Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Schädel-  und  Skelettfunde  vom  Barbarossa-Gräberfeld  zu  Kaiserslautern,  fort  und
führte  dort  wieder  Ausgrabungen  durch.  Roth-Lutra  starb  am  20.  Februar  1984.233
Pfälzische  Rassenstruktur
Das  bayerische  Kultusministerium  bat  1922  das  Anthropologische  Institut  der
Universität  München,  die  physische  Beschaffenheit  der  pfälzischen  Bevölkerung
zu  untersuchen.  Institutsleiter  Rudolf  Martin  betraute  seinen  Studenten  Roth-Lutra
  als  gebürtigen  Pfälzer  mit  der  „Rassenbiologischen  Inventaraufnahme  der
rheinpfälzischen  Bevölkerung“.2’4  Die  bayerische  Staatsregierung  öffnete  dem
„Bevollmächtigten  für  die  Rheinpfalz“,  wie  sich  Roth-Lutra  titulierte,  die  Türen
zu  den  pfälzischen  Schulen  und  Sportvereinen.2’"  Bis  1925  hatte  Roth-Lutra  fast
6300  Personen  anthropometrisch  verzeichnet.  Um  sein  Fernziel  der  „Erfassung
sämtlicher  Individuen“  zu  erreichen,  durfte  er  sogar  die  militärischen  Musterungslisten
  aller  Gestellungspflichtigen  der  Pfalz  auswerten  -  eine  Vergünstigung  der
Armee,  die  den  hohen  Stellenwert  anzeigt,  der  schon  in  den  1920-er  Jahren
rassenkundlichen  Analysen  zugemessen  wurde.  Roth-Lutra  analysierte  die
einzelnen  geographischen  Einheiten,  Altersstufen  und  Berufsstände  der  Pfalz
,,konstitutionstypologisch[...]  und  rassenanthropologisch[...]“.  Um  die  „Dynamik
der  anthropologischen  Verhältnisse  im  Laufe  der  Vor-  und  Frühgeschichte“  aufzudecken,236
  brauchte  er  historische  Daten  zur  körperlichen  Entwicklung  der
pfälzischen  Bevölkerung.  Er  bat  pfälzische  Städte,  Friedhofsausgrabungen  durchführen
  zu  dürfen,  um  eine  Skelettsammlung  anzulegen.2’7 238  Der  Speyrer  Museumsdirektor
  Sprater,  selbst  anthropologisch  interessiert,  unterstützte  Roth-Lutras
Anträge  und  gab  die  Skelettbestände  des  Historischen  Museums  an  das  Anthropologische
  Institut  München  ab.23x  Die  Stadt  Kaiserslautern  genehmigte  die  Abgabe
von  Gebeinen  aus  aufgelassenen  Gräbern  und  stellte  Roth-Lutra  Hilfskräfte  und
Arbeitsräume  zur  Verfügung.239 *  1925  bestand  die  osteologische  Sammlung  aus
etwa  250  Skeletten.
1925  suchte  Roth-Lutra  nach  einer  pfälzischen  Unterkunft  für  sein  Anthropologisches
  Laboratorium.2411  Da  Roth-Lutra  dem  Staat  Grunddaten  für  rassenhygienische

33  Todesanzeige  v.  27.2.1984.  Roth-Lutras  Nachlass  liegt  ungeordnet  im  Museum  in  Bad
Dürkheim;  Kretzer,  „Roth-Lutra  gestorben“,  135.
’4  StdAKl,  AllI,  311/9:  Roth[-Lutra]  an  Bürgermeister  Kaiserslautern  v.  20.11.1923.
StdAKl,  AII1,  311/9:  Roth[-Lutra]  an  Bürgermeister  Kaiserslautern  v.  5.2.1925;  cf.  Roth-Lutra,
  „Denkschrift  über  die  Schaffung“,  50.
236  Roth-Lutra,  „Denkschrift  über  die  Schaffung“,  50,  51-52.
237  StdAKl,  AIII,  311/9:  R.  Martin  an  Bürgermeister  Kaiserslautern  v.  23.6.1922.
238  StdAKl,  AHI,  311/9:  Sprater  an  R.  Martin  v.  13.2.1925,  Sprater  an  Bürgermeister  Kaiserslautern
  v.  28.6.1922;  cf.  BayHStA,  MK  15552:  Vollsitzung  d.  PGFW  am  22.6.1937  [17].
239  StdAKl,  AIII,  311/9:  16.  geheime  Sitzung  des  Stadtrats  Kaiserslautern  v.  12.10.1922,
Roth[-Lutra]  an  Bürgermeister  Kaiserslautern  v.  20.11.1923  u.  v.  5.2.1925.
"4()  Roth-Lutra,  „Denkschrift  über  die  Schaffung“,  50;  cf.  StdAKl,  AIII,  311/9:  Roth[-Lutra],
Denkschrift  v.  12.3.1925.

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