Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Gau-Hochschulpläne
Um  sich  nicht  gänzlich  den  Pfälzer  Begehrlichkeiten  auszuliefern,  wollte  die
Stadt  Saarbrücken  die  wissenschaftliche  Arbeit  und  die  SFG  stärker  in  der
saarländischen  Heimat  verankern,  regional  selbständig  forschen  lassen616 618  und  die
saarländische  Heimat-  und  Grenzforschung  in  einen  universitären  Rahmen  einbetten.61
  Aber  als  sie  Ende  Februar  1935  zu  einem  Gedankenaustausch  ins  Rathaus
  Saarbrücken  einlud,  ließ  der  Gauleiter  die  Besprechung  abblasen.61*  Bürckel
wollte  sich  nicht  von  den  Saarländern  Zeitpunkt  und  Inhalt  der  Wissenschaftsplanung
  für  seinen  Gau  vorschreiben  lassen.  Als  akademische  Neuerung  sah
Saarbrücken  eine  Hochschule  für  Lehrerbildung  (HfL)  vor,  deren  Lehrkörper  über
die  pädagogischen  Aufgaben  hinaus  „den  wissenschaftlichen  Belangen  des  kulturpolitisch
  wichtigen  Grenzraumes“  dienen  solle.  Unter  der  Völkerbundsregierung
war  von  deutscher  Seite  der  französische  Plan  einer  deutsch-französischen  Gemeinschaftsuniversität
  vereitelt  und  auf  eine  Akademie  für  Lehrerbildung  verzichtet
  worden,  um  den  französischen  Kultureinfluss  auf  das  saarländische
Bildungswesen  zu  limitieren.619  1934  aber,  als  die  französische  Gefahr  gebannt
schien,  gewann  die  Errichtung  einer  akademischen  Forschungs-  und  Lehrstätte  für
den  Aufbau  der  saarländischen  und  pfälzischen  Wissenschaftslandschaft  und  für
die  deutsche  Kulturpolitik  an  der  Grenze  zentrale  Bedeutung.620  Eine  Hochschule
tat  der  Pfalz  und  dem  Saarland  not.  Schon  1933  hatte  Emrich  die  Umwandlung
der  PGFW  zu  einer  „dauernden  Bildungsstätte  für  den  akademischen  Nachwuchs
der  Westmark“  gefordert.621  Eine  Universität  oder  wenigstens  eine  TH  wurden
zwar  bevorzugt,  doch  die  Hochschulpolitik  der  Reichsregierung  neigte  Mitte  der
1930-er  Jahre  eher  zur  Auflösung  von  Universitäten  als  zu  deren  Neugründung.
Eine  HfL  war  die  einzige  Möglichkeit.622  Ihr  Personal  wollte  Saarbrücken,  „ohne
die  Bodenständigkeit  und  die  notwendige  Einheitlichkeit  der  Arbeit  aufzugeben“,
durch  Wissenschaftler  außerhalb  der  engeren  Heimat  ergänzen  lassen.623  Die
Hochschullehrer  hätten  „die  Verbindung  der  engeren  Westmark-Arbeit  zum  deutschen
  Volksgedanken  und  Volksschicksal  zu  suchen“  und  sollten  zum  „Träger  der

616  HessHStA,  1150/63:  Neikes  an  [Sante]  v.  18.2.1935  zum  Umbau  der  SFG;  cf.  HessHStA,
1150/63:  Neikes,  Denkschrift  v.  15.2.1935.  Die  Denkschrift  liegt  ebenfalls  im  StdASls,
CLXXI/la.
617  HessHStA,  1150/63:  Neikes,  Denkschrift  v.  15.2.1935,  4-7.
618  HessHStA,  1150/63:  Neikes  an  Sante  v.  23.2.1935.
619  LASb,  SM  45:  [Hellwig]  Errichtung  eines  Grenzlandinstitutes,  2-3.
620  HessHStA,  1150/63:  Sante  an  Overbeck  v.  5.11.1934;  cf.  HessHStA,  1150/63:  Neikes,
Denkschrift  v.  15.2.1935,  5-6;  StdASb,  Großstadt/3718:  Bongard,  Bericht  zum  baulichen
Standort  der  HfL  und  des  Gautheaters  an  OB  Saarbrücken  v.  5.12.1935;  HessHStA,  1150/63:
Sante,  Anlage  1,  v.  21.1.1935.
6-1  BayHStA,  MK  15551:  Emrich,  „Denkschrift  zur  Neuordnung  der  Pfälzischen  Gesellschaft
zur  Förderung  der  Wissenschaften“  v.  31.7.1933,  5.
622  HessHStA,  1150/63:  Sante  an  Neikes  v.  3.9.1934,  2.
623  HessHStA,  1150/63:  Neikes,  Denkschrift  v.  15.2.1935,  5,  6;  cf.  Sante,  Verlegung  des  ELI  v.
2.11.1934,  3;  LASb,  SM  45:  [Hellwig]  Errichtung  eines  Grenzlandinstitutes,  4,  11.

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