noch einmal sehr zurückhaltend über die kultischen Zusammenhänge. Dass er
dennoch für die Wiederbelebung des Sonnwendkultes in seiner Gegenwart
plädierte, tat seiner wissenschaftlichen Auffassung keinen Abbruch.19' Vom Amt
des Beauftragten des Führers Für die Überwachung der gesamten geistigen und
weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP, dem so genannten Amt
Rosenberg, wurde die Weihestättendeutung gleichfalls als „Ausgeburt einer
zügellosen Phantasie“ abgelehnt.193 194
1933 wurde der Mannheimer Altertumsverein von Sprater zum Kriemhildenstuhl
geführt. Im Jahr darauf beauftragte die Stadt Bad Dürkheim Sprater mit Ausgrabungen.
Sie dauerten bis 1935 an und förderten 22 römische Inschriften, 29
weitere Felszeichnungen und antike Bruchwerkzeuge zu Tage.195 Als 1936 der
Mannheimer Altertumsverein die Grabungen wieder aufnehmen wollte, wurde
ihm die Genehmigung verweigert. Mittlerweile hatte der Chef der SS Heinrich
Himmler, der am Kriemhildenstuhl ein altes germanisches Heiligtum wähnte, das
Gelände gepachtet und seinem Lehr- und Forschungsverein, dem Ahnenerbe,
aufgegeben, unerforschte Stellen an der Felswand freizulegen und den Ringwall
auf dem Berg zu erkunden. Für vorgeschichtliche Ausgrabungen hatte Himmler
seine Professoren SS-Obersturmführer Alexander Langsdorff und SS-Untersturmführer
Hans Schleif. Schleif übertrug die Ausgrabungen um den Kriemhildenstuhl
SS-Scharführer Johann Lohausen, der sie ab November 1937 vom RAD ausführen
ließ. Im Rechnungsjahr 1937/38 wandte das Ahnenerbe hierfür fast ein Achtel
seines Gesamtgrabungshaushaltes auf.196
193 [Friedrich] Sprater, „Germanischer Sonnenkult in der Pfalz“, Die Westmark, 1 (1933/34), 333-34,
hier 334.
194 [Friedrich] Sprater, „Der Brunholdisstuhl bei Bad Dürkheim“, Korrespondenzblatt des
Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, 82 (1934), 239-45, hier 243.
I9r> Sprater, Limburg, 39, 45, 50, 43.
196 Prellwitz, „Mannheimer Altertumsverein“, 444-45; BABL, NS21/722: Übersicht über die
vom Ahnenerbe betreuten und durchzuführenden SS-Grabungen im Jahre 1938/39 v.
30.5.[ 1939]; E. Prügel, „Die SS-Ausgrabungen am ,Kriemhildenstuhl‘ bei Bad Dürkheim“,
Saarpfälzische Abhandlungen zur Landes- und Volksforschung, 2 (1938), 483-85; [Hans]
Schleif, „Die Ausgrabung am ,KriemhildenstuhP bei Bad Dürkheim: Zweiter Vorbericht“,
Germanien (1939), 340-46, hier 346; Christoph Popp, Der Mannheimer Altertumsverein 1859-1949:
Regionale Forschungen, Sozialstruktur und Geschichtsbild eines Historischen Vereins,
Mannheimer historische Forschungen, 10 (Mannheim: Palatium, 1996), 95-96. H[ans] Schleif,
„Die SS-Ausgrabung am ,Kriemhildenstuhl1 bei Bad Dürkheim“, Germanien (1938), 289-96,
hier 289; [Alexander] Langsdorff, [Hans] Schleif, „Die Ausgrabungen der Schutzstaffeln“,
Germanien (1936), 391-99, hier 392 Kt.; Alexander] Langsdorff, H[ans] Schleif, „Die Ausgrabungen
der Schutzstaffeln“, Germanien (1937), 6-11, hier 7. Johann Lohausen: * 1906,
1942 als SS-Untersturmführer gleichzeitig in der Oberkrain und in Lothringen eingesetzt, ab
Anfang 1943 ganz in Lothringen, 1944 als SS-Schütze an die Front; BABL, NS21/98: SS-Obersturmführer
Dr. K[rau]t an Hausen v. 6.11.1942; BABL, NS21/320a, f. 52: K[rau]t,
Vermerk über Besprechungen in Metz am 30.6.1942 v. 7.7.1942; BABL, NS21/58: K[rau]t an
Breitfeldt (RFSS-PS) v. 28.9.1944. BABL, NS21/62: RAD-Führer des Arbeitsgaues XXXII Saar-Pfalz
(Metz) an RFSS v. 14.10.1941, RAD-Führer XXXII an Ahnenerbe v. 20.11.1941: Arbeitsvorhaben
Z XXXII 1122/320/5 Freilegung des Brunholdisstuhles und Ausgrabung der
Heidenmauer; cf. Kater, Ahnenerbe, 20-24, 80-82, 148-52, 292. Veit Stürmer, „Hans Schleif:
Eine Karriere zwischen Archäologischem Institut und Ahnenerbe e. V.“, Prähistorie und Natio-206