Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Overbeck  wurde  Leiter  des  Deutschen  Instituts  der  TH  Aachen.441  Ferner  erhielt
er  einen  bezahlten  Lehrauftrag  für  „Angewandte  Geographie,  insbesondere  Geopolitik
  und  Grenzlandkunde“.  Er  hielt  Vorlesungen  über  „Deutsche  Grenzlande“,
„Rassen,  Völker  und  Kulturen“  und  „Das  Deutschtum  im  Ausland“  und  organisierte
  Arbeitsgemeinschaften  über  das  Grenzland,  Deutschlands  Lebensraum,  das
Deutschtum  in  Südosteuropa  und  den  Deutschen  Osten.442  Im  April  1935  wurde  er
Chef  der  im  Aufbau  befindlichen  Bezirksstelle  Aachen  der  Landesplanungsgemeinschaft
  Rheinland.  Doch  bald  geriet  er  an  der  TH  in  Schwierigkeiten;  ein
Professor  der  Geographie  denunzierte  Overbecks  wenig  nationalsozialistische
Haltung,44'  allem  Anschein  nach  mehr  aus  persönlichen  oder  fakultätsinternen  als
aus  politischen  Gründen.  Overbeck  dachte  daran,  die  TH  zu  verlassen.  Obwohl
ihn  der  Leiter  der  Reichsstelle  für  Raumordnung,  Reichsminister  Hanns  Kerrl,  als
Bezirksplaner  halten  wollte,444  kehrte  Overbeck  im  Dezember  1936  an  die  Saar
zurück,  um  an  der  neu  eröffneten  Hochschule  für  Lehrerbildung  Saarbrücken
(HfL)  Erdkunde  und  Methodik  des  Erdkundeunterrichtes  zu  lehren.  Hier  wurde  er
1939  zum  Professor  ernannt.445
In  Saarbrücken  trat  Overbeck  zum  1.  Dezember  1938  in  die  Reiter-SA  ein,  nachdem
  er  im  April  1935  die  allgemeine  SA  verlassen  hatte.  Der  Reitersturm  entsprach
mit  seinem  großbürgerlichen,  nachgerade  noblen  Habitus  sicher  mehr  als  die  allgemeine
  SA  dem  Geschmack  des  Hochschullehrers.446  Dieser  Wiedereintritt  stand
möglicherweise  im  Zusammenhang  mit  den  antisemitischen  Pogromen  des  Vormonats,
  aber  nicht  in  der  Weise,  die  man  vermuten  möchte.  Als  überall  im  Deutschen
  Reich  SA  und  SS  mit  staatlicher  Hilfe  Synagogen  schändeten  und  in  Brand
steckten,  jüdische  Bürger  ermordeten,  Zehntausende  verhafteten  und  in  die  Konzentrationslager
  verschleppten,  ließ  der  Führer  des  SA-Reitersturms  1/151  Saarbrücken

441 Horch,  „L.  Strauß“,  262.
44  HAAc:  Technische  Hochschule  Aachen:  Verzeichnis  der  Vorlesungen  und  Übungen  für  das
Studienjahr  1933/34  (Winterhalbjahr  1933/34  und  Sommerhalbjahr  1934)  ([Aachen]  Aachener
Verl.-  u.  Druck.-Ges.  [1933]),  26;  Technische  Hochschule  Aachen:  Verzeichnis  der  Vorlesungen
  und  Übungen  für  das  Studienjahr  1934/35  (Winterhalbjahr  1934/35  und  Sommerhalbjahr
  1935)  ([Aachen]  Aachener  Verl.-  u.  Druck.-Ges.  [1934]),  25,  101,  cf.  16;  Technische
Hochschule  Aachen:  Verzeichnis  der  Vorlesungen  und  Übungen  für  das  Studienjahr  1935/36
(Winterhalbjahr  1935/36  und  Sommerhalbjahr  1936)  ([Aachen]  Aachener  Verl.-  u.  Druck.-Ges.
  [1934]),  27;  Technische  Hochschule  Aachen:  Personal-  und  Vorlesungsverzeichnis  für
das  Studienjahr  1936/37  ([Aachen]  Aachener  Verl.-  u.  Druck.-Ges.  [1936]),  32.  BADH,  ZA
V/182,  f.  392-93:  Ernennung  Overbecks  zum  Oberstudienrat  v.  20.12.1941.
44’  Ulrich  Kalkmann,  Die  Technische  Hochschule  Aachen  im  Dritten  Reich  (1933-1945)
(Aachen:  Verl.  Mainz,  2003),  303.
444  BDC,  Overbeck:  [Prof.  Dr.  Walter]  Voigtländer  (RMWEuV)  an  RMdl  v.  7.7.1939,  1;  cf.
Horst  Matzerath,  „Raumordnung“,  Enzyklopädie  des  Nationalsozialismus,  Hg.  Wolfgang  Benz,
Hermann  Graml,  Hermann  Weiß,  2.  Aufl.  (München:  dtv,  1998),  660.
445  Hesse,  Professoren,  551;  BADH,  ZA  V/182,  f.  392-93:  Ernennung  Overbecks  zum  Oberstudienrat
  v.  20.12.1941;  BDC,  Overbeck:  RMdl  an  RMWEuV  v.  28.8.1939,  Ernennung  v.
21.12.1941.
446  Ein  Grund  für  den  Austritt  aus  der  SA  ist  nicht  bekannt;  BADH,  ZA  V/182,  f.  392-93v:
Ernennung  Overbecks  zum  Oberstudienrat  v.  20.12.1941.

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