Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Glacis  des  deutschen  Volks-  und  Kulturbodens  auf  französischem  Staatsgebiet
abwehre:  „Die  deutsche  Westmark  und  ihre  Kultur  müssen  durch  das  kulturelle
Vorfeld  Elsaß-Lothringen  verteidigt  werden“.
Als  Kernstück  der  kulturellen  Tätigkeit  schlug  auch  Hellwig  ein  das  ELI  aufnehmendes
  Grenzlandinstitut  vor.  Schon  im  Saargebiet  bestehende  wissenschaftliche
Ämter  sollten  seine  Abteilungen  bilden  und  durch  geschichtliche  Landeskunde,
Volkskunde,  Kunst  und  Wissenschaft,  Wirtschaft,  Geschichte  und  Politik  ergänzt
werden.  Das  Grenzlandinstitut  solle  das  politische  Material  der  Nachkriegsgeschichte
  sicherstellen,  die  politische  Geschichte  des  Saargebiets  bearbeiten  und
die  Sprach-  und  Stammeskunde,  Bevölkerungssoziologie,  besonders  der  Arbeiterbevölkerung,
  und  Wirtschafts-  und  Sozialgeschichte  der  „ganzen  Westmark“
erforschen.  Es  werde  die  Gaukulturzeitschrift  Die  Westmark  unterhalten  und  die
Presseorgane  in  ihrer  heimatkundlichen  Arbeit  kontrollieren.  Das  Grenzlandinstitut
  habe  die  gesamte  regionalkundliche  Literatur  des  Gaues  anzuleiten,  dazu
gehörten  deren  Förderung  und  „die  Ausscheidung  wertloser  und  politisch  bezw.
weltanschaulich  nicht  tragbarer  Arbeiten“.  Angeregt  durch  die  Zensuraufgaben
der  PGFW  im  Gau  Bürckels  verlangte  Hellwig  für  das  Grenzlandinstitut  und
dessen  Kontrollfunktion  die  Hoheit  einer  staatlichen  Behörde.  In  vielen  Punkten,
wie  z.  B.  in  der  Zusammenarbeit  zwischen  HfL,  Institut  und  saarländischen  Kultureinrichtungen
  und  im  Versuch,  der  Akten  der  Regierungskommission  habhaft
zu  werden,  ähnelte  Hellwigs  Denkschrift  stark  den  Vorarbeiten  Santes.  Aber
Sante  hatte  für  das  Grenzlandinstitut  noch  keine  politischen  Zensurfunktionen
vorgesehen  und  sich  auch  nicht  um  die  Umwandlung  des  Kulturamtes  der  Deutschen
  Front  in  eine  die  ,,Ziele[...]  der  nationalsozialistischen  Kulturpolitik“  verwirklichende
  dauernde  Einrichtung  bemüht.669 671  Hellwigs  Plan  lief  auf  ein  umfassendes
  von  weiteren  Bildungseinrichtungen  begleitetes  wissenschaftliches  Institut
für  Pfalz,  Saar  und  Elsass-Lothringen  hinaus,  das  zugleich  Forschungs-,  Propaganda-
  und  Zensuramt  der  nationalsozialistischen  Volkstumspolitik  werden  sollte.
Mitte  der  1930-er  Jahre  baute  Hellwig  seine  grenzlandwissenschaftlichen  Überlegungen
  aus  und  veröffentlichte  in  der  völkisch-rassistischen  Zeitschrift  Volk  im
Werden670  zwei  Artikel  über  die  Umvolkung  der  deutschen  Westgebiete.  Seine
Besprechung  des  ersten  Bandes  eines  von  der  elsässischen  Autonomiebewegung
herausgegebenen  Werkes  bekundet  Hellwigs  völkische  Radikalisierung.  Die  in
Das  Elsaß  von  1870-193267i  vermittelte  elsässische  Regionalidentität  war  für  ihn
Ausdruck  eines  sich  in  der  deutschen  Geschichte  wiederholenden  Vorgangs,  einer
Staatsneugründung  auf  deutsche  Kosten,  indem  „sich  ein  Teil  des  deutschen

669  LASb,  SM  45:  [Hellwig]  Errichtung  eines  Grenzlandinstitutes,  1-11,  Zitate,  1-2,  7,  4.
670  Behringer,  „Bauern-Franz“,  117;  Hachmeister,  Gegnerforscher,  113.
671  Die  Herausgeber  waren  u.  a.  die  elsässischen  Autonomisten  Joseph  Rossé,  Marcel  Stürmei
und  Jean  Keppi;  Das  Elsaß  von  1870  1932,  Bd.  1:  Politische  Geschichte,  hg.  i.  A.  der  Freunde
des  t  Abbé  Dr.  Haegy  v.  J[oseph]  Rossé  [et  al.]  (Colmar:  Alsatia,  [1936]).

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