besprechungen wurden ohne ihn anberaumt. Auf die Rechnungsführung hatte er fast
keinen Einfluss. Er war noch nicht einmal bei der Bank zeichnungsberechtigt. Von
wissenschaftlichen Unternehmungen des Instituts erfuhr Roth-Lutra als Letzter. So
forderte er alle von Postius satzungswidrig an sich gezogenen institutionellen Aufgaben
zurück.282 283 Sachlich hatte Roth-Lutra Recht. Als Generalsekretär hatte er die
Geschäfte zu führen und die Buchführung der PGFW war seit der Errichtung des
Saarpfälzischen Instituts vollkommen undurchschaubar geworden. Die Regierung
der Pfalz monierte die Aufstellungen als „Wursteln“ und forderte, die Rechnungslegungen
von PGFW und Institut zu trennen. s’
In einer Verwaltungsausschusssitzung Ende Juni 1937 kam es zum Eklat. Emrich
ignorierte eine Denkschrift Roth-Lutras über verwaltungsmäßige Verbesserungen
und stachelte gegen ihn den eigens aus dem Sommerurlaub abberufenen Postius
auf, obwohl dieser weder Mitglied des Verwaltungsausschusses noch der PGFW
war.284 Emrichs Urlaubsantritt abwartend, beschwerte sich Roth-Lutra Anfang Juli
bei der Gauleitung. Damit hatte er den Bogen überspannt. Unzureichend gerüstet,
hatte er gegen einen der wichtigsten nationalsozialistischen Grundsätze verstoßen,
gegen die Gefolgschaftstreue. Der einflussreiche stellvertretende Gauleiter Ernst
Ludwig Leyser ließ nicht Emrich, sondern Roth-Lutra den Schreibtisch räumen.28'
Am folgenden Tag legte Roth-Lutra alle Ämter nieder und nahm das Anthropologische
Laboratorium der Pfalz aus dem Saarpfälzischen Institut heraus.286
Emrich gestand ihm die Nutzung der rassenkundlichen Instrumente zu. Über die
weitere Förderung seiner Arbeit wolle er aber „erst nach grundsätzlicher, fachmännischer
Beurteilung“ von Roth-Lutras Forschungsmethoden und -ergebnissen
entscheiden.28 Im Einvernehmen mit Leyser wurde Dr. Fritz Christmann zum
neuen Generalsekretär der PGFW berufen. Er genoss das „volle Vertrauen der
Gauleitung“, der er als Gauhauptstellenleiter angehörte. Als Gauschulungsleiter
28‘ HMP, G/Briefwechsel 1936-37: Roth-Lutra an Emrich v. 1.7.1937, 1 u. 11.
283 BayHStA, MK 15552: [Roth-Lutra u.] Emrich, Spl-Verwaltungsausschusses v. 22.6.1937;
cf. HMP, G/Briefwechsel 1936-37: Roth-Lutra an Emrich v. 1.7.1937, 10. Seit 1937 kam es zu
regelmäßigen Rechnungsprüfungen bei der PGFW; BayHStA, MK 15552: Meyer, Rechnungsprüfung
der PGFW f. d. Rechnungsjahr 1936 v. 13.11.1937, LASp, H 3/8009, f. 155: RKSp an
PGFW v. 23.1.1941: Rechnungsprüfungen der PGFW für 1937, 1938 u. 1939.
284 HMP, G/Briefwechsel 1936-37: Roth-Lutra, Denkschrift über die verwaltungs- und geschäftsmässige
Grundlage eines Aufbaues der PGFW und des Spl v. 12.6.1937; Roth-Lutra an
Emrich v. 1.7.1937, 2, 3, 7 u. 11.
28s BayHStA, MK 15552: Emrich an BayKM v. 24.7.1937; Dieter Wolfanger, „Ernst Ludwig
Leyser: Stellvertretender Gauleiter der NSDAP in der Saarpfalz: Eine biographische Skizze“,
Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, 14 (1988), 209-17, hier 212-13; Schepua,
,„Sozialismus der Tat1“, 568.
286 HMP, G/Briefwechsel 1936-37: Roth-Lutra an Emrich v. 13.7.1937.
287 BayHStA, MK 15552: Emrich an Roth[-Lutra] v. 20.7.1937.
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