Full text : Volk, Reich und Westgrenze

zum  Nordpfälzischen  Bergland,9i!  zur  Morphologie  des  Rheingrabens  oder  zur
Pflanzensoziologie* 99  unterstützt  oder  vom  Verlag  der  PGFW  herausgegeben.
Umso  brutaler  setzten  die  Nationalsozialisten  den  personellen  Schnitt  an.100  In
Befehlsform  ordnete  Kölsch  dem  Münchener  Ministerium  die  Entlassung  von
Bassermann-Jordan  und  Pfeiffer  und  das  Ausscheiden  einiger  ordentlicher  Mitglieder
  an,  u.  a.  des  pfälzischen  Heimatforschers  Ludwig  Eid101  und  von  Konsul
  a.  D.  August  Ludovici  aus  Heidelberg,  der  jetzt  auf  Teneriffa  lebte,  und  schlug
neue  Mitglieder  vor.102  Als  korrespondierendes  Mitglied  war  „Dr.  Wilhelm
Silberschmidt,  München  (Jude)“  nicht  länger  geduldet.  So  leicht  wie  die  wissenschaftlichen
  und  kulturellen  Vereine  der  Pfalz  war  die  PGFW  nicht  gleichzuschalten,
  genoss  sie  doch  die  Rückendeckung  des  konservativen  pfälzischen  Regierungspräsidenten
  Osthelder.  Ludwig  Osthelder  versuchte  Bassermann-Jordan
zu  halten  und  Emrich  nur  zum  zweiten  Präsidenten  ernennen  zu  lassen.10’  Er
musste  schließlich  vom  Kultusministerium  angewiesen  werden,  Bassermann-Jordan
  und  Pfeiffer  zum  Rücktritt  zu  bewegen  und  die  Neuordnung  der  PGFW
Emrich  zu  überantworten.104 105  Osthelders  Zögern  bei  der  Gleichschaltung  der
PGFW  sollte  ein  politisches  Nachspiel  haben:  Es  bot  einen  der  Vorwände,  mit
denen  Anfang  Juli  1933  die  NSDAP  im  pfälzischen  Kreistag  ihren  Misstrauensantrag
  gegen  die  Regierung  der  Pfalz  begründete.Mit  der  Anregung,  die  Sitze
der  PGFW  auszudehnen,  versuchte  Osthelder  die  Kränkung  der  „älteren  um  das
wissenschaftliche  Leben  der  Pfalz  verdienten“  Mitglieder  der  PGFW  zu  verhindern.106
  Das  Kultusministerium  übernahm  Osthelders  Empfehlung  und  brachte  im
Juli  1933  alle  zur  Entlassung  anstehenden  PGFW-Mitglieder  in  Erinnerung  -  alle

,<s  BayHStA,  MK  15552:  Fr.  Christmann  u.  Emrich,  Vollsitzung  der  PGFW  am  30.6.1938  [2]:
W.  Buch,  „Junge  Krustenbewegungen  im  Landschaftsbild  der  Buntsandsteinpfalz“,  Frankfurter
Geographische  Hefte,  12,  H.  1.
99  BayHStA,  MK  15552:  Anlage  1  zum  Bericht  über  die  Sitzung  v.  30.6.1938  [2-4]:  Dr.  Plaewe
aus  Heidelberg  zur  Morphologie  des  Rheingrabens;  Pflanzensoziologische  Kartierung  von
E.  Prügel  aus  Bad  Dürkheim.
100  Applegate,  Nation,  210.
101  L.  F.  Arnold,  „Nachruf  auf  Ludwig  Eid“,  Nordpfälzer  Geschichtsverein  (1938),  57-60:  Eid
(t  1938)  war  Oberstudiendirektor.
1112  ln  den  Quellen  erscheint  sein  Name  oft  als  „Ludowici“;  der  DBl  II  5:  2177  führt  ihn  unter
„Ludovici“  (DBA  II,  834:  421  u.  425).  Der  Philosoph  Ludovici,  *  1866,  war  außerordentlicher
Senator  der  DA;  Karl  Haushofer,  Leben  und  Werk,  Bd.  2:  Ausgewählter  Schriftwechsel  1917-1946,
  [Hg.]  Hans-Adolf  Jacobsen,  Schriften  des  Bundesarchivs,  24/11  (Boppard,  Rh.:  Boldt,
1979),  593.
103  BayHStA,  MK  15551:  BayKM  an  Osthelder  v.  Juli  1933;  cf.  LASp,  C  1381:  Jolas,  „Berufliche
  Erlebnisse  ...“,  3:  121-23.
104  BayHStA,  MK  15551:  BayKM  an  Regpräs.  der  Pfalz  u.  an  Vbv.  Pfalz/Saar  v.  23.6.1933;
BayHStA,  MK  15551:  BayKM  an  Bassermann-Jordan  u.  an  Emrich  v.  13.7.1933.
105  LASp,  C  1381:  Jolas,  „Berufliche  Erlebnisse“,  3:  121-23;  cf.  Volker  Rödel,  „Die  Rolle
Speyers  als  Verwaltungshauptstadt  im  Dritten  Reich  und  in  der  Nachkriegszeit“,  Mitteilungen
des  Historischen  Vereins  der  Pfalz,  87  (1989),  263-81,  hier  267-68;  Das  große  Pfalzbuch,  667-68.
  Meinzer,  „Pfalz  wird  braun“,  56.
106  BayHStA,  MK  15551:  Osthelder  an  BayKM  v.  4.7.1933.

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