Nationalsozialismus
  knapp  zusammen.47 *  Sehr  instruktiv  zu  einigen  wenigen  sozialwissenschaftlichen
  Disziplinen  ist  der  von  Hausmann  herausgegebene  Sammelband
zur  Rolle  der  Geisteswissenschaften  im  Dritten  Reich.™  Hans  Derks  untersuchte
anhand  einer  Bibliographie  von  3400  Titeln  grob  die  Interessen  der  national¬43

  Joachim  Lerchenmueller,  Die  Geschichtswissenschaft  in  den  Planungen  des  Sicherheitsdienstes
  der  SS:  Der  SD-Historiker  Hermann  Löffler  und  seine  Denkschrift  „Entwicklung  und
Aufgaben  der  Geschichtswissenschaft  in  Deutschland",  Archiv  für  Sozialgeschichte,  21  (Bonn:
Dietz,  2001).
44  lm  von  Lutz  Raphael  herausgegebenen  Themenheft  „Von  der  Volksgeschichte  zur  Strukturgeschichte:
  Die  Anfänge  der  westdeutschen  Sozialgeschichte  1945-1968“  der  Comparativ,
12  (2002),  H.  1  die  Beiträge  von  Thomas  Etzemüller,  „Sozialgeschichte  als  politische  Geschichte:
  Die  Etablierung  der  Sozialgeschichte  in  der  westdeutschen  Geschichtswissenschaft“
(12-33)  und  von  Carsten  Klingemann,  „Symbiotische  Verschmelzung:  Volksgeschichte
Soziologie  -  Sozialgeschichte  und  ihre  empirische  Wende  zum  Sozialen  unter  nationalsozialistischen
  Vorzeichen“  (34-62);  cf.  Thomas  Etzemüller,  Sozialgeschichte  als  politische  Geschichte:
Werner  Conze  und  die  Neuorientierung  der  westdeutschen  Geschichtswissenschaft  nach  1945,
Ordnungssysteme,  9  (München:  Oldenbourg,  2001);  cf.  Willi  Oberkrome,  Volksgeschichte:
Methodische  Innovation  und  völkische  Ideologisierung  in  der  deutschen  Geschichtswissenschaft
  1918-1945,  Kritische  Studien  zur  Geschichtswissenschaft,  101  (Göttingen:  V&R,  1993);
id.,  „Historiker  im  ,Dritten  Reich1:  Zum  Stellenwert  volkshistorischer  Ansätze  zwischen
klassischer  Politik-  und  neuerer  Sozialgeschichte“,  Geschichte  in  Wissenschaft  und  Unterricht,
50  (1999),  74-98;  cf.  Axel  Flügel,  „Ambivalente  Innovation:  Anmerkungen  zur  Volksgeschichte“,
  Geschichte  und  Gesellschaft,  26  (2000),  653-71.
43  Geschichtsschreibung  als  Legitimationswissenschaft  1918-1945,  Hg.  Peter  Schöttler,  (Frankfurt,
  M.:  Suhrkamp,  1997);  Deutsche  Historiker  im  Nationalsozialismus,  Hg.  Winfried  Schulze,
Otto  Gerhard  Oexle,  Mitarb.  Gerd  Helm,  Thomas  Ott,  Die  Zeit  des  Nationalsozialismus
(Frankfurt,  M.:  Fischer,  1999).
46  Manfred  Köhler,  Geschichte  ist  kriegswichtig,  Beitr.  Peter  Schöttler  [et  al.],  Regie  Hans
Drawe,  Red.  Peter  Kemper  (Hessischer  Rundfunk  2,  Abendstudio,  4.3.2001).  Die  Internet-Diskussion
  über  die  Rolle  von  Historikern  im  NS  ist  bei  HSozKult  -  Humanities:  Sozial-  und
Kulturgeschichte  auf  der  Webseite  „Historiker  in  der  NS-Zeit  -  Hitlers  willige  Helfer?“
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/beitrag/diskusio/nszeit.htm  (24.4.2003)  dokumentiert;
s.  a.  das  „Forum:  Hans  Rothfels  und  die  Zeitgeschichte“,  http://hsozkult.geschichte.huberlin.de/index.asp?id=281&counT=23&recno=l
  0&type=diskussionen&sort=datum&order=do
wn&pn=forum  (24.4.2003).
4  Edgar  Wolfrum,  Geschichte  als  Waffe:  Vom  Kaiserreich  bis  zur  Wiedervereinigung,  Kleine
Reihe  V&R,  4028  (Göttingen:  V&R,  2001),  47-53.
4W  Die  Rolle  der  Geisteswissenschaften  im  Dritten  Reich  1933-1945,  Hg.  Frank-Rutger  Hausmann,
  Mitarb.  Elisabeth  Müller-Luckner,  Schriften  des  Historischen  Kollegs,  Kolloquien  53
(München:  Oldenbourg,  2002);  cf.  Manfred  Hettling,  „Sammelrezension:  Geisteswissenschatten
  und  NS“,  HSozKult  -  Humanities:  Sozial-  und  Kulturgeschichte,  http://hsozkult.
geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2004-1-135  (3.3.2004),

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