Grenzlandinstitutspläne
Als 1934 das Fortbestehen der Frankfurter Hochschule in Frage stand,1645 diskutierte
das ihr angegliederte ELI den Umzug in eine andere Universitätsstadt.
Durch den nationalsozialistischen Druck auf seine wissenschaftliche Leitung und
Hitlers Verzicht auf Elsass-Lothringen war das Institut ein wenig aus der Bahn
geraten.* 646 Seine Leitung dachte daran, die alten Geleise zu verlassen und den
Aufgabenkreis auf den gesamten alemannisch-fränkischen Raum auszudehnen.647
Im Zuge der Umstrukturierung der gesamten westdeutschen Grenzforschung hatte
Robert Ernst auf der Jahreskonferenz der VFG im Auswärtigen Amt die Universität
Heidelberg als künftige Alma Mater des ELI vorgeschlagen. Eine Zusammenlegung
mit dem Alemannischen Institut der Stadt Freiburg kam für ihn nicht
in Betracht. Der im Reichsinnenministerium für das ELI zuständige Ministerialrat
Maximilian Donnevert favorisierte ebenfalls Heidelberg.64*
Zwei saarländische Städte versuchten von der Situation zu profitieren und sich
das ELI anzueignen: Saarbrücken und Saarlouis.649 Saarbrückens Planung wurde
von Sante und Bongard entwickelt. Sie wollten verhindern, dass die regionale
Kulturpolitik nach der Rückgliederung in den alten Zustand zurückfalle. Das saarländische
Grenzland müsse „ein lebendiger Kulturraum“ werden, damit es auf den
„deutschen Volks- und Kulturboden jenseits der Grenze“ nach Elsass-Lothringen
und nach Luxemburg ausstrahlen könne,650 denn die Lauter sei „ebenso wenig
eine natürliche Grenze zwischen der Pfalz und dem Elsaß wie auch die Saarlande
und Lothringen keine scharf getrennten Gegensätze“ seien. Es liege „im politischen
Interesse, Elsaß-Lothringen als Teil des deutschen Volks- und Kulturbodens
64' Notker Hammerstein, Die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main: Von
der Stiftungsuniversität zur staatlichen Hochschule, Bd. 1: 1914 bis 1950 (Neuwied: Metzner,
1989), 400-03, 449-62, 529-30.
646 Grünewald, Elsaß-Lothringer, 113-15, 236; cf. BABL, RI501/26819/6, f. 73v: Georg
Wolfram, „Bericht über die Tätigkeit des Wissenschaftlichen Instituts der Elsaß-Lothringer im
Reich an der Universität Frankfurt im Jahre 1933“, 2.
647 „Bericht über die Tätigkeit des Wissenschaftlichen Instituts der Elsaß-Lothringer im Reich an
der Universität Frankfurt im Jahre 1934“, Elsaß-Lothringisches Jahrbuch, 14 (1935), 333-42, hier
334-35.
648 PAAA, R60271, f. E061694-95: Goeken, Aufzeichnung d. VFG-Jahreskonferenz am
26.3.1934 v. 27.3.1934, 1-2; cf. f. E061693: Stieve an Mindir. Buttmann (RMdl) [et al.] v.
22.3.1934; HessHStA, 1150/63: Neikes, Verhandlungen betreffend Verlegung des ELI v.
12.10.1934, 3; StdASb, Großstadt/3390. Cf. Linsmayer, Politische Kultur, 501; Rudolf
Schwander, „Max Donnevert (1872-1936) t“, Elsaß-Lothringisches Jahrbuch, 15 (1936), ixxvi;
Grünewald, Elsaß-Lothringer, 66-67.
649 StdASb, Großstadt/3390: Neikes, Verhandlungen betreffend Verlegung des ELI v.
12.10.1934, 2-3; cf. Schwall, „Volkskundler,“ 332-33.
65(1 HessHStA, 1150/63: Bongard u. Sante an Neikes v. 3.9.1934, 1; cf. H.-C. Herrmann,
„Grundzüge...“, 219; cf. HessHStA, 1150/63: Neikes, Denkschrift v. 15.2.1935, 7-8;
HessHStA, 1150/63: Bongard an Aubin v. 27.2.1935; HessHStA, 1150/63: Sante [Forschungsarbeit
an der Saar] v. 9.3.1935.
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