Full text : Volk, Reich und Westgrenze

gewesen  sei,  wie  es  die  aktuelle  ebenfalls  sein  solle.411  Overbecks  „Saarwirtschaft
um  1800“  wurde  offizielle  Doktrin  der  SFG.  Als  ein  Schüler  Onckens  der  Zeitschrift
  Unsere  Saar  einen  wirtschaftshistorischen  Aufsatz  anbot,  der  Overbeck  in
gewissen  Punkten  widersprach,412  schickte  Herausgeber  Sante  den  Artikel  zur
Überarbeitung  zurück  und  legte  zur  Orientierung  Overbecks  Abhandlung  bei.413
Overbecks  wirtschaftsgeographische  Forschungen  fanden  als  Wirtschaftskarten
und  Erläuterungen  Eingang  in  den  Saar-Atlas  und  seine  Untersuchung  zu  Bergbau
und  Industrie  wurde  als  Ergänzungsheft  zu  Petermanns  Geographischen  Mitteilungen
  veröffentlicht.414  Es  gelang  ihm,  die  Ergebnisse  seiner  Arbeit  durch  Vorträge,
  Beiträge  in  Zeitschriften  und  durch  die  Leitung  der  Abteilung  Landschaft
der  Saar-Ausstellung  in  Köln  in  weite  Kreise  zu  tragen.415
Neben  Sante  und  Overbeck  selbst  waren  die  wichtigsten  Mitarbeiter  am  Saar-Atlas
  Zimmermann,  Matthias  Zender  vom  IGL,  Will,  Keuth  und  Dr.  Ludwig
Martin.  Die  geschichtliche  Einführung  in  den  Saar-Atlas  wurde  von  Niessen  auf
der  Grundlage  der  von  Steinbach  am  IGL  gehaltenen  „Grenzlandübungen“  verfasst.416
  Josef  Müller  aus  Bonn,  ergänzt  von  Fox,  Albert  Becker  aus  Zweibrücken,
dem  pfälzischen  Volkskundler  Ernst  Christmann417  und  dem  lothringischen
Volksliedersammler  Louis  Pinck,  fertigte  die  Karten  der  Volksbräuche  an,  in
denen  er  Lothringen  und  die  Pfalz  berücksichtigte.418
Politische  Ziele
Um  keine  französische  Gegenaktion  zu  riskieren,  hielt  man  das  Saar-Atlas-Projekt
  so  lange  wie  möglich  im  Verborgenen.  Bis  1932  erfuhr  nicht  einmal  die
SFG-Mitgliederversammlung  vom  allgemeinen  Vorhaben  eines  Saar-Atlasses,
lediglich  von  besonderen  Einzelforschungen.  Nur  die  wichtigsten  Mitglieder

411 HessHStA,  1150/57:  Sante  an  Aubin  v.  8.7.1932,  7.
4,2  Hermann  Oncken,  „Die  Saarlande  im  Lichte  der  europäischen  Geschichtsentwicklung“,  Die
Grundlagen  des  Saarkampfes:  Handbuch  zur  Volksabstimmung,  Hg.  Adolf  Grabowsky,  Georg
Wilhelm  Sante,  Vorw.  Franz  v.  Papen,  Zeitschrift  für  Politik,  Sondernr.  (Berlin:  Heymann,
1934),  27-40,  hier  33.
41'  HessHStA,  1150/63:  Sante  an  Overbeck  v.  5.11.1934,  3.
414  BABL,  R8037/1:  Aubin,  Wissenschaftliche  Unternehmungen  der  SFG  1.10.1934-30.9.1935,
1;  cf.  Von  der  SFG  im  Geschäftsjahr  1933/34  vermittelte  Gelder.
417 BABL,  R8037/1:  Aubin,  Wissenschaftliche  Unternehmungen  der  SFG  1.10.1933-30.9.1934,  2.
416  LASb,  SM  12:  Aubin,  Nachtrag  zu  den  wissenschaftlichen  Unternehmungen  der  SFG
1.10.1932-30.9.1933.;  cf.  Aubin  [et  al.],  Mitgliederversammlung  der  SFG  am  2.10.1933,  4;
Saar-Atlas,  2.  Aufl.,  bearb.  u.  hg.  i.  A.  d.  Saar-Forschungsgemeinschaft  v.  Hermann  Overbeck,
Georg  Wilhelm  Sante  in  Verb,  mit  Hermann  Aubin,  Otto  Maull,  Franz  Steinbach  (Gotha:
Perthes,  1934),  39-54.
417  Im  Folgenden  ist  mit  „Christmann“  immer  Emst  Christmann  gemeint.  Der  zweite  Träger
dieses  Nachnamens,  Fritz  Christmann,  spielte  eine  zu  unbedeutende  Rolle,  um  die  durchgängige
Vomamennennung  zu  rechtfertigen;  letzterer  wird  grundsätzlich  mit  einem  Vomamenkürzel
abgehoben.
418  HessHStA,  1150/68:  Sante  an  Josef  Müller  v.  11.7.1930.

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