Full text : Volk, Reich und Westgrenze

hiesse  aber  wirklich  das  Pferd  vom  Schwänze  aufzäumen.“  Steinbach  forderte,
dass  „Preussen-Norddeutschland“  „nicht  nur  politisch-militärisch,  sondern  auch
kulturell  die  Wacht  an  der  Westgrenze“  behalten  solle."'  In  vergleichbarer  Weise
sah  Aubin  die  Rückgliederung  des  Saargebiets  -  zumindest  in  seinem  größten  Teil
-  an  Preußen  vor,554 555  worüber  er  dem  Reichsinnenministerium  Mitte  1934  einen
zusammen  mit  VFG-Mitarbeitem  konzipierten  Kartenentw  urf  vorlegte."'’6
Ende  1934  setzte  Bürckel  jedoch  durch,  dass  das  Saargebiet  ihm  unterstellt  würde.557
  Um  den  Trierer  Regierungspräsidenten  zu  begütigen,  versprach  er  Saaßen
eine  Abteilung  in  der  künftigen  Rückgliederungsbehörde  und  gab  ihm  publizistischen
  Raum,  in  der  Deutschen  Front  die  trierische  Vorkriegsverwaltung  der  Saar
zu  preisen.558  Bürckel  hatte  indes  weder  Saaßens  Bericht  noch  Steinbachs  Gutachten
  vergessen.  Nachdem  das  Saargebiet  Bürckels  Gau  angegliedert  worden
war,  musste  Saaßen  nach  kurzer  Zeit  aus  dem  Dienst  des  Reichskommissars
ausscheiden.559  Steinbach  verfiel  ebenso  wie  sein  IGL  und  seine  WFG  dem
wissenschaftlichen  Gaubann."6"
Pfälzische  wissenschaftliche  A  ngliederungsvorbereitungen
Auf  der  anderen  Seite  bereiteten  die  Pfälzer  Wissenschaften  die  reibungslose
Übernahme  der  Saar  vor.  Dies  war  seit  ihrer  Gleichschaltung  im  Sommer  1933
die  Aufgabe  der  Pfälzischen  Gesellschaft  zur  Förderung  der  Wissenschaften
(PGFW),  deren  Veröffentlichungen  sich  zunehmend  mit  Geschichte  und  Gegenwart
  der  saarländisch-pfälzischen  Beziehungen  beschäftigten.
Bei  der  Gründung  der  SFG  hatte  die  Münchener  Regierung  noch  die  wissenschaftliche
  Betreuung  der  ehemals  bayerischen  Saargebietskreise  durch  die

554  LHA,  442/8548,  f.  11-13:  Steinbach  an  Saassen  v.  4./5.11.1933.
"  BABL,  R8037/1:  Aubin  an  Bongard  v.  11.1.1934.
""  BABL,  R1501/25133  [2],  f.  233  u.  241,  f.  230:  Aubin,  Besprechung  mit  A.  Brackmann,
Adolf  Helbok,  A.  Hübner,  E.  Stengel  u.  W.  Vogel  v.  20.7.1934;  cf.  BABL,  RI  501/25133  [2]:
Brackmann  an  RMdl  v.  3.8.1934;  Hans  Fenske,  „Die  Pfalz  in  den  Überlegungen  zur  Reichsreform
  in  der  Weimarer  Zeit“,  Jahrbuch  für  westdeutsche  Landesgeschichte,  21  (1995),  481  -
501,  hier  492.
Jacoby,  Nationalsozialistische  Herrschaftsübernahme,  160-61;  cf.  H.-W.  Herrmann,  „Pfalz
und  Saarland“,  324  Anm.
558  AAE,  Sarre  283/1:  [Konrad]  Saassen,  „Die  Zerstörung  der  Saareinheit:  Rückgliederung  eine
Angelegenheit  völkischer  Ehre“,  Deutsche  Front:  Brüder  in  Not  (Mitte  Dezember  1934),  2.
Sondemr.  zur  Saarabstimmung,  T.  2.
559  Rödel,  „Behörde“,  296;  Jacoby,  Nationalsozialistische  Herrschaftsübernahme,  162-63;
Hans  Fenske,  „Josef  Bürckel  und  die  Verwaltung  der  Pfalz  (1933-1940)“,  Verwaltung  contra
Menschenführung  im  Staat  Hitlers:  Studien  zum  politisch-administrativen  System,  Hg.  Dieter
Rebentisch,  Karl  Teppe  (Göttingen:  V&R,  1986),  153-72,  hier  163;  id.,  „Bürokratie“,  126.
60  Cf.  BABL,  R8037/1:  Entwurf  zum  Schreiben  Aubin  an  Bongard  v.  18.4.1935;  cf.  H.-C.
Herrmann,  „Grundzüge“,  222.  Für  den  Hinweis  auf  das  belastete  Verhältnis  zwischen  Steinbach
  und  Bürckel  danke  ich  Michael  Fahlbusch.

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