Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Doch  der  andere  SFG-Vorsitzende  Aubin  hintertrieb  das  Projekt  eines  pfalzischsaarländischen
  Forschungsverbundes.  Lieber  wollte  er  die  SFG  auflösen  und  ihre
Aufgaben  von  der  WFG  betreuen  lassen,  als  sie  Bürckels  Wissenschaftsverwaltung
auszuliefern.''99  Aus  fachlichen  Gründen,  aus  Sorge  um  das  Niveau  der  wissenschaftlichen
  Forschung  an  der  Saar  und  aus  kollegialer  Verbundenheit  vertrat  er
die  Interessen  Steinbachs.  Die  Notgemeinschaft  unterstützte  Aubins  Vorhaben.
Da  die  Zeit  drängte,  hätte  Schmidt-Ott  den  SFG-Vorsitz  am  liebsten  ohne  offiziellen
  SFG-Beschluss  Steinbach  überantwortet.  Aubin  aber  wollte  sich  nicht
einfach  so  davonstehlen  und  sah  eine  förmliche  Amtsübergabe  vor.599 600  Er  plante
eine  gemeinsame  Tagung  der  SFG  und  der  WFG  und  hoffte  auf  eine  „Lösung  des
Dilemmas  ,Steinbach-Pfalz‘“,  damit  der  Saar  „die  Erfahrung  Steinbachs  und  sein
Ueberblick  über  die  Westprobleme“  erhalten  blieben.  Für  diese  Lösung  gewann
Aubin  das  Reichsinnenministerium,  das  Steinbach  bat,  mit  der  Gauleitung  der
Pfalz  in  Verbindung  zu  treten  und  für  den  Juni  1935  zu  einer  Tagung  der  WFG
einzuladen.601  Bongard  und  Emrich  jedoch,  die  von  Bürckel  mit  der  Zusammenführung
  der  saarländischen  und  pfälzischen  Forschungseinrichtungen  betraut  worden
waren,602  planten  eine  von  Emrich  und  der  PGFW  durchgeführte  „gemeinsame
Schlußsitzung  zwecks  Umformung“  von  SFG  und  PGFW.  Deshalb  verlangte
Aubin,  auf  jede  Zusammenkunft  und  auf  eine  Selbsauflösung  der  SFG  zu  verzichten,
  bis  Steinbach  und  die  WFG  „das  Terrain  in  der  Pfalz  rekognosziert“
hätten.603  So  kam  die  Abschlusstagung  der  SFG  nicht  zustande.  Die  divergierenden
  Interessen  der  beiden  SFG-Vorsitzenden  hatten  zur  Folge,  dass  die  SFG
offiziell  nie  aufgelöst  wurde.
Um  zur  saarländischen  Landes-  und  Heimatkunde  zu  gelangen,  musste  der
pfälzische  W'issenschaftschef  Emrich  Aubins  Blockaden  umgehen.  Dabei  half  ihm
Hellwig.  Hellwig  gehörte  zwar  nicht  der  SFG  an,  verfügte  aber,  wie  erwähnt,  über
ausgezeichnete  Beziehungen  zu  Wirtschaft  und  Lokalforschung  im  Saargebiet.  In
Emrichs  Auftrag  bestellte  Hellwig  im  Oktober  1935  „die  Heimatforschung  und
Heimatpflege  betreibenden  Vereine,  bezw.  die  entsprechenden  Ringe  der  N.  S.
Kulturgemeinde,  die  Heimatmuseen,  -Archive  und  -Bibliotheken,  sowie  die  in  der
heimatlichen  Literatur  führenden  Tageszeitungen,  Verlage  und  Zeitschriften“  zur
Gründungsversammlung  einer  Arbeitsgemeinschaft  für  saarländisch-pfälzische
Landeskunde  ein.604  Das  „grundsätzliche  Referat“  hielt  bezeichnenderweise

599  BABL,  R8037/1:  Aubin  an  Bongard  v.  21.1.1935;  cf.  Aubin  an  d.  Mitglieder  d.  SFG  v.
31.12.1935.
600  BABL,  R8037/1  :  Aubin  an  Bongard  v.  6.2.1935.
601  BABL,  R8037/1:  Entwurf  Schreiben  Aubin  an  Bongard  v.  18.4.1935.
602  HessHStA,  1150/63:  Sante  an  Schmidt-Ott  v.  27.3.1935  u.  an  Gürich  v.  27.3.1935;  cf.  Sante
v.  28.3.1935.
603  BABL,  R8037/1  :  Entwurf  Schreiben  Aubin  an  Bongard  v.  18.4.1935,  2  u.  3.
604  LASb,  SM  45:  Rundschreiben  Hellwigs  v.  16.9.1935;  cf.  Schreiber,  „...  ,Ptalzer  Lebensbilder1“,
  83.

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