Full text : Volk, Reich und Westgrenze

der  Pfalz,22  dessen  Forschungsergebnisse  er  1925  in  seiner  Dissertation  „Beiträge
zur  Anthropologie  der  Pfalz“  zusammenfasste.* 228
Seit  März  1932  Schriftleiter  der  Beilage  „Rasse  und  Kultur“  der  NSZ-Rheinfront,
trat  Roth-Lutra  im  Oktober  1932  in  Kaiserslautern  der  NSDAP  und  im  November
der  SA  bei.  Er  arbeitete  bei  der  NSDAP  in  vielen  Bereichen  mit.  1933  war  er
Propagandawart  der  Ortsgruppe  Kaiserslautern,  von  September  1932  bis  Juli  1935
Gaufachberater  Wissenschaft,  Ende  1933  Schulungsleiter  der  Ortsgruppe  und
zeitweilig  Referent  für  Rasse  und  Siedlung.  Er  wurde  als  Redner  für  Rassefragen
eingesetzt  und  lehrte  an  der  Gauschule.  Er  war  Gaufachschaftswalter  und  Gaufachgruppenwalter
  der  DAF.229  1935  nach  einem  zweiwöchigen  NS-Sonderlehrgang
urteilte  der  Leiter  der  Landesführerschule  Bernau  über  Roth-Lutra:  „Ein  eifriger,
strebsamer  Mensch.  Geht  weltanschaulich  den  richtigen  Weg.  Besitzt  ein  sehr  gutes
Wissen.  Ist  allerdings  mehr  für  rein  wissenschaftliche  Arbeit  geeignet.“2’0
1933-37  war  Roth-Lutra  Generalsekretär  der  PGFW  und  Leiter  ihrer  Abteilung
für  Rassenkunde.  Nach  seinem  Ausscheiden  aus  der  PGFW  und  dem  Saarpfälzischen
  Institut  ging  er  nach  Berlin,  wo  er  im  Staatlichen  Museum  für  Völkerkunde
  bei  der  Vorbereitung  einer  Amazonasexpedition  half.  Roth-Lutra  selbst  nahm
nicht  an  der  Expedition  teil,  sondern  absolvierte  am  Kaiser-Wilhelm-Institut  für
Anthropologie,  menschliche  Erblehre  und  Eugenik  ein  Praktikum.231  1939/40
erhielt  er  von  der  DFG  ein  Stipendium  und  war  gleichzeitig  Volontär-Assistent
bei  der  Universitätsanstalt  für  Vor-  und  Frühgeschichte  des  Germanischen  Museums
  und  an  der  Anstalt  für  Anthropologie  und  Völkerkunde  an  der  Friedrich-Schiller-Universität
  Jena.  1941  wurde  er  von  der  Wehrmacht  eingezogen,  geriet
1945  in  Kriegsgefangenschaft  und  blieb  bis  1948  interniert.  Nach  dem  Krieg
bekam  er  wiederholt  Stipendien  der  DFG  und  war  -  meist  unbezahlt  -  Mitarbeiter
am  Anthropologischen  Institut  der  Universität  Mainz.232  Er  setzte  die  Auswertung
seiner  in  der  Pfalz  ausgegrabenen  anthropologischen  Materialien,  vor  allem  der

2-7  Karl  H[einrich]  Roth-Lutra,  „Denkschrift  über  die  Schaffung  eines  Anthropologischen  Laboratoriums
  der  Pfalz“,  Nachrichten  der  Deutschen  Anthropologischen  Gesellschaft:  Verbandsorgan
der  Deutschen  Gesellschaften  für  Anthropologie,  Ethnologie  und  Urgeschichte,  2  (1927),  50-52.
Für  den  Hinweis  auf  diese  Denkschrift  danke  ich  Frau  Dr.  Alexandra  Przyrembel.
228  Karl  H[einrich]  Roth-Lutra,  „Archäologischer  Vorbericht  über  das  Barbarossa-Gräberfeld
zu  Kaiserslautern:  Mit  2  Plänen  und  25  Bildern:  Vorläufige  grundsätzliche  Ergebnisse  der  Ausgrabungskampagne
  1934-1937  (Oberbaurat  Dr.-lng.  Werner  Bremer)  im  Bereich  des  Gräberfeldes
  (1935  bis  1937:  Dr.  Roth-Lutra)“,  Mitteilungen  des  Historischen  Vereins  der  Pfalz,  59
(1961),  5-61,  hier  5.
229  BDC,  Roth[-Lutra]:  Karteikarte  zum  Vorschlag  als  Redner  für  Rassenfragen,  Personalbogen:
  Mg.-Nr.  1  349  134.
230  BDC,  Roth[-Lutra],  Personalbogen:  Dietel  v.  14.9.1935,  cf.  Karteikarte  zum  Vorschlag
Roth-Lutras  als  Redner  für  Rassenfragen.
231  Hans-Walter  Schmuhl  an  den  Verf.  v.  20.11.2004;  Hans-Walter  Schmuhl,  Grenzüberschreitungen:
  Das  Kaiser-Wilhelm-Institut  für  Anthropologie,  menschliche  Erblehre  und  Eugenik
1927-1945,  Geschichte  der  Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft  im  Nationalsozialismus,  9  (Göttingen:
Wallstein,  2005),  293  Anm.
2,2  Roth-Lutra,  „Vorbericht“,  6.

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