Rezeption
Das Erscheinen des Saar-Atlasses wurde von der deutschen Presse als „ein Dokument
der Wiedereingliederung“ und als „deutsche Waffe“ gefeiert.472 * Hellwig
synchronisierte die verschiedenen Intentionen des Atlasses. Der wissenschaftliche
Kampf um die Saar sei eine untrennbare Begleiterscheinung des politischen. Das
Comité d’études habe die politischen Ansprüche der französischen Regierung unterstützt,
die SFG und der Saar-Atlas mit viel mehr Berechtigung die der deutschen.
Der Vorgeschichte der Saarlande allerdings hätte Hellwig eine ausführlichere
Beschreibung gewünscht, um das von der Forschung bisher „stark übertriebene[...]
Bild der vorgermanischen Siedlung“ zu korrigieren.477
Bei der internationalen Rezension kam der Saar-Atlas ebenfalls gut an. Seine kartographische
Technik überzeugte474 * und die kulturellen und volkskundlichen Karten
fanden Anklang.477 Capot-Rey zollte Overbeck Respekt für seine wirtschaftsgeographischen
Tafeln. Mängel entdeckte er bei der Erhebung der Wirtschaftsdaten zu
den zeitgeschichtlichen Handelsbeziehungen des Saargebiets. Overbeck setze den
starken Kohlenexport nach Frankreich als politisch motiviert herab, weshalb er
die falsche ökonomische Schlussfolgerung ziehe, dass das rechtsrheinische
Deutschland der wichtigste Abnehmer für saarländische Erzeugnisse sei.476 Lucien
Febvre war nicht unbeeindruckt, dass es der SFG gelungen war, ein politisch
motiviertes Propagandamittel so wissenschaftlich zu verpacken: „Un Atlas de la
Sarre qui est, sans doute, un instrument de propagande, mais qui n’en est pas moins
une œuvre de savoir et d’ingéniosité.“ Febvre appellierte an seine Kollegen, die im
deutschen Atlaswerk gelungene Verbindung von Geschichte und Geographie
nachzuahmen.477
4 2 PAAA, R75452: „Der ,Saar-Atlas1: Die deutsche Saar in wissenschaftlicher Darstellung“,
Deutsche Allgemeine Zeitung (3.3.1934); „Der Saar-Atlas - ein Dokument der Wiedereingliederung“,
Frankfurter Zeitung (9.3.1934); „Eine deutsche Waffe“, Berliner Tageblatt ( 11.3.1934);
Hermann Oncken, „Der deutsche Saar-Atlas“, Deutsche Allgemeine Zeitung (16.3.1934); Hans
Scherer, „Ein Weg: Nach Deutschland! Eine wissenschaftliche Widerlegung aller Saar-Lügen“,
Berliner Börsen-Zeitung (15.3.1934).
47’ [Fritz] Hellwig, „Der wissenschaftliche Kampf um die Saar: Grundsätzliches zum deutschen
Saar-Atlas“, Völkische Wissenschaft [1] (1934), 159-63, hier 162.
474 Lucien Febvre, „Cartographie régionale allemande“, Pour une histoire à part entière,
réimpr. Paris 1962, Bibliothèque générale de l’Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales
(Paris: EHESS, 1982), 139-41, hier 140-41.
47’ HessHStA, 1150/73: E. C. Helmreich, „[Review] Saar-Atlas; Robert Capot-Rey, La région
industrielle sarroise\ Michael T[imothy] Florinsky, The Saar Struggle1'1', The American
Historical Review, 41 (1935/36), 189-90.
47b Capot-Rey, Région industrielle sarroise, 601-02.
47 Febvre, „Cartographie régionale allemande“, 139, cf. 141; Peter Schöttler, „Die intellektuelle
Rheingrenze: Wie lassen sich die französischen Annales und die 'NS-Volksgeschichte
vergleichen?“ Die Nation schreiben: Geschichtswissenschaft im internationalen Vergleich, Hg.
Christoph Conrad, Sebastian Conrad (Göttingen: V&R, 2002), 271-95, hier 278.
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