Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Zielstrebigkeit“  umzubilden,  ihre  Satzung  „im  Sinne  der  nationalen  Revolution
abzuändern  und  Philosophie  und  Rassenkunde  als  neue  Disziplinen  einzufügen“:
„Anstelle  einer  falsch  verstandenen  Spezialisierung  und  [Objektivität  im  Sinne
einer  toten,  museumsverhafteten  Wissenschaft  muss  die  lebendige  Beziehung  zu
den  Lebensproblemen  unseres  Volkes,  zur  weltanschaulichen  und  rassenkundliehen
  Betrachtungsweise  treten.“
Eine  personelle  Neubesetzung  mit  „völkischen  Wissenschaftlern  der  Pfalz“  solle
Gewähr  für  die  „geistige  Erneuerung“  der  PGFW  bieten.  Vom  amtierenden  Präsidenten
  und  vom  Generalsekretär  der  PGFW  sprach  Kölsch  nur  noch  in  der
Vergangenheitsform.  Bassermann-Jordan  gestand  er  immerhin  das  Amt  eines
Ehrenpräsidenten  der  PGFW  zu,5:1  weil  er  offensichtlich  dessen  Finanzkraft  nicht
einbüßen  wollte.  Als  neuer  Präsident  solle  Emrich  die  „Neubildung  der  Gesellschaft“
  eng  mit  Kölsch  abstimmen.56
Kurt  Kölsch
Als  Gaukulturwart  war  Kölsch'  an  allen  kultur-  und  wissenschaftspolitischen
Entscheidungen  des  Gaues  beteiligt.  Kurt  Kölsch  wurde  am  10.  Juni  1904  in
Kaiserslautern  geboren.  An  der  LBA  Kaiserslautern  war  er  Schüler  des  pfälzischen
Volkskundlers  Ernst  Christmann,  des  späteren  Leiters  des  Westmark-Institutes.'’8
1924  bestand  er  die  Prüfung  für  den  Staatsdienst  und  wurde  in  der  Pfalz  Lehrer.
Nach  einer  kurzen  Mitgliedschaft  bei  der  Jugend  der  DVP  ging  Kölsch  in  die
völkische  Bewegung.  Er  trat  1923  dem  Völkischen  Block  bei  und  wurde  dessen
Vertrauensmann  für  die  Pfalz.  In  seinem  nationalsozialistischen  Lebenslauf
schrieb  sich  Kölsch  gut,  in  der  Separatistenabwehr  mitgekämpft  zu  haben  und  für
diesen  Einsatz  im  Schulabgangszeugnis  1924  getadelt  worden  zu  sein.  In  der
Neustadter  Lehrerschaft  lernte  er  Bürckel  kennen,  der  ihn  „persönlich  so  stark
beeindruckte“,  dass  er  im  August  1930  in  die  NSDAP  und  in  den  NS-Lehrerbund
eintrat.  Im  Dezember  wurde  er  von  Bürckel  zum  Leiter  der  Abteilung  Rasse  und

''  BayHStA,  MK  15551:  Vorschlag  zur  personellen  Zusammensetzung  der  PGFW.
r>6  BayHStA,  MK  15551:  Kölsch,  Denkschrift...  [vordem  1.6.1933];  cf.  Kölsch  an  Schemm  v.
Lu.  v.  20.6.1933.
BADH,  ZA  Vl/3902,  A.  32:  Kölsch,  Lebenslauf  v.  25.3.1938  (hieraus  alle  in  den  folgenden
zwei  biographischen  Absätzen  nicht  gesondert  angemerkten  Zitate);  Blatt  der  Reichsschrifttumskammer;
  BDC,  Kölsch,  NSDAP-Mg.-Nr.  289  613,  NSLB-Mg.-Nr.  563;  BABL,  NS15/253,  f.  35:
Killer  (Amt  Kulturpolitisches  Archiv)  an  Reichsdienststelle  Deutsches  Volksbildungswerk  -
Hauptabt.  II  I/Vortrags  wesen  v.  5.5.1942;  Erich  Stockhorst,  5000  Köpfe:  Wer  war  was  im  3.
Reich,  2.  Aufl.  (Kiel:  Arndt,  1985),  242;  Michael  Bauer,  „Der  Dichter  Kurt  Kölsch:  Ein  Beitrag
zur  Beziehung  zwischen  pfälzischer  Literatur  und  Nationalsozialismus“,  Heimatbewegung  und
NS-Kulturpolitik  in  Hessen,  Pfalz,  Elsaß  und  Lothringen:  Dokumentation  eines  Seminars,  Hg.
Förderverein  Projekt  Osthofen  e.  V.,  in  Koop.  mit  d.  Landeszentrale  für  politische  Bildung  Rheinland-Pfalz
  (Osthofen:  Förderverein,  1999),  47-54  (für  die  Zusendung  dieses  Buches  danke  ich
Herrn  Volker  Gallé,  Mauchenheim);  Das  große  Pfalzbuch,  633;  DBA  II,  732:  169-70.
58  Schreiben  Christmann  an  Dieter  Wolfanger  v.  31.7./3.8.1970,  4,  das  mir  Herr  Dr.  Wolfanger
freundlicherweise  zur  Verfügung  stellte.

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