Full text: Volk, Reich und Westgrenze

der Reichsministerien, preußischen Verwaltungen und der Notgemeinschaft. Nur 
vier waren Wissenschaftler: Sante, Overbeck, Steinbach und Oncken. Letzterer 
bemängelte, dass der Saar-Atlas das Saargebiet begrifflich zu stark und dessen 
Zugehörigkeit zum deutschen Westen zu wenig betone, und verlangte Karten, „die 
über die territoriale Gestaltung des Westens im Grenzverlauf von Aachen bis zum 
Elsaß in den letzten Jahrhunderten Aufschluß gäben“. Voigt vom Auswärtigen Amt 
wünschte, dass der Atlasbenutzer ein Bild über den Verlauf der deutsch-französi¬ 
schen Sprachgrenze und von der Stellung des Saargebietes in den deutsch-franzö¬ 
sischen Gesamtbeziehungen gewinne.385 Mayer vom preußischen Innenministerium 
pflichtete dem bei und verlangte „Karten zur Entwicklung der deutschen West¬ 
grenze seit dem Verduner Vertrag“. Sante vereinigte die drei Forderungen in einer 
„Karte des deutsch-französischen Gegensatzes“. Oberstes Ziel sei, die „Vergäng¬ 
lichkeit und Künstlichkeit des Saargebietes“ hervorzuheben. 86 Steinbach fand die 
politischen Aussagen einiger Karten unnational und erinnerte an die Forderung 
Berlins, „kartographische Darstellungen episodenhafter^..] französischer Beset¬ 
zung im Saargebiet nach Möglichkeit zu vermeiden“. Die „grösste Ausdehnung der 
Reunionen und ihre französische Ordnung“ dürfe nicht gezeigt werden.387 
Die Ministerien drängten auf Eile. Daher Unterzeichnete Bongard Anfang Dezem¬ 
ber 1931 den Vertrag mit dem Verlag Justus Perthes in Gotha.388 Die politischen 
Veränderungen des Jahres 1933 berührten den Saar-Atlas nicht. Die National¬ 
sozialisten hatten keine eigenen Vorstellungen, was die politisch-propagan¬ 
distische Verwertung der Kartographie betraf und überließen diese Fragen den 
nationalkonservativen und völkischen Kräften.389 Das preußische Kultusminis¬ 
terium, nun vertreten von Ministerialdirektor Jäger, hielt seine Unterstützung für 
den Saar-Atlas aufrecht390 und im Oktober 1933 legten Sante und Overbeck ein 
letztes Mal vor den Ministerien Rechenschaft über den Saar-Atlas ab.391 
'88 HessHStA, 1150/69: Haslinde, Bublitz, Besprechung am 21.10.1931 wegen der Herausgabe 
des „Saar-Atlas“, 2. 
'86 HessHStA, 1150/69: Sante, Wünsche der Berliner Besprechung am 21.10.1931 v. 
29.10.1931, 1 u. 2. 
387 HessHStA, 1150/69: Steinbach an Sante v. 19.11.1931. 
388 HessHStA, 1150/57: Sante an Aubin v. 12.1.1933, 1. 
,89 Guntram Henrik Herb, Under the Map of Germany: Nationalem and Propaganda 1918- 
1945 (London: Routledge, 1997), 159-71. 
390 HessHStA, 1150/46: Sante, SFG und Kulturpolitik [ca. Anfang 1938], 18. 
391 PAAA, R75452: Schmidt-Ott an Jäger (PrKM), an Donnevert (RMdl), an Vollert (RMdl), 
an Voigt (AA), an [Minrat. Dr. Udo] Krauthausen, an Bongard, an Sante und an Overbeck v. 
23.10.1933: Einladung zu den Vorträgen von Sante und Overbeck über den Saar-Atlas am 
28.10.1933. 
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