Full text: Volk, Reich und Westgrenze

einzigen wissenschaftlichen Institutionen auf dem Boden der linksrheinischen 
bayerischen Gebiete. 1920 kam die Pfälzische Landesbibliothek hinzu. Ihr erster 
Direktor Georg Reismüller (1882-1936)'" verglich seine Regale mit einer stand¬ 
haften Bücherfront gegen Frankreich. Eine neue Grabenlinie war ausgehoben, in 
der „deutsche Kultur“ gegen „civilisation française“ kämpfte - Kulturpropaganda 
als die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.* 1' 
Gesellschaftserrichtung 1925 
Die Einrichtung einer landeskundlichen Forschungsstelle in der Pfalz wurde 
erstmals Ende des 19. Jahrhunderts diskutiert.14 Nach dem Ersten Weltkrieg, zur 
Zeit der bedrohten nationalen und bayerischen Souveränität über die Pfalz, wurde 
die Idee wieder aufgegriffen. Die Leiter der drei großen pfälzischen Kulturinsti¬ 
tute Reismüller, Sprater und Pfeiffer trieben seit Anfang 1925 beim bayerischen 
Kultusministerium den Organisationsplan für eine „Wissenschaftliche Kommis¬ 
sion für Pfalzkunde“ voran, die die in den wissenschaftlichen Instituten und 
Vereinen der Pfalz geleistete Arbeit anleiten und zusammenfassen sollte.1" 
Bildungs-, außen- und länderpolitische Motive standen hinter dem Vorhaben.16 Die 
bayerisch-pfälzischen Kulturpolitiker und Kulturschaffenden strebten eine Ablösung 
der demokratischen und dezentralisierten Breitenbildung des Volksbildungsver¬ 
bands durch eine Förderung der gegenüber Bayern loyalen wissenschaftlichen Eliten 
in der Pfalz an.1 Weiter galt es, den französischen kulturpolitischen Bestrebungen 
!~ Rudolf Jung, „Die Gründung der Pfälzischen Landesbibliothek und ihre Entwicklung bis 
zum Jahre 1945“, Die Pfälzische Landesbibliothek 1921-1971: Aus Geschichte und Gegenwart, 
Hg. Wolfgang Metz, Pfälzische Arbeiten zum Buch- und Bibliothekswesen und zur Biblio¬ 
graphie, 7 (Speyer: PLB, 1971), 9-79; „Übersicht über die Beamten und Angestellten des 
Höheren Bibliotheksdienstes 1921 bis 1971“, ibid., 199-200, hier 199; Hartmut Harthausen, 
„Die Pfälzische Landesbibliothek“, Das Landesarchiv Speyer: Festschrift zur Übergabe des 
Neubaues, Hg. v. Karl Heinz Debus, Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rhein¬ 
land-Pfalz, 40 (Koblenz: LA-Verw., 1987), 253-565, hier 254. Georg Reismüller: * 1882 
Ingolstadt, Studium der klassischen, orientalischen und neueren Philologie, 1907-21 BSB, seit 
1919 abgeordnet zur Überprüfung der pfälzischen Bibliotheksverhältnisse, Mitbegründer und 
ab 1921 Direktor der PLB, 1929 Generaldirektor der BSB, 1935 in den einstweiligen Ruhe¬ 
stand versetzt, t 1936 Günzburg; Alexandra Habermann, Rainer Klemmt, Frauke Siefkes, 
Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925-1980, Zeitschrift für Bibliotheks¬ 
wesen und Bibliographie, Sonderh. 42 (Frankfurt, M.: Klostermann, 1985), 271; Das große 
Pfalzbuch, 680; Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 1935, (1935), 1098. Viktor Carl, 
Lexikon der Pfälzer Persönlichkeiten, Vorw. Helmut Kohl (Edenkoben: Hennig, 1995), 496 
wird wegen seines apologetischen Charakters, Michael Martin, „[Besprechung] Viktor Carl, 
Lexikon der Pfälzer Persönlichkeiten (1995)“, Pfälzer Heimat, 47 (1996), 158-59; Schepua, 
^Sozialismus der Tat1“, 582 Anm., von mir nur für biographische Daten herangezogen. 
1' Georg Reismüller, „Die Pfälzische Landesbibliothek in der Separatistenzeit: Ein Erinne¬ 
rungsblatt“, Ms., 1930; zit. nach Applegate, Nation, 133-34, cf. 127; Jung, „Gründung“, 28-29. 
14 W. Eger, „Quellen“, 19. 
" BayHStA, MK 15549: PLB, Entwurf eines Organisationsplans für eine „Wissenschaftliche 
Kommission für Pfalzkunde“ v. 3.1.1925; cf. Matheus an BayMK v. 15.5.1925. 
16 BayHStA, MA 107932: Matt (BayMK) an BayFM v. 21.11.1924. 
17 Applegate, Nation, 177. 
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