Full text : Volk, Reich und Westgrenze

für  Kunst  und  Volksbildung  in  der  Pfalz  ernannt.  Nach  dem  antisemitischen  und
rassistischen  Kulturbild  von  Alfred  Rosenbergs  Kampfbund  für  deutsche  Kultur,4'1
dessen  Mitglied  Kölsch  war,  schaltete  er  die  pfälzischen  Bildungs-  und  Kunsteinrichtungen
  gleich,  darunter  den  Verband  für  freie  Volksbildung.  Der  linksliberale
  Verband  war  den  Nationalsozialisten  ein  Dorn  im  Auge,  da  er  „fast  nur
Angehörige  der  marxistischen  und  liberalen  Weltanschauung  zur  Mitarbeit“
herangezogen  habe.  Ein  langjähriger  Vorsitzender  des  Verbandes  sei  „Jude,
Pazifist  und  Freidenker“  gewesen.  Die  Kulturarbeit  des  Verbandsleiters  Franz
Hartmann,  eines  überzeugten  Demokraten,"0  entspreche  nicht  „dem  Willen  des
pfälzischen  Volkes“.  Ende  März  1933  beurlaubte  Kölsch  Hartmann  und  ließ  das
Beiwort  „frei“  aus  dem  Verbandsnamen  streichen.  Er  setzte  seinen  Mitarbeiter
und  Freund  Hermann  Emriclf1  über  die  Geschäfte  des  Volksbildungsverbandes,
welcher  diesen  in  eine  kulturelle  Abwehrmauer  gegen  fremde  Einflüsse  umwandeln
  wollte.  Der  neue  Name  „Volksbildungsverband  Pfalz/Saar,  Kampfbund
für  deutsche  Kultur  in  der  Westmark“  unterstrich  den  paternalistischen  Anspruch
der  pfälzischen  NSDAP  über  das  kulturelle  Leben  im  Saargebiet  und  dessen
Einbeziehung  in  die  größere  Einheit  Westmark.
Im  Zuge  der  „Neuordnung  des  vereinswissenschaftlichen  Lebens  der  Pfalz“
vollzog  Kölsch  im  Mai  1933  die  Zusammenfassung  des  Historischen  Vereins  der
Pfalz,  des  Pfälzischen  Vereins  für  Naturkunde  und  Naturschutz  „Pollichia“  und
des  Verbandes  Pfälzischer  Geschichts-  und  Altertumsvereine  in  eine  „Arbeitsgemeinschaft
  für  völkische  Wissenschaft  im  Kampfbund  für  deutsche  Kultur  in
der  Westmark“.49 53  Anfang  Juni  stand  die  PGFW  zur  Gleichschaltung  an.  In  einer
zusammen  mit  Emrich  verfassten54  „Denkschrift  über  die  Neuordnung  der  Pfälzischen
  Gesellschaft  zur  Förderung  der  Wissenschaften“  verlangte  Kölsch  vom
bayerischen  Kultusministerium,  die  Gesellschaft  „rasch  und  in  unbedingter

49  Allan  E.  Steinweis,  „Weimar  Culture  an  the  Rise  of  National  Socialism:  The  Kanipfound  für
deutsche  Kultur“,  Central  European  History,  24  (1991),  402-23;  cf.  Reinhard  Giersch,  „Kampfbund
  für  deutsche  Kultur  (KfdK)  (1928)  1929-1934",  Lexikon  zur  Parteiengeschichte:  Die
bürgerlichen  und  kleinbürgerlichen  Parteien  und  Verbände  in  Deutschland  (1789-1945),  Hg.
Dieter  Fricke  [et  al.],  Geschichte  der  bürgerlichen  und  kleinbürgerlichen  Parteien  und  Verbände
  (Köln:  Pahl-Rugenstein,  1985),  3:  169-71;  Bollmus,  Amt  Rosenberg,  39-45.
50  Applegate,  Nation,  160,  194.
51  Emrich  und  Kölsch  duzten  sich  spätestens  ab  1935;  HMP,  G/Vbv.,  VDA:  Kölsch  an  Emrich
v.  9.5.1935;  cf.  HMP,  G/Allgemein  1941-42:  Emrich  an  Sonderführer  Kölsch  v.  7.5.1940.
52  BDC,  Emrich  (PVFV1993):  Kölsch  (NSDAP-Rheinpfalz  -  Abt.  Volksbildung)  an  Schemm  v.
22.3.1933:  [handschriftlich  über  dem  Briefkopf]  „Bericht  über  d[en]  Landesverb[and  für]  freie
Volksbildung  [...]  des  Verbandsleiters  Hartmann  etc.“;  cf.  Applegate,  Nation,  207-08;  BayHStA,
MK  15551:  Kölsch,  „Denkschrift  über  die  Neuordnung  der  Pfälzischen  Gesellschaft  zur
Förderung  der  Wissenschaften“  [vor  dem  1.6.1933];  Kölsch  an  Schemm  v.  1.  u.  v.  20.6.1933;
BayKM  an  Vbv.  v.  23.6.1933.  Nach  der  Auflösung  des  KfdK  wurde  er  der  „Volksbildungsverband
  Saarpfalz  e.  V.“.
53  Applegate,  Nation,  204.
>4  Darauf  weist  der  Abfassungsort  „Volksbildungsverein  Pfalz/Saar“  hin;  cf.  Applegate,  Nation,  209.

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