Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Hochschule  für  Politik  Adolf  Grabowsky  (1880-1969)  gab  Sante  den  Sammelband
  Die  Grundlagen  des  Saarkampfes  heraus,  um  die  Atlaskarten  in  historischen
und  politischen  Artikeln  auszuwerten  und  zu  ergänzen.491  Grabowsky,  Begründer
und  jahrzehntelanger  Mitherausgeber  des  Zentralorgans  der  deutschen  politischen
Wissenschaft,  der  Zeitschrift  für  Politik,  lehrte  seit  1921  an  der  Deutschen  Hochschule
  für  Politik  und  seit  1930  als  Lehrbeauftragter  an  der  TH  Berlin.  Er  war
einer  der  führenden  Köpfe  der  kulturkonservativen  Bewegung  in  der  Weimarer
Republik  und  setzte  sich  für  die  Revision  der  Versailler  Friedensordnung  ein.492
1933  wurde  die  Zeitschrift  für  Politik  eingestellt  und  die  Hochschule  für  Politik
geschlossen.  Da  Grabowsky  Kontakte  zu  den  Kreisen  um  Kurt  von  Schleicher
unterhielt,  musste  er  1934  nach  den  Juli-Morden  an  SA  und  nationalkonservativer
Opposition  in  die  Schweiz  emigrieren,  in  der  er  bis  zu  seinem  Tode  lebte.493  Sante
nannte  den  Saar-Referenten  des  Außenministeriums  Voigt  den  dritten  Herausgeber,
  weil  er  die  Grundlagen  den  Wünschen  des  Auswärtigen  Amtes  angepasst
hatte.  Im  Gegenzug  subskribierte  das  Außenministerium  eine  enorme  Anzahl  von
Exemplaren.494  Saar-Atlas  und  Die  Grundlagen  des  Saarkampfes  waren  nicht  als
Einheit  konzipiert,  denn  der  Atlas  war  mit  einem  eigenen  Einleitungs-  und
Erläuterungsapparat  ausgestattet.  Die  Grundlagen  des  Saarkampfes  aber  ordneten
sich  dem  Saar-Atlas  als  ausführliches  Handbuch  bei,  um  zu  seiner  „praktischpolitischefn]
  Benutzbarkeit“  beizusteuern.495
Sieht  man  von  der  nationalen  Note  ab,  enthielten  sich  Die  Grundlagen  des  Saarkampfes
  wie  schon  der  Saar-Atlas  jeder  konkreten  politischen  Propaganda.  Vergeblich
  sucht  man  nationalsozialistische  Terminologie.  Noch  nicht  einmal
Saarkommissar  Franz  von  Papen  spielte  in  seinem  Vorwort  auf  die  so  genannte

BABL,  R8037/1:  Aubin,  Wissenschaftliche  Unternehmungen  der  SFG  1.10.1934-30.9.1935
v.  31.12.1935,  1;  cf.  BayHStA,  MA  106126:  Sperr  an  BayStK  v.  12.12.1933,  2.
49~  AAE,  Allemagne  405,  f.  113;  cf.  Günter  Höhne,  „Deutsche  Liga  für  Völkerbund  (DLfV):  1918
-  April  1933“,  Lexikon  zur  Parteiengeschichte:  Die  bürgerlichen  und  kleinbürgerlichen  Parteien
und  Verbände  in  Deutschland  (1789-1945),  Hg.  Dieter  Fricke  [et  al.],  Geschichte  der  bürgerlichen
  und  kleinbürgerlichen  Parteien  und  Verbände  (Köln:  Pahl-Rugenstein,  1984),  2:  9-16.
493  „Lebenslauf',  Adolf  Grabowsky:  Leben  und  Werk:  Dem  Altmeister  der  Politischen  Wissenschaft
  als  Fest-  und  Dankesgabe  gewidmet,  Hg,  Hans  Thierbach  (Köln:  Heymann,  1963),  135-52,
  hier  135-47;  DBA  II,  469:  201-06;  cf.  Hinrich  Jantzen,  Namen  und  Werke:  Biographien
und  Beiträge  zur  Soziologie  der  Jugendbewegung,  Quellen  und  Beiträge  zur  Geschichte  der
Jugendbewegung,  12/1  (Frankfurt,  M.:  dipa,  1972),  1:  108;  12/4  (1977),  4:  218.
4)4  HessHStA,  1150/46:  Sante,  SFG  und  Kulturpolitik  [ca.  Anfang  1938],  33.  BayHStA,
MA  106126:  Sperr  an  BayStK  v.  12.12.1933,  2:  Es  war  von  3000  Exemplaren  die  Rede.
495  HessHStA,  1150/57:  Sante  an  Bongard  v.  18.7.1933;  Adolf  Grabowsky,  Georg  Wilhelm
Sante,  „Vorbemerkung  der  Herausgeber“,  Die  Grundlagen  des  Saarkampfes:  Handbuch  zur
Volksabstimmung,  Hg.  id.,  Vorw.  Franz  v.  Papen,  Zeitschrift  für  Politik,  Sondernr.  (Berlin:
Heymann,  1934),  vi.  Linsmayer,  Politische  Kultur,  354-60  ließ  Die  Grundlagen  des  Saarkampfes
  außer  Acht.  Cf.  HessHStA,  1150/63:  Sante  [Forschungsarbeit  an  der  Saar]  v.  9.3.1935,
2;  1150/46:  Sante,  SFG  und  Kulturpolitik  [ca.  Anfang  1938],  17.

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