Full text : Volk, Reich und Westgrenze

zu  behandeln“.  Um  Eisass-Lothringen  „gleichsam  in  der  Flanke“  zu  fassen,651
benötige  man  akademische  Einrichtungen:  neben  der  HfL  vor  allem  ein  Institut
für  Grenzlandforschung.
Alle  saarländischen  Überlegungen  zu  einer  HfL  beinhalteten  den  Plan  zu  einem
Grenzlandinstitut.  HfL.  und  Grenzlandinstitut  sollten  eng  Zusammenarbeiten,  die
wissenschaftlichen  Kräfte  des  Institutes  an  der  HfL  lehren  und  die  HfL-Studenten
zu  Grenzlandforschungen  herangezogen  werden.652  Saarbrücken  wollte  das  ELI
von  Frankfurt  übernehmen  und  „zu  einem  Institut  für  den  ganzen  südwestdeutschen
  Grenzbezirk“  ausbauen.653  In  Saarbrücken  könnten  die  Institutsmitarbeiter
  bei  den  tatsächlichen  Grenzkulturkämpfen  Anschauungsunterricht  nehmen.
Schließlich  würde  eine  Aufgabenerweiterung  und  Umbenennung  des  ELI  dessen
revisionistische  Ziele  kaschieren  und  gegen  französische  Interventionen  schützen.654
  Um  das  Grenzlandinstitut  wissenschaftlich  einzurahmen,  beabsichtigte
Sante  weitere  Neueinrichtungen  in  Saarbrücken,  neben  der  HfL  ein  Staatsarchiv
und  eine  große  wissenschaftliche  Bibliothek.  Diese  sollten  zusammen  mit  dem
Historischen  Museum  der  Pfalz,  dem  Heimatmuseum  Saarbrücken,  der  Kunstdenkmälerinventarisierung,
  der  saarländischen  Flurnamen-  und  Brauchtumsforschung
  des  IGL  und  der  Pfälzischen  Wörterbuchkanzlei  in  einem  „Ring
landeskundlicher  Forschungsarbeit“  zusammengeführt  werden.655
Die  Idee,  von  Saarbrücken  aus  kulturell  und  deutschtumspolitisch  auf  die  Moselle
einwirken  zu  können,  war  nicht  aus  der  Luft  gegriffen.  Saarbrücken  war  nach  der
deutschen  Annexion  Elsass-Lothringens  1871  zum  kulturellen  Zentrum  der
deutschsprachigen  Gebiete  Lothringens  aufgestiegen.  1918  konnte  ihm  das  französischsprachige
  Metz  diesen  Rang  kaum  streitig  machen.656  Frankreich  reagierte
nervös  auf  Saarbrücker  Propaganda.  Ab  Mitte  der  1920-er  Jahre  liefen  im  französischen
  Außenministerium  Klagen  über  die  Saarbrücker  Presse  ein,  die  die
elsass-lothringische  Heimatbewegung  begünstige.65  Als  sich  1928  im  Saargebiet

651  HessFlStA,  1150/63:  Sante  via  Neikes  an  Gürich,  an  Donnevert  und  an  Krencker  v.
2.11.1934, 2.
652  HessHStA,  1150/63:  Bongard  u.  Sante  an  Neikes  v.  3.9.1934,  2-3;  cf.  HessHStA,  1150/63:
Sante  [Forschungsarbeit  an  der  Saar]  v.  9.3.1935,  3-4.
653  HessHStA,  1150/63:  Bongard  u.  Sante  an  Neikes  v.  3.9.1934,  2;  cf.  Bongard,  „Grundlinien
...“,  333-34.
654  HessHStA,  1150/63:  Bongard  u.  Sante  an  Neikes  v.  3.9.1934,  2-3;  cf.  Sante  [Forschungsarbeit
  an  der  Saar]  v.  9.3.1935,  3-4;  Sante,  „Anlage  I“,  v.  21.1.1935,  2.
655  HessHStA,  1150/63:  Sante  [Forschungsarbeit  an  der  Saar]  v.  9.3.1935,  4-6;  cf.  Linsmayer,
Politische  Kultur,  337.
656  A  AE,  Sarre  280,  f.  188:  Chéron  an  MP  v.  7.6.1933:  „Au  point  de  vue  moral  on  observe  que
Sarrebruck  agit  sur  la  population  de  notre  arrondissement  de  Forbach  comme  un  pôle
d’attraction.  Les  partis  nationaux  allemands  y  développent  très  activement  leur  propagande.
Les  cinémas  fréquentés  par  nos  nationaux  en  raison  de  la  proximité  servent  à  détruire
l’influence  française.“  Cf.  Fr.  Roth,  „Espace  sarrois“,  77,  72.
AAE,  France  15,  f.  155-56:  Koechlin  (Mines  Domaniales)  unterrichtete  seinen  Außenminister
  am  26.11.1925  darüber,  dass  die  Saarbrücker  Zeitung  einem  elsässischen  Autonomisten
Raum  für  eine  Artikelserie  über  die  politische  Situation  in  Elsass-Lothringen  gebe;  AAE

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