Full text : Volk, Reich und Westgrenze

und  eugenische  Maßnahmen  lieferte,  bat  er  um  öffentliche  Mittel.241  Sein  finanzielles
  Anliegen  wurde  jedoch  von  den  verschiedensten  Ministerien  und  auch  von
der  PGFW  abgelehnt.242  Letztere  leitete  immerhin  1928  bei  der  Notgemeinschaft
ein  Stipendium  für  Roth-Lutra  in  die  Wege.24'  In  der  Tat  hätten  Roth-Lutras
Forschungsergebnisse  über  den  rassenanthropologischen  Aufbau  der  pfälzischen
Bevölkerung  staatliche  Förderung  kaum  gerechtfertigt.  Alles,  was  er  aus  seinen
Körpervermessungen  ableitete,  war,  dass  das  Pfälzer  Volk  „eine  somatische  Einheit1
  bilde.  Er  habe  „raßliche  und  körperbauliche  Gegensätze  zwischen  Ebene
und  Berg-  und  Hügelland’1  oder  „eindeutige  Verschiedenheit  in  rassenmäßiger
Hinsicht  zwischen  Hand-  und  Geistesarbeitern“  nicht  entdecken  können.244  Über
die  „Rassenzugehörigkeit“  der  Pfälzer  wusste  er  in  Anlehnung  an  die  Kategorien
Eugen  Fischers24^  zu  berichten,  dass  „die  nordische  und  alpine  Rasse“  in  der  Pfalz
vorherrsche.  Die  „Pigmentattribute  der  nordischen  Rassen  -  blonde  Haare  und
blaue  Augen“  -  habe  er  bei  einem  Drittel  der  Untersuchten  vorgefunden.246
Mitte  der  1930-er  Jahre  brachte  Roth-Lutra  sein  Anthropologisches  Laboratorium
in  die  rassenkundliche  Abteilung  von  PGFW  und  Saarpfälzischem  Institut  ein.
Als  Abteilungsleiter  der  PGFW  hatte  Roth-Lutra  zwar  keinen  eigenen  Haushalt,
doch  konnte  er  mit  stärkerem  staatlichem  Engagement  rechnen.  Mit  der  Abteilung
Rassenkunde  plante  er,  die  historische  und  aktuelle  Bevölkerung  seiner  Region
rassenkundlich  zu  untersuchen,  um  landschaftlich  und  sozial  verschiedene  Rassetypen
  zu  unterscheiden.  Für  Nationalsozialisten  besonders  attraktiv  hörte  sich  sein
Angebot  an,  einen  „Blick  ins  westliche  Rassenchaos“  werfen  zu  wollen.24,  Roth-Lutra
  stellte  seine  Forschung  willentlich  in  den  „Dienst  der  unmittelbaren  rassenhygienischen
  Sofortmaßnahmen  der  nationalsozialistischen  Staatsführung“  und
sah  umfangreiche  Handlangerdienste  zur  „Durchführung  des  Gesetzes  zur  Verhütung
  erbkranken  Nachwuchses“  vor.  Durch  die  erbbiologische  und  rassenhygienische
  Durchleuchtung  der  gesamten  pfälzischen  Bevölkerung  wollte  Roth-Lutra
künftig  Eheschließungen  erbbiologisch  überwachen,  die  „Siedlung  erbtüchtiger

241  StdAKl,  AHI,  311/9:  Roth[-Lutra]  an  OB  Dr.  Baumann  v.  16.3.1925;  cf.  Roth-Lutra,
„ALP“,  51.
242  StdAKl,  AIII,  311/9:  Matt  (BayKM)  an  Stadtrat  Kaiserslautern  v.  18.6.1925,  18.  Sitzung  des
Hauptausschusses  [Kaiserslautern]  v.  19.10.1925,  Sprater  an  R.  Martin  v.  13.2.1925;  BayHStA,
MA  107932:  BayMA  an  Sperr  v.  21.10.1926,  BayKM  an  BayMA  v.  13.10.1926.
4'  BayHStA,  MK  15551:  7.  Sitzung  d.  PGFW,  Jahresbericht  über  das  Geschäftsjahr  1928/29
[20].  Im  Findbuch  „Einzelfall-Förderakten“  des  Bestandes  R73  „DFG  1920-45“  des  BAKo
fanden  sich  keine  Unterlagen  zu  Roth-Lutra.
"44  Karl  H[einrich]  Roth-Lutra,  „Rassenzugehörigkeit  und  Sozialtypen  des  Pfälzer  Volkes:  Vorläufige
  Mitteilung“,  Nachrichten  der  Deutschen  Anthropologischen  Gesellschaft,  2  (  1927),  22-25,
  hier  25.
245  Eugen  Fischer,  „Die  Rassenunterschiede  des  Menschen“,  id.,  Erwin  Baur,  Fritz  Lenz,
Menschliche  Erblichkeitslehre  und  Rassenhygiene,  Bd.  1:  Menschliche  Erblichkeitslehre,  3.,
verm.  u.  verb.  Aufl.  (München:  J.  F.  Lehmann,  1927),  83-168,  hier  146-60.
246  Roth-Lutra,  „Rassenzugehörigkeit“,  23.
4  BayHStA,  MK  15552:  Arbeitssitzung  d.  ordenti.  Mitgliederd.  PGFW  am  5.1.1935.

214
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.