Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Gedankens,  insbesondere  die  Heranziehung  ausländischer  Besucher  im  Auge
haben“.523  Im  Bemühen,  die  einzelnen  Themenfelder  ideologisch  einheitlich  auszurichten,
  verlangte  das  Propagandaministerium,  dass  der  Gesamtzusammenhang
in  allen  Einzelabteilungen  klar  erkennbar  sein  und  „die  Grundlage  der  nationalsozialistischen
  Weltanschauung  über  Blut  und  Boden  immer  wieder  herausgearbeitet
werden“  solle.  Hellwig  gab  die  Forderung  des  Ministeriums  an  seine  Abteilungsleiter
weiter.  In  der  Hauptsache  beabsichtigte  die  Saar-Ausstellung,  die  Besucher  zu
politisieren  und  die  öffentliche  Meinung  zu  beeinflussen.  Gemeinsam  besuchten
Hellwig  und  seine  Abteilungsleiter  im  Mai  1934  die  Berliner  Ausstellung  „Deutsches
  Volk  -  Deutsche  Arbeit“,  um  sich  über  die  zeitgemäßen  Anforderungen
an  eine  deutsche  kulturhistorische  Großausstellung  zu  unterrichten.524  „Deutsches
Volk  -  Deutsche  Arbeit“,  eine  gezielt  mit  dem  nationalsozialistischen  Welt-  und
Geschichtsbild  durchsetzte  Leistungsschau  von  Industrie  und  Handwerk,  galt  als  die
„erste  Ausstellung  über  Rassenkunde  und  Rassenpflege“.525  Getreu  dem  nationalsozialistischen
  Konzept  von  „Kultur-  und  Lehrschauen  mit  wirtschaftlichem  Einschlag“526
  trat  auch  in  der  Kölner  Saar-Ausstellung  neben  dem  Propagandaministerium
  die  deutsche  Industrie  als  Förderer  auf,  weshalb  der  Selbstdarstellung  der
Wirtschaftsgruppen  und  einzelner  Firmen  viel  Platz  eingeräumt  wurde.527  Die  Stadt
Saarbrücken  regte  eine  Darstellung  über  die  Repression  der  Regierungskommission
gegen  die  Saarbevölkerung  an525  und  stellte  über  Monate  Sante  und  Keuth  als
Mitarbeiter  und  aus  dem  Heimatmuseum  die  wertvollsten  Ausstellungsgegenstände
zur  Verfügung.524
Inhaltlich  konnte  sich  die  Ausstellung  auf  die  Arbeiten  zum  Saar-Atlas  stützen.5  '11
Viele  SFG-Mitarbeiter  übernahmen  einzelne  Abteilungen  der  Saar-Ausstellung:
An  der  Abteilung  Landschaft  beteiligte  sich  Overbeck.  Die  Abteilung  Volkstum
von  Keuth,  Fox  und  Overbeck  präsentierte  das  Saarland  als  „altes  Bauernland“,
dessen  „gewachsene  volkstümliche  Kultur“  zeige,  „dass  von  der  alten  Bauernkultur
  noch  viel  in  dem  heutigen  Arbeitertum  [liege],  und  dass  für  die  Saar
jene  eigentümliche  Mischung:  Arbeiter  und  Bauer  charakteristisch“  sei.531  In  der

5  3  BayHStA,  MA  106126:  Sperr  an  BayStK  v.  8.2.1934:  Saarausschusssitzung  am  7.2.1934,  2.
524  LASb,  SM  61:  Rundschreiben  Hellwigs  an  die  Ausstellungsabteilungsleiter  v.  30.6.1934,
Hellwig  an  die  Mitarbeiter  der  Saar-Ausstellung  v.  3.5.1934.
"5  B.  Gebhard  in  Deutsches  Volk  -  Deutsche  Arbeit,  Ausstellungskatalog  (Berlin:  1934),  183;
zit.  nach  Hans-Ulrich  Thamer,  „Geschichte  und  Propaganda:  Kulturhistorische  Ausstellungen
in  der  NS-Zeit“,  Geschichte  und  Gesellschaft,  24  (1998),  349-81,  hier  363,  cf.  364-65,  367.
526  Thamer,  „Geschichte  und  Propaganda“,  362.
527  LASb,  SM  45:  [Hellwig]  Errichtung  eines  Grenzlandinstitutes,  [1935]  5;  cf.  SM  61:
„Niederschrift  über  die  Besprechung  am  16.4.1934  über  die  Saar-Ausstellung  in  Köln“,  1.
5~K  LASb,  SM  61:  Neikes  an  Beigeordneten  Dr.  Werle  v.  14.4.1934.
5‘9  LASb,  SM  29:  Neikes  an  Ministerialreferent  Kuhlmann  (RMVP)  v.  27.9.1934,  2.
530  BayHStA,  MA  108204:  Overbeck,  „Saar-Atlas“  [3].
531  StdASb,  Großstadt/2080,  f.  3:  Keuth  in  Verb,  mit  Fox,  „Entwurf  für  die  Ausgestaltung  der
Abteilung  Volkstum  der  Saar-Ausstellung  Köln“  [vor  dem  11.4.1934],  1.  Keuth  und  Fox  hatten

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