um einen deutschen Einbruch in französisches Gebiet, und nicht vielmehr um
einen französischen Einbruch in deutsches Gebiet handelte, der in dem Ortsnamen
Saarlouis (den der Einbrecher an der Stelle der Tat zurückgelassen) einen vermeintlichen
Rechtsanspruch für eine spätere Wiederholung des Einbruchs ins
Leben gerufen hatte.“49*
Sante legte die Rechtsansprüche der französischen Saarpolitik als versteckte
Annexionswünsche aus, wozu er zum wiederholten Mal die deutsch-französische
Geschichte von 1648 bis 1919 bemühte. Originell war allerdings, dass Sante die
französischen Territorialentwürfe aus dem Ersten Weltkrieg mit den Ergebnissen
des Versailler Friedens verglich: Frankreich habe 1919 seine Ziele verfehlt und
hoffe sie nun durch die wirtschaftliche und kulturelle Durchdringung des Saargebietes
zu erreichen. Abschließend klagte Sante die Verfassung des Saargebietes
an; die Politik sei der Mitwirkung durch die Saarländer völlig entzogen.* 499 Eingedenk
des undemokratischen Regimes, dem Sante die Saarländer zutrieb, kann
man nicht umhin, ihn an dieser Stelle der Demagogie zu bezichtigen.
Hellwigs Beitrag zu den Grundlagen des Saarkampfes griff das Thema seiner
Dissertation zur deutschen Saarbevölkerung in den 1860-er Jahren wieder auf.500
Verglichen mit Overbeck, Sante oder gar Oncken hielt sich Hellwig sehr
bedeckt. Umso mehr exponierte er sich bei der großen Kölner Saar-Ausstellung
im selben Jahr.
Saar-Ausstellungen
Neben dem Saar-Atlas war die Kölner Saar-Ausstellung von 1934 die wirksamste
Öffentlichkeitsarbeit von Mitarbeitern der SFG.'’01 In der Literatur zum Saarabstimmungskampf
fand die Kölner Saar-Ausstellung bislang kaum Aufmerksamkeit, da
sich die Forschung überwiegend mit der Rückgliederungspropaganda im Saargebiet,
mit Ausnahme der von Saarländern besuchten Großkundgebungen Hitlers aber
fast nicht mit der Saarpropaganda im Reich beschäftigte.''02 Unbeachtet blieb, dass
die politischen Überzeugungen der Saarländer stark von der öffentlichen Meinung
im restlichen Deutschland abhingen. Die ins Maßlose gesteigerten Erwartungen im
Reich nahmen die Saarländer beim Plebiszit in die Pflicht.
Saar-Ausstellungen gab es im Deutschen Reich seit Mitte der 1920-er Jahre. Im
September 1924 demonstrierte die Stadt Frankfurt ihre Verbundenheit mit den
„Leiden der Saarbevölkerung“. Ihre Ausstellung „Landschaft und Kultur des
49x Oncken, „Saarlande“, 28, 31, 37.
499 Georg Wilhelm Sante, „Frankreich und das Saargebiet“, Die Grundlagen des Saarkampfes:
Handbuch zur Volksabstimmung, Hg. id., Adolf Grabowsky, Vorw. Franz v. Papen, Zeitschrift
für Politik, Sondernr. (Berlin: Heymann, 1934), 41-61, hier 57.
500 Hellwig, „Deutsche Saarbevölkerung“, 74-82.
5111 Fahlbusch, Wissenschaft, 112.
502 So Linsmayer, Politische Kultur, oder G. Paul, Deutsche Mutter.
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