Full text: Volk, Reich und Westgrenze (39)

Volksbodens, ein Glied des deutschen Volkskörpers, hin- und hergezerrt im 
Kampf um die Volks- und Staatsgrenzen, auszubrechen, sich loszulösen“ beginne 
„und das eigene Lebensrecht, den eigenen Willen, im Kampf der Nachbarn“ 
anmelde. Elsässischer Eigensinn in Abgrenzung von seinem volkstumsgleichen 
deutschen Nachbarn sei der Auftakt jener „Entwicklung, die dem deutschen 
Volksboden im Westen einst unbestrittene Glieder“ entrissen habe und führe zu 
elsässischer Eigenstaatlichkeit. Vor dem Schicksal der „Verschweizerung“, „dem 
Sumpf der Verständnislosigkeit und der Feindschaft gegenüber der völkischen 
Wiederbesinnung in Deutschland“, könne das Eisass nur bewahrt werden, wenn 
sein deutsches Volkstum die „Leistung des Nationalsozialismus“ anerkenne, sich 
der „von Innerfrankreich kommenden kommunistischen Welle“ entgegenstelle 
und als „Bollwerk gegen den Bolschewismus“ zur deutsch-französischen Ver¬ 
ständigung beitrage.<l7: Seinen Antikommunismus verband Hellwig aber nicht, wie 
zu seiner Zeit üblich, mit antisemitischen Ausfällen gegen Léon Blum und die 
französische Volksfront-Regierung. 
Wie stark Hellwig sich der nationalsozialistischen Volksidee annäherte, zeigt ein 
weiterer Beitrag im Volk im Werden, der sich mit den westlichen Grenzgebieten 
und den biologischen Grundlagen politischer Haltungen befasste. Von der Be¬ 
völkerungsgeschichte, der „wichtigsten Hilfswissenschaft von Rassengeschichte 
und Rassenkunde“, versprach sich Hellwig Antworten auf „die entscheidenden 
Fragen des deutschen Westens, nach den Ursachen des Abbröckelns zahlreicher 
Volksteile vom Volksboden und der verschiedenartigen Einstellung zu allen 
nationalen Fragen“. Er kritisierte Adolf Helboks Unterscheidung von Staats- und 
Volksgeschichte und stellte diesem entgegen, dass der Nationalsozialismus gerade 
die Trennung von Staats- und Volksangehörigen überwunden habe: 
„Liefert denn nicht die ,Volksgeschichte’ wie sie Helbok als Entwicklungsge¬ 
schichte des Volksleibes als Organismus’ sieht, das Kernstück zu der staatlichen 
,Geschichte des deutschen Volks’, nämlich die Geschichte unserer politischen 
Volkwerdung? Volksgeschichte und Volkskunde als zusammenfassende Betrach¬ 
tung der rassischen, kulturellen und wirtschaftlichen Geschichte des deutschen 
Volks und seiner Glieder können nicht nur nicht verzichten auf die politische 
Geschichte, sondern sind untrennbar mit ihr verbunden, indem die politischen 
Betätigungsformen des deutschen Volkes und seiner Glieder doch letzten Endes 
immer Wirkungen innenbürtiger Kräfte in der Auseinandersetzung mit den natür¬ 
lichen Gegebenheiten und mit außenbürtigen Kräften sind!“ 
Hellwig setzte die Bevölkerungsgeschichte epistemologisch von der Siedlungs¬ 
geschichte ab und erläuterte ihre interdisziplinäre Vorgehensweise. Sie habe „neben 
den statistischen alle volkskundlichen, wirtschaftlichen, soziologischen, stammes- 
und rassenkundlichen Veränderungen im Bevölkerungsaufbau zu verfolgen“ und 
67‘ Fritz Hellwig, „Land zwischen zwei Völkern: Bemerkungen zu einem elsässischen Elsaß- 
Werk“, Volk im Werden. 4 (1936), 682-84, hier 683-84. 
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