Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Fähigkeit  seiner  gallischen  Vorbilder,  solche  Thesen  und  Antithesen  hinzuwerfen,
besitzt  er  in  hohem  Grade  für  den  Briefstil.  [...]  Aber  bei  der  Niederschrift  der
Einleitung  hatte  er  keinen  guten  Tag.  Die  von  ihm  durchaus  empfundene  Verpflichtung
  zu  sachlicher  deutscher  Arbeit  hat  sich  als  Bleigewicht  an  den  leichten
französischen  Flug  gehängt.“  Aubin  griff  einschneidend  in  den  Text  ein  und
schrieb  „ganze  Partien“  der  Einleitung  um.462
Inhalt
Da  der  Saar-Atlas  als  saarländisches  Werk  gelten  sollte,  wurden  „nicht  Dienststellen,
  sondern  Personen“  und  dabei  möglichst  viele  saarländische  Mitarbeiter  im
Verzeichnis  aufgeführt,  „auch  solche,  die  es  nur  im  weiteren  Sinne  waren“,  damit
Frankreich  nicht  behaupten  könne,  „dass  das  Saargebiet  vom  -  scilicet:  deutschen  -
,Auslande"  und  von  amtswegen  betreut“  würde.463  Der  Saar-Atlas  umfasste  Karten
zur  saarländischen  Geologie,  Geographie,  Geschichte,  Volkskunde  und  besonders
zur  Wirtschaft.464  Ein  guter  Teil  der  Saar-Atlas-Karten  war  allerdings  nur  als  Zugeständnis
  an  den  wissenschaftlichen  Charakter  des  Werkes  aufgenommen  worden.
Wie  die  SFG  in  ihrer  Forschungsintention  zog  der  Saar-Atlas  die  umliegenden
Nachbarlandschaften  in  seine  Betrachtung  ein;  durch  Darstellung  vielfältiger  Beziehungen
  zwischen  dem  Saargebiet  und  den  angrenzenden  Regionen  wurde  ein
weiterer  Beweis  für  die  Künstlichkeit  des  Saargebiets  erbracht.465
Es  gelang  Sante,  die  siedlungsgeographischen  Karten  aus  der  kulturgeographischen
  Doktorarbeit  zum  Saargebiet  und  zum  deutschsprachigen  Teil  der  Moselle
von  Studienassessor  Dr.  Ludwig  Martin  aus  Neunkirchen  für  den  Saar-Atlas  zu
erwerben.466  Bei  der  Leipziger  Stiftung  für  deutsche  Volks-  und  Kulturbodenforschung
  hatte  sich  Martin  deren  Methoden  und  Begriffe  angeeignet  und  sich
von  Metz  zu  dieser  Dissertation  anregen  lassen.  Allein  schon  deren  Themenstellung
  „Der  deutsche  Kulturboden  im  Saar-Moselgebiet  ist  durch  Beobachtung
festzulegen,  in  seiner  Abhängigkeit  von  geographischen  Bedingungen  zu  untersuchen
  und  gegen  das  Nachbargebiet  abzugrenzen“  verlangte,  von  der  französischen
Sprache  abzurücken,  weshalb  Martin  nach  eigenen  Angaben  seine  lothringischen

462  BABL,  R8037/1:  Aubin  an  Bongard  v.  11.1.1934,  6.
463  HessHStA,  1150/57:  Sante  an  Aubin  v.  12.1.1933,  2.
464  Musall,  „Zur  Entwicklung“,  580-81;  Linsmayer,  Politische  Kultur,  356.
465  HessHStA,  1150/63:  Sante,  Verlegung  des  ELI  von  Frankfurt  nach  Saarbrücken  v.
2.11.1934,  1.  Cf.  Linsmayer,  Politische  Kultur,  357.
466  Ludwig  Martin,  Kulturgeographische  Untersuchungen  in  Deutschlothringen  und  im  Saargebiet:
  Natürliche  Grundlagen,  Entwicklung  und  Charakter  der  Kulturlandschaft  im  Gebiet
zwischen  Saar,  Nied  und  Sprachgrenze  (Calw:  Oelschläger,  1934),  94,  cf.  6.  Ludwig  Martin:
*  1904;  Lehrer  für  Erdkunde,  Deutsch,  Geologie  und  Mathematik  in  Neunkirchen;  ab  1.4.1935
Studienrat;  Schuth,  „Reichsgau  Saarland“,  Abschn.  3,  7;  HessHStA,  1150/75,  Mappe  „Martin“:
Sante  an  Martin  v.  23.3.1934;  LASb,  SM  44:  Keuth  an  Martin  v.  13.4.  u.  28.6.1933;  LASb
SM  12:  Aubin,  Wissenschaftliche  Unternehmungen  der  SFG  vom  1.10.1930-30.9.1931,  3.

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