Full text : Volk, Reich und Westgrenze

„Westmark“  noch  für  das  gesamte  westdeutsche  Grenzgebiet  benutzt).611  Nach
einem  Überblick  über  die  politischen  Erfolge  der  SFG  kam  er  auf  deren  Zukunft
zu  sprechen.  Dem  politischen  Zusammenschluss  von  Saar  und  Pfalz  habe  die
Wissenschaft  zu  folgen.  Sante  warnte  eindringlich  davor,  die  begonnenen  Saarforschungsprojekte
  aufzugeben  und  die  guten  persönlichen  Verbindungen  zur
Rheinprovinz,  zu  deren  wissenschaftlichen  Instituten  und  heimatkundlichen
Vereinen  zu  verspielen.  Er  wies  auf  die  Gefahr  hin,  die  leistungsstarken  Wissenschaftler
  der  SFG,  namentlich  Overbeck,  Zimmermann  und  Sante  selbst,  durch
deren  Berufung  an  andere  Orte  zu  verlieren.  Grenzlandforschung  bleibe  für  die
Pfalz  und  die  Saar  eine  kulturpolitische  Notwendigkeit.
Die  Zusammenlegung  von  SFG  und  PGFW  diene  außen-  und  innenpolitischen
Zwecken.  Nach  außen  solle  die  saarländisch-pfalzische  Grenzlandwissenschaft
Elsass-Lothringen  erforschen,612 613  wozu  ein  Grenzlandinstitut  und  eine  Lehrerbildungsstätte
  in  Saarbrücken  geschaffen  werden  müssten.  Um  dem  Gau  inneren  Halt
und  eine  neue  Identität  zu  geben,  wollte  Sante  eine  dem  Saar-Atlas  entsprechende
geographische,  historische,  kulturelle  und  wirtschaftliche  Gesamtschau  des  Raumes
von  Saarbrücken  bis  Mannheim  leisten:  „Eine  kommende  Verwaltungseinheit
zwischen  Saar  und  Rhein  erhält  also  ihren  wissenschaftlichen  Unterbau.“612,  Hatte
der  Saar-Atlas  noch  die  wissenschaftlich  aufklärende  Funktion  der  national  identifikatorischen
  übergeordnet,  wurde  in  Santes  Buchprojekt  „Der  saar-pfälzische
Raum“  wissenschaftliche  Arbeit  endgültig  zum  Steigbügelhalter  regionaler  politischer
  Legitimationsinteressen  herabgewürdigt:  „Die  geplante  Darstellung  des
,saar-pfälzischen  Raumes4  solle  darauf  zielen,  aus  der  Verwaltungseinheit,  die  das
Gesetz  über  die  Reichsreform  schaffen  wird,  auch  eine  geistige  Einheit  zu
machen.44  Den  gemeinsamen  Nenner  von  Saargebiet  und  Pfalz  fand  Sante  in  deren
geographischen  Lage  an  der  Grenze  zu  Frankreich,  gewissermaßen  in  deren
Westmarkschicksal.614  Die  Identität  einer  territorialen  Einheit,  die  es  historisch  nie
gegeben  hatte,  im  Falle  des  Saargebiets  hatte  er  noch  versucht,  sie  zu  leugnen,  im
Falle  des  „saar-pfälzischen“  Raumes  wollte  er  sie  für  Bürckels  Herrschaftsgebiet
belegen.  Für  einen  Posten  an  der  Saar  veräußerte  Sante  seine  wissenschaftliche
Seele  -  und  er  wird  sie  knapp  fünf  Jahre  später  beim  selben  Gau  für  die  Sinnstiftung
eines  neuen  saarländisch-pfälzisch-lothringischen  Raumes  wieder  offerieren.615

611 HessHStA,  1150/63:  an  Neikes  v.  3.9.1934,  2.
6,2  HessHStA,  1150/63:  Sante  [Forschungsarbeit  an  der  Saar]  v.  9.3.1935,  7,  cf.  6,  3;  Sante  an
Neikes  v.  3.9.1934,  2;  cf.  Bongard  u.  Sante  an  Gürich  v.  21.1.1935.
613  HessHStA,  1150/63:  Sante  [Forschungsarbeit  an  der  Saar]  v.  9.3.1935,  3,  cf.  6.
614  HessHStA,  1150/63:  Sante  an  Emrich  v.  15.3.1935,  1-2.
615  BABL,  RI46/49:  Sante  an  Kommissar  für  den  Archivschutz  v.  9.9.1940.

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