Full text : Volk, Reich und Westgrenze

mögen“:  „Kultur  ist  also  rassisch  und  völkisch  gebunden.“222  Um  die  hoch  stehende
deutsche  Kultur  und  den  „Volkskörper“  gesund  zu  erhalten,  sollten  die  eigenen
genetischen  Anlagen  durch  Rassenhygiene  vor  minderwertigen  Erbeinflüssen
geschützt  werden.  Rassenhygiene  und  Antisemitismus  gingen  Hand  in  Hand,  da
man  den  Juden  zur  Last  legte,  die  deutsche  Rasse  zu  überfremden.22'  Einige
Rassenforscher  spekulierten,  dass  Juden  ohnedies  eine  verdorbene  Mischrasse
seien,  ein  Durcheinander  aus  afrikanischem  und  orientalischem  Blut.224  Auch  in
der  Pfalz  wurde  Rassenhygiene  1933  staatliche  Politik  und  in  der  PGFW  eine
Abteilung  für  Rassenkunde  eingerichtet.  Ihr  Leiter  Karl-Heinrich  Roth-Lutra
bemühte  sich,  zur  akademischen  Spitze  der  Rassenanthropologie  aufzurücken.
Karl  Heinrich  Roth-Lutra
Karl  Heinrich  Roth-Lutra  wurde  am  14.  Mai  1900  in
Kaiserslautern  geboren22'  und  machte  dort  sein  Abitur.
  Sein  bürgerlicher  Name  Karl  Roth  war  zu  gewöhnlich,
  um  einen  aufstrebenden  Wissenschaftler
zu  distinguieren.  So  legte  er  sich  einen  Doppelnamen
  zu,  indem  er  seinem  Familiennamen  die  älteste
überlieferte  Bezeichnung  für  Kaiserslautern  anhing.
Obwohl  er  im  Ersten  Weltkrieg  nicht  im  Feld
gestanden  hatte,  wurde  er  mit  dem  Ehrenkreuz  für
Kriegsteilnehmer  ausgezeichnet.226  1920-25  studierte
er  an  der  Universität  München  Anthropologie  bei
Professor  Rudolf  Martin.  Seit  1925  leitete  Roth-  3  ■  Karl  Heinrich
Lutra  sein  privates  Anthropologisches  Laboratorium  Roth-Lutra  1935

HMP,  G/Institutssitzungen:  Dr.  R.,  „Die  Rasse:  Grundlage  unserer  Weltanschauung:
Dr.  Walter  Groß  spricht  in  Kaiserslautern  am  Tag  der  Wissenschaft“,  Saarbrücker  Zeitung
(16.10.1936).
Otmar  v[on]  Verschuer,  Rassenhygiene  als  Wissenschaft  und  Staatsaufgabe,  Frankfurter
Akademische  Reden,  7  (Frankfurt,  M.:  Bechhold,  1936),  5-7.
Robert  [N.]  Proctor,  Racial  Hygiene:  Medicine  under  the  Nazis  (Cambridge,  MA:  Harvard
UP,  1988),  197.
H[ans]-J[ochen]  Kretzer,  „Karl  Heinrich  Roth-Lutra  gestorben“,  Pfälzer  Heimat,  33  (1984),
134-35;  Das  große  Pfalzbuch,  684;  [Karl  Heinrich  Roth-Lutra]  „Anthropologie:  Karl  Heinrich
Roth-Lutra,  Dr.  phil.“,  Kaiserslautern  schreibt,  H.  4:  Wissenschaft,  betreut  v.  Rosemarie
Geiger,  Schriftenreihe  des  Kulturamtes  der  Stadt  Kaiserslautern,  11  (Kaiserslautern:  Kulturamt,
1979),  33-34;  ich  danke  Herrn  Dr.  Hans-Jochen  Kretzer  für  die  freundliche  Zusendung  von
biographischem  Material  und  der  von  Roth-Lutra  in  den  1980-er  Jahren  verfassten  dreiseitigen
„Liste  der  Veröffentlichungen“.
"6  BDC,  Rothj-Lutra],  Personalbogen.

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