Full text : Volk, Reich und Westgrenze

der  Saarforschung  eine  breite  Öffentlichkeit  und  trugen  zum  Erfolg  der  Saarpropaganda
  bei.

5. Wissenschaftliche  Saarforschung  für  die  politische  Saarabstimmung:
Saar-Atlas  und  Saarausstellung  1934
Zwei  Projekte  von  herausragender  öffentlicher  Wirkung  brachte  die  SFG  im  Vorfeld
  der  Saarabstimmung  zum  Abschluss.  Die  Publikation  des  Saar-Atlasses  und
der  erläuternden  Grundlagen  des  Saarkampfes  und  die  Saar-Ausstellung  in  Köln
sind  Beispiele  für  die  enge  Zusammenarbeit  von  Wissenschaft  und  Politik  an  der
Saar.  Mit  ihnen  erfüllte  „die  wissenschaftliche  Arbeit  mit  politischer  Zielsetzung
ihre  Aufgaben“.365
Wissenschaftspopularisierung  durch  Atlanten
Die  Zeit  nach  dem  verlorenen  Weltkrieg  und  den  Gebietsverlusten  durch  den
Friedensvertrag  war  die  Zeit  der  großen  Regionalatlanten.  Besser  als  ein  schriftlicher
  Text  konnten  Karten  territoriale  Ansprüche  einem  breiten  Publikum
anschaulich  und  greifbar  machen.'66  Ein  Atlas  biete  den  Vorteil  klarster  und  eindringlichster
  Darstellung,  meinte  Sante,  denn:  „quod  non  in  cartis,  non  est  in
mundo“.367  Schon  1927  sahen  IGL  und  SFG  vor,  zur  Vorbereitung  der  Territorialkarten
  im  Geschichtlichen  Handatlas  der  Rheinprovinz  „ein  geschichtliches
Kartenwerk  der  Saargegend“  zusammenzustellen.368 *  Das  IGL  führte  das  Projekt
jedoch  nicht  weiter,  weil  Steinbach  einen  „Sonderatlas  der  Saar“  für  „ein  politisch
bedenkliches  Unternehmen“  hielt.  Steinbach  bevorzugte  einen  „Atlas  der  Westlichen
  Grenzlande  von  der  Saar  zu  den  Niederlanden“,  mit  dem  deutlich  gemacht
werden  könne,  „wie  sehr  z.  B.  das  Schwergewicht  der  zahlreichen  lothringischsaarländischen
  Gemeinsamkeiten  [...]  auf  deutschem  Boden“  liege.366  Die
Planungen  zu  einem  saarländischen  Atlas  wurden  Anfang  1930  von  Sante  und
Overbeck  wieder  aufgegriffen.370  Der  Saar-Atlas  fasste  die  wissenschaftlichen
Einzelarbeiten  der  SFG  um  die  „Kernfrage“,  die  deutsche  Stellung  der  Saarlande,
zusammen.  Alle  seine  Beiträge  ordneten  sich  dieser  Beweisführung  unter.371

365  HessHStA,  1150/63:  Sante,  Anlage  1  v.  21.1.1935,  1;  cf.  Linsmayer,  Politische  Kultur,  355.
366  Heinz  Musall,  „Zur  Entwicklung  der  regionalen  Geschichtsatlanten“,  Zeitschrift  für  die  Geschichte
  des  Oberrheins,  147  (1999),  567-82,  hier  567,  570-73;  für  die  Zusendung  dieses  Sonderdruckes
  danke  ich  Herrn  Hellwig.  Mark  [S.]  Monmonier,  Drawing  the  Line:  Tales  of  Maps
and  Cartocontroversy  (New  York:  Holt,  1995),  105:  „Maps  make  good  witnesses“,  cf.  297.
,<l7  HessHStA,  1150/75,  Mappe  „Bergwerksdirektion  Bonn,  Handelsministerium“:  [Sante]
„Denkschrift  über  die  Herausgabe  eines  Saaratlas“,  3.
168  LASB,  SM  12:  Vorstandssitzung  in  Giessen  am  13.4.1927  [3].
360  HessHStA,  1150/68:  Steinbach  an  Sante  v.  14.3.1930;  cf.  Linsmayer,  Politische  Kultur,  355
u.  504.
'7(l  HessHStA,  1150/57:  Sante  an  Aubin  v.  25.1.1930  [1].
'7I  HessHStA,  1150/46:  Sante,  SFG  und  Kulturpolitik  [ca.  Anfang  1938],  15,  cf.  17.
            
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