Full text : Volk, Reich und Westgrenze

1933,  als  Bürckel  die  Pfalz  übernahm  und  zugleich  parteiamtlicher  Saarkommissar
  wurde,568  schritt  die  PGFW  zusammen  mit  anderen  pfälzischen  Behörden  in
den  Saarkampf  und  bereitete  gemeinsam  mit  der  SFG  und  dem  VDA  die
Volksabstimmung  vor.569  Das  Reichspropagandaministerium  und  die  WFG  trugen
ihr  Einzelaufgaben  im  Rahmen  der  Erforschung  des  rheinisch-westdeutschen
Volksbodens  auf.  Mitglieder  der  PGFW  schulten  im  Herbst  1934  saarländische
„Volksgenossen“.570  Bürckel  wies  seine  Propagandaämter  an,  die  Saaraktivitäten
zu  vervielfachen,571  und  versuchte  die  NSDAP  des  Saargebiets  auszuhebeln.  Ende
1933  verlangte  er  vom  Saarpropagandaausschuss  der  Reichsregierung,  die  nationalsozialistische
  Kulturzeitschrift  der  Pfalz,  Die  Westmark:  Monatsschrift  des
Volksbildungsverband  Pfalz/Saar,  Kampf  bund  für  deutsche  Kultur  in  der  Westmark,
und  deren  Wissenschaftsbeilage,  Völkische  Wissenschaft,  auf  die  Saar  auszudehnen.572
  Die  Westmark  fiel  im  Saarausschuss  einige  Male  durch,  weil  sie,  so  die
Begründung,  die  Saarfragen  einseitig  vom  Standpunkt  der  Reichsreform  und  der
beabsichtigten  Angliederung  des  Saargebietes  an  die  Pfalz  behandle.573  Da  half
auch  die  vermehrte  Heranziehung  saarländischer  Autoren  für  den  publizistischen
Anschluss  an  die  Pfalz  oder  Bürckels  Beteuerungen  nichts,  der  Westmark  die
Erörterung  von  Neugliederungsfragen  verbieten  zu  wollen.574
1934  widmete  die  Westmark-Beilage  Völkische  Wissenschaft  der  Saarfrage  ganze
Folgen:  die  Hefte  trugen  Titel  wie  „Das  Saargebiet  als  deutscher  Volksboden“,
„Zur  Geschichte  der  Saarfrage“,  „Volkstum  an  der  Saar“  oder  „Der  Kampf  um  die
Saar“.  Sante  kam  darin  einige  Male  zu  Wort  und  wiederholte  die  bekannten  Klagen
und  Appelle.575  Neu  war  allerdings  Santes  tiefe  Verbeugung  vor  der  nationalsozialistischen
  Partei.  Nie  zuvor  hatte  man  bei  ihm  Sätze  gelesen  wie:  „Als  die
nationalsozialistische  Bewegung  1933  die  Regierung  in  Reich  und  Ländern  übernahm,
  wehrten  sich  die  Saarländer  mit  Nichten  [!]  gegen  den  inneren  Anschluß“,
oder:  „Die  überkommenen  Formen  des  Reiches  zerbrechen  vor  der  Wucht  der

568  Fenske,  „J.  Bürckel  und  Verwaltung“,  153.
569  BayHStA,  MK  15552:  Tätigkeitsbericht  Emrichs  an  BayKM  v.  4.7.1934.
570  BayHStA,  MK  15552:  Arbeitssitzung  der  ordentl.  Mitglieder  der  PGFW  am  5.1.1935.
571  AAE,  Sarre  222:  Gendir.  des  Elsass-Lothringen-Dienstes  an  MAE  v.  21.11.1934.
572  BayHStA,  MA  106126:  Sperr  an  BayStK  v.  12.12.1933,  3;  cf.  v.  23.1.1934,  2;  BayHStA,
MA  106129:  Deutsche  Front:  Halbmonatsschrift  für  die  Zukunft  der  Saar,  1-2  (1933-34).
573  BayHStA,  MA  106126:  Sperr  an  BayStK  v.  22.3.1934.
574  Emrich  bewog  Sante,  für  die  VW  Artikel  von  Overbeck,  Alfred  Ecker,  Fox,  Keller  u.  a.
einzuholen;  HessHStA,  1150/63:  Sante  an  Emrich  v.  9.10.1934;  cf.  LASb,  SM  44:  Schriftleitung
  Westmark  an  Keuth  v.  5.3.  u.  23.4.1934,  Keuth  an  Emrich  v.  26.3.1934;  BayHStA,
MA  106126:  Beauftragter  des  bayer.  Generalbevollmächtigten  für  die  Rhein-  und  Saarpfalz  an
BayStK  v.  27.4.1934,  Entwurf  Schreiben  Generalbevollmächtigter  an  bayer.  Vertretung  in
Berlin  v.  8.5.1934.
575  Georg  Wilhelm  Sante,  „Die  deutsche  Stellung  der  Saarlande“,  Völkische  Wissenschaft  [1]
(1934),  34-42;  id.,  „Deutsche  Geschichte  und  französische  Politik  an  der  Saar“,  Völkische
Wissenschaft  [1]  (1934),  143-55,  hier  144,  cf.  150.

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