allgemeinen politischen und völkischen Schulung des Lehrer-Nachwuch[s]es in
der Westmark“ werden.624
Aber nicht nur Saarbrücken wollte 1935 eine pädagogische Akademie in seine
Mauern holen. Ein paar Kilometer westlich setzte die Stadt Saarlouis zum großen
Sprung nach vorn von der Garnisons- zur Hochschulstadt an. Bürgermeister
Johann Latz stellte sich vor, die städtische Abteilung für Heimatkunde, in der die
Lokalforscher Karl Roderich Richter und Nikolaus Fox arbeiteten, zu einer HfL
auszubauen.625 Doch das preußische Kultusministerium sicherte Saarbrücken die
nächste HfL zu. Sie solle aber nicht als preußische Anstalt, sondern als „eine Art
Reichsakademie“ errichtet werden, um „die besondere Bedeutung des Saargebietes
als eines deutschen Grenzgebietes“ zu unterstreichen.626 Im Februar 1935
besuchte der Saarreferent des preußischen Kultusministeriums Gürich Saarbrücken
und unterstrich noch einmal den antifranzösischen Inhalt einer solchen saarländischen
HfL. Saarbrücken wurde mit Beuthen, Elbing und Hirschberg verglichen,
deren Akademien gegen Polen, respektive gegen die Tschechoslowakei gerichtet
seien: „Eine Industriestadt kann deutsch oder franz[ösisch] sein. Eine Stadt mit
Hochschule muß einen nationalen Charakter haben: Kampf um das Deutschtum in
Lothringen bis zur Sprachgrenze.“627
Im November 1936 wurde die HfL Saarbrücken vom Reichserziehungsminister
und von Bürckel eröffnet. Direktor wurde Professor Ernst Osterloh. Im selben
Monat noch kamen ihre Dozenten und Studenten in der NSDAP-Kreisführerschule
zu einem 14-tägigen NS-Hochschullager zusammen. 1940 wurde die HfL
zur Lehrerbildungsanstalt (LBA) umgewandelt und in die annektierte Moselle
nach Metz-Montenich (Montigny-les-Metz) verlegt.628
Elsass-Lothringen-Forschung
„Heute die Saar, wir übers Jahr!“ hieß die Befürchtung (oder Hoffnung) vieler
Bewohner der Gebiete vor der deutschen Westgrenze.629 Heute die Saar, ihr übers
Jahr! war ebenfalls die Devise der deutschen Saarforschung. Wissenschaftler des
Saarlandes und saarländische Verwaltungen suchten für die SFG neue Aufgaben
624 LASb, SM 45: [Hellwig] Errichtung eines Grenzlandinstitutes, 8, 11.
62" Denkschrift von Latz; zit. nach Stefan Schwall, „Volkskundler und Heimatschriftsteller:
Eine Kurz-Biographie“, Nikolaus Fox, Der Weinesel: Von Käuzen, Schelmen und klugen Frauenzimmern,
Hg. Guido König, Stefan Schwall (Blieskastel: Gollenstein, 1995), 323-45, hier 332-33.
Schwall datierte die Denkschrift, die er im privaten Nachlass Fox fand, auf 1936. Sie
entstand aber gewiss schon im Herbst 1934 oder früher. Die Denkschrift war nicht in den
Saarlouiser Ratsbüchem zu finden; StdASls, Stadtverordnetenbeschlussbuch Jan.-Juli 1934,
Jan.-Juli 1935, Jan.-Dez. 1936.
626 StdASb, Großstadt/3390: Neikes an Bongard v. 17.12.1934, 2-4, Zitate 3.
62 StdASb, Großstadt/2906: Neikes, Besprechung mit Gürich, Gents, Dr. Schwartz u. Bongard
v. 8.2.1935.
628 Muskalla, NS-Politik, 546-48.
629 Zit. nach Kurt Kölsch, „Der Sprachenkampf in der Westmark (Schluss)“, Die Westmark, 10
(1942/43), 297-303, 349-55, hier 349.
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