des NS-Lehrerbunds verfügte Fritz Christmann über gute Verbindungen zur saarpfälzischen
Lehrerschaft.2**
Nach dem Rücktritt Roth-Lutras wurde die Abteilung für Rassenforschung in
Abteilung für Sippenforschung umbenannt. Anthropometrische Methoden wichen
einer historischen Erforschung der Einwanderung in die Saarpfalz nach dem
Dreißigjährigen Krieg und den Kriegen Ludwigs XIV. Die eingewanderten Familien
wurden nach Namen, Flerkunfts- und Ansiedlungsort erfasst.288 289
Sprache und Volkskunde
Gleichfalls 1933 wurde zusammen mit den anderen Nationalsozialisten der Germanist,
Toponymist und Volkskundler Ernst Christmann in die PGFW aufgenommen
und mit der Leitung der Abteilung Deutsche Sprache und Volkskunde betraut.290
Christmann hatte Glück, dass ihn die Nationalsozialisten heranzogen und ihm nicht
seine Beiträge zur sozialdemokratischen Heimatzeitschrift Bei uns daheim nachtrugen.291
Allerdings waren seine Artikel politisch unverfänglich und das Letzte,
was man ihm hätte vorwerfen können, wäre Nähe zum Marxismus gewesen.
Christmann brachte das bedeutendste wissenschaftliche Unternehmen der Pfalz,
das Pfälzische Wörterbuch, in die PGFW ein. 1912 hatte die Bayerische Akademie
der Wissenschaften die Sammlung von Mundartwortgut der Rheinpfalz und die
Erstellung eines historisch-topographischen Wörterbuchs der Pfalz in Auftrag gegeben.
Durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, wurde das Wörterbuch 1925
von Christmann wieder aufgenommen. Das Pfälzische Wörterbuch wurde vom
bayerischen Kultusministerium finanziert, bis Mitte der 1930-er Jahre direkt, darauf
vermittelt durch die PGFW und durch das Saarpfälzische Institut, in das das Wörterbuch
1936 aufgenommen wurde. Damit wurde die Wörterbuchkanzlei weiter
dem Einfluss der Bayerischen Akademie der Wissenschaften entzogen und musste
sich wie die PGFW nach dem regionalen politischen Willen richten. 1935 schloss
Christmann die Sammlung zu einem guten Teil ab. Die weitere Auswertung der
Daten wurde 1938 Otto Bertram an vertraut. 1941 kehrte Christmann in die
Wörterbuchkanzlei zurück und führte sie nach dem Zweiten Weltkrieg weiter. Sie
ist heute ein Teil des pfälzischen Wörterbuchs der Akademie der Wissenschaften
288 BayHStA, MK 15552: Emrich an BayKM v. 6.9.1937, cf. BayKM an PGFW v. 30.9.1937,
Fr. Christmann u. Emrich, Vollsitzung der PGFW am 30.6.1938 [3].
289 HMP, G/Institutssitzungen: Emrich, Spl: Aufgabe und Arbeit [6-7].
290 BayHStA, MK 15552: Arbeitssitzung der PGFW am 24.3.1934: Entschlieifung des BayKM
v. 22.12.1933. Die Abteilung „Deutsche Sprache“ wurde von Theodor Zink, Albert Becker,
Hermann Graf, Hermann Moos und Hans Brein unterstützt; BayHStA, MK 15551: Vorschlag
zur personellen Zusammensetzung der PGFW, 2.
291 Applegate, Nation, 166.
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