Deutschen ab dem 16. Jahrhundert sich gegenüber gülden die „adjektivische
Rückbildung golden aus Gold, in der Assimilationsform gollen durchgesetzt“
hatte.214 Rhetorisch fragte Christmann „Was soll auch ein ,Guldenstein" besagen?
,Goldener Stein"?“21' Doch genau das besagt Gollenstein: „Gold"" bezog sich auf
die gelb-rote Farbe des Sandsteins oder auf den Wert der umliegenden Äcker, was
nach Auskunft von Wolfgang Haubrichs in Flurnamen häutig vorkommt.216
Die SS erwarb am 1. Juli 1937 zusammen mit der Stadt Blieskastel für 1500
Reichsmark den Gollenstein21 und machte sich sogleich Gedanken, wie das erworbene
Gelände eindrucksvoll zu gestalten sei.21* Mit Sicherheit wollte Himmler
am Gollenstein, wie an anderen Orten, eine germanische Kultstätte beleben und
ein neuheidnisches Heiligtum oder eine nationalsozialistische Wallfahrtsstätte
errichten lassen, um die vorgeschichtliche Bedeutung des Ort Für die weltanschaulichen
Ziele der SS zu missbrauchen.219 Doch konnten nach Kriegsbeginn die
Umbauplanungen zum Gollenstein-Gelände nicht mehr verwirklicht werden.
Rassenpolitik und -forschling
Im 19. Jahrhundert entstand im Dunstkreis von Linguistik und Vererbungslehre
die Idee, dass es in der Vorzeit unvermischte Rassen gegeben habe, die sich derart
auffällig voneinander unterschieden, dass man mit wissenschaftlichen Mitteln den
Herkunftsanteil der aus diesen Rassen vorgegangenen Menschen ablesen könnte.220
Schon im Kaiserreich ließ die Deutsche Anthropologische Gesellschaft über sechs
Millionen deutsche Schüler (davon die jüdischen Kinder gesondert) untersuchen,
um die heimischen Rassenmerkmale zu ermitteln. Es wurde festgestellt, dass die
Deutschen (im Gegensatz zu den Juden!) eine blonde, blauäugige und hellhäutige
Rasse seien, und eine biologische nationale Identität begründet, auf die sich in der
Folgezeit viele Rassisten bezogen.221 In der nationalsozialistischen Weltanschauung
schließlich fußte nicht nur die äußere Erscheinung, sondern jede menschliche
Äußerung auf „den ursprünglichen Voraussetzungen, dem Blut und dem Anlagever¬214
Haubrichs an den Verf. v. 13.4.2000.
215 Christmann, „Name des Gollensteins 279. Noch 1948 hielt Christmann an seiner Deutung
fest; Emst Christmann, Menhire und Hinkelsteine in der Pfalz (Speyer: HMP [1948]), 7.
216 Haubrichs an den Verf. v. 13.4.2000.
21 BABL, NS21/705: SS-Sturmbannführer Ga[lke] an Ahnenerbe v. 8.6.1937: zur Urkunde des
Notariats Blieskastel v. 6.4.1937, Kaufangebot zum 1.7.1937 abgeschlossen; cf. Si[evers] an
Kolb v. 23.7.1937; Galke an Kasse RFSS-PS v. 8.6.1937.
218 BABL, NS21/705: Galke an Kolb v. 8.6.1937.
219 Cf. Kater, Ahnenerbe, 55-56.
220 Wilhelm E. Mühlmann, Geschichte der Anthropologie, 4. Aufl., unveränd. Nachdr. der 2.,
verb. u. erw. Aufl., Sammlung Aula (Wiesbaden: AULA, 1986), 198-99.
221 Zimmerman, Anthropology, 135-46.
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