Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Menschenschläge“  kontrollieren  und  vor  allem  „Nester“  erbkranker  Sippen  und
Familienstämme  aufspüren.  Die  hierfür  anvisierte  Zusammenarbeit  mit  der  Heil-  und
Pflegeanstalt  Klingenmünster,  dessen  Direktor  Dr.  med.  Josef  Klüber  in  die  PGFW-Abteilung
  für  Rassenkunde  aufgenommen  wurde,  blieb  allerdings  unergiebig,  da
Klüber  der  nationalsozialistischen  Psychiatriepolitik  reserviert  gegenüber  stand.248
Roth-Lutras  Beiträge  zum  Pfälzischen  Geschichtsatlas,  seine  Karten  zur  pfälzischen
  und  nordbadischen  Rassenkunde  und  namentlich  deren  Erläuterungen,
waren  bar  jeden  Inhalts:
„Wir  müssen  [...]  Rassen  als  geprägte  Schicksalsgemeinschaften  auffassen,  die
sich  mit  gegebenen  Natur-  und  Kulturbedingungen  auseinandersetzen  und  deren
Wesen  jeweils  nur  als  Ergebnis  dieses  Kampfes  der  schöpferischen  Kräfte  ebendieser
  Menschengruppen  mit  der  vorhandenen,  umgeprägten,  selbstgeschaffenen
und  übernommenen  Umwelt  und  Gesittung  verstanden  werden  kann.“249
Niessen  urteilte  über  die  Karten,  sie  seien  „schwer  zu  lesen  und  zu  deuten“.250
Pfalzkommissar  Jolas  war  aufgebracht  über  Roth-Lutras  „verworrene“  Arbeit.2'1
Jolas‘  linguistischer  Kritik  ist  beizupflichten:  Roth-Lutras  Schreibstil  kann  nur  als
kraus  bezeichnet  werden.  Dem  Publikum  ist  nichts  entgangen,  wenn  von  seiner
projektierten  „Rassenkunde  der  Rheinpfalz“252  nicht  ein  einziger  Band  erschien.
Anfang  1935  wurde  Roth-Lutra  vom  Bauamt  der  Stadt  Kaiserlautern  mit  der  ehrenamtlichen
  Leitung  und  mit  der  Konservierung  und  Auswertung  der  Skelette  aus  den
archäologischen  Ausgrabungen  auf  dem  geschichtlichen  Kaiserpfalzfriedhof  der
Barbarossaburg  beauftragt,253 *  wozu  ihm  Hilfskräfte  und  Arbeitsräume  zugeteilt
wurden.  Das  Saarpfälzische  Institut  stellte  ihm  1936  einen  Untersuchungsraum
und  ein  Gebeinmagazin  und  schaffte  ihm  teure  anthropometrische  Geräte  an.2'4
Um  keine  „jüdischen“  Messinstrumente  zu  kaufen,  ließ  sich  Roth-Lutra  von  der

"  8  BayHStA,  MK  15552:  Arbeitssitzung  d.  ordenti.  Mitglieder  d.  PGFW  am  24.3.1934;  cf.
Vorschlag  zur  personellen  Zusammensetzung  der  PGFW,  1;  Karl  Scherer,  Otfried  Linde,  Roland
Paul,  Psychiatrie  im  Nationalsozialismus:  Die  Heil-  und  Pflegeanstalt  Klingenmünster  1933-1945,
  3.  Auf.,  Beiträge  zur  pfälzischen  Geschichte,  14  (Kaiserslautem:  IpGV,  2003),  11-36.
~49  Karl  Heinrich  Roth-Lutra,  „Karten  zur  pfälzischen  und  nordbadischen  Rassenkunde“,  Pfälzischer
  Geschichtsatlas,  hg.  i.  A.  d.  Pfälzischen  Gesellschaft  zur  Förderung  der  Wissenschaften
u.  d.  Vereins  zur  Herausgabe  eines  historischen  Atlasses  von  Bayern  v.  Wilhelm  Winkler
(Neustadt,  H.:  PGFW,  1935),  Bl.  39,  [17-18].
'(l  Niessen,  „[Besprechung]  Pfälzischer  Geschichtsatlas“,  246.
31  LASp,  C  1381:  Jolas,  „Berufliche  Erlebnisse“,  3:  181-82.
252  LASp,  H  3/8011,  f.  2:  Roth-Lutra  an  Reg.  d.  Pfalz  v.  14.4.1935;  HMP,  G/Briefwechsel
1936-37:  Roth-Lutra  an  [Emrich]  v.  1.7.1937,  6-7;  cf.  BayHStA,  MK  15552:  Vollsitzung  d.
PGFW  am  22.6.1937  [17].
2>'  [Werner]  Bremer,  „Die  Ausgrabungen  an  der  Barbarossaburg  zu  Kaiserslautern“,  Völkische
Wissenschaft,  3  (1936/37),  198-215,  hier  215;  Roth-Lutra,  „Vorbericht“,  5;  HMP,  G/Briefwechsel
  1936-37:  Roth-Lutra  an  OB  Kaiserslautem  v.  24.2.1937,  1;  cf.  Kretzer,  „Roth-Lutra
gestorben“,  134-35;  Friedei,  Kaiserslautern,  94.
'4  BayHStA,  MK  15552:  [Roth-Lutra  u.]  Emrich,  Sitzung  der  PGFW  am  22.6.1937,  17;  HMP,
G/Briefwechsel  1936-37:  Roth-Lutra  an  BayKM  v.  22.4.1937,  Roth-Lutra  an  OB  Kaiserslautern
  v.  24.2.1937.

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