Full text: Volk, Reich und Westgrenze

Keuth verherrlichte in der Völkischen Wissenschaft bäuerliche Lebensart und 
Kunst.583 Alfred Ecker rechnete mit der französischen Saargeschichtsschreibung 
ab, wie er es im Sommersemester bei Saarvorlesungen an der Frankfurter Uni¬ 
versität getan hatte, und veröffentlichte seinen vor dem ELI gehaltenen Vortrag 
zur deutschen Westmarkf84 Andreas Hohlfeld wies der französischen Politik des 
Ersten Weltkriegs nach, dass sie ihren Anspruch auf Saar- und Rheinland niemals 
historisch vertreten oder gar mit dem Wohl der Bevölkerung bemäntelt habe; es 
sei ihr immer nur um militärische Sicherheit und die Vernichtung des Deutschen 
Reiches gegangen.^ Hellwig beschrieb die wissenschaftliche und nationalpoliti¬ 
sche Intention des Saar-Atlasses.586 
Unoriginell beschwor der Kaiserslauterer Museumsdirektor Dr. Hermann Moos die 
Heimkehr der Saar „aus dem Zwang des Blutes und dem Ruf der Seele“.587 Für den 
pfälzischen Volkskundler Emst Christmann formten ebenfalls „Blut und Boden“ 
das Schicksal eines Volkes und seiner Stämme, prägten die Sprache und färbten die 
Mundarten. Obwohl er die das Saargebiet durchziehende Dialektgrenze zwischen 
dem Mosel- und dem Rheinfränkischen sehr wohl kannte, verallgemeinerte er in 
politischer Absicht und betonte, dass „Pfalz und Saargebiet durch ein gemeinsames 
sprachliches Geschick zusammengeschlossen“ seien. Wie sein Gauleiter so hatte 
auch Christmann das Saarland schon 1934 „in der deutschen Westmark“ aufge¬ 
nommen.'88 Kein Autor in den Saarkampfheften der Völkischen Wissenschaft war 
gezwungen, sich dem politischen Ansinnen Bürckels zu unterwerfen. Der saar¬ 
ländische Konservator Keller konstruierte aus der Vorgeschichte des Saar- und des 
Bliestales keine saarländisch-pfälzische Einheit und behielt dennoch nach 1935 
seinen Posten. Der völkischen Idee von den dynamischen nordischen und den 
stagnierenden romanischen Rassen hingegen huldigte auch er.589 
Ab 1934 wurden die Mitglieder der SFG zu den pfälzischen Wissenschaftstagungen 
eingeladen. Deren Inhalte ordneten sich, wie beispielsweise die „Tage der Deut¬ 
schen Westmark“ im April 1934 oder die Ludwigshafener Saartagung der PGFW 
Anfang Januar 1935, dem politischen Programm Bürckels unter.590 Als die 
583 Keuth, „Ländliche Arbeitskultur“. 
884 Ecker, „Versailles“, 132-42; Alfred Ecker, „Joseph Goerres’ deutsches Werden und die 
Saar: Ein Beitrag zur Strukturbestimmung der deutschen Westmark“, Völkische Wissenschaft 
[1] (1934), 229-39. 
58i Andreas Hohlfeld, „Die Beweggründe der französischen Saarpolitik im Frühjahr 1917“, 
Völkische Wissenschaft [1] (1934), 155-59. 
886 Hellwig, „Der wissenschaftliche Kampf4, 159-63. 
887 Hermann Moos, „Volkstum an der Saar“, Völkische Wissenschaft [1] (1934), 166. 
88 Emst Christmann, „Von der Sprachgemeinschaft Pfalz-Saargebiet“, Völkische Wissenschaft 
[1] (1934), 176, cf. 182. 
589 Josef Keller, „Vor- und Frühgeschichtliche Betrachtungen über das Saarland“, Völkische 
Wissenschaft [1] (1934), 183. 
590 HessHStA, 1150/57: Einladung zu den Tagen der Deutschen Westmark in Bad Dürkheim 
mit den Beiträgen von Emrich, „Der Weg ins Reich“, Johann Wilhelm Ludowici, „Probleme 
150
	        

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