Full text: Volk, Reich und Westgrenze

abrundete.347 Um die französische Behauptung von der Öffnung der Saarland¬ 
schaft nach Westen zu widerlegen, führte Overbeck die abfallenden Schicht¬ 
glieder der lothringischen Stufenlandschaft an, die klar gegen Westen abgrenzten. 
Die Saarlande seien hingegen mit dem Mittel- und Oberrhein natürlich verbun¬ 
den, worin der geostrategische Grund für das französische Streben nach dem 
Saargebiet zu suchen sei. Neben einem Aufsatz zur „Volkskunde im Heimat¬ 
museum“ steuerte Museumsdirektor Keuth derselben Nummer den im gleichen 
Jahr in der Völkischen Wissenschaft veröffentlichten Artikel „Ländliche Arbeits¬ 
kultur an der Saar“ bei. Keuth bekannte, dass die saarländische Volkskunst bereit 
sei, ins Reich heimzukehren. Derartige politische Bezüge waren nicht notwendig. 
Fox’ Artikel in der Deutschen Front über „Saarländische Heimatbräuche“ wies 
zum Beispiel keinerlei politische Konnotation auf.348 Allerdings hatte es Partei¬ 
genosse Fox nicht nötig, sich der NSDAP anzubiedern, der parteilose Keuth wohl. 
Die dritte Sondernummer der Deutschen Front: Brüder in Not von Anfang Januar 
1935 wurde von Niessens Aufsatz „Frankreichs Rhein- und Saarpolitik: Von 
Richelieu bis Clemenceau“ eingeleitet, der Zitate von Hitler, Göring und Bürckel 
wissenschaftlich umrahmte. Niessen berief sich auf französische Zeugen, wie 
Maurice Barrés oder Vidal de la Blache, um die fixe Rhein-Idee der Franzosen zu 
belegen. Wie in seiner Geschichte der französischen Saarpolitik griff Niessen auf 
die Oncken-These zurück und listete die Eckdaten der deutsch-französischen 
Grenzgeschichte in der Neuzeit auf. Abschließend lobte Niessen den ,,völkische[n] 
Einsatzwille[n] der rheinischen und pfälzischen Nachbarn“ in der Abwehr von 
Separatismus und Franzosenherrschaft.349 
Saarländische Heimatvereine 
Um sie für die nationale Kulturarbeit und Propaganda zu vereinnahmen und die 
wissenschaftlichen Ergebnisse der SFG zu verbreiten, zentralisierte Sante 1932 
die saarländischen Kulturvereine in der Arbeitsgemeinschaft Saarländischer 
'4 AAE, Sarre 283/1: Hermann Overbeck, „Die Saar im rheinisch-deutschen Lebensraum“, 
Deutsche Front: Brüder in Not (Mitte Dezember 1934), 2. Sondernr. zur Saarabstimmung, 
T. 2; Hermann Overbeck, „Das ,Saargebiet‘ im deutschen rheinischen Raum: Eine geo- 
politische Studie“, Die Grundlagen des Saarkampfes: Handbuch zur Volksabstimmung, Hg. 
Adolf Grabowsky, Georg Wilhelm Sante, Vorw. Franz v. Papen, Zeitschrift für Politik, 
Sondernr. (Berlin: Heymanns, 1934), 3-26. 
,4K AAE, Sarre 283/1: [Nikolaus] Fox, „Saarländische Heimatbräuche“, Deutsche Front: 
Brüder in Not (Mitte Dezember 1934), 2. Sondernr. zur Saarabstimmung, T. 6. 
149 AAE, Sarre 283/2: Josef Niessen, „Frankreichs Rhein- u[nd] Saarpolitik: Von Richelieu bis 
Clemenceau“, Deutsche Front: Brüder in Not (5.1.1935), 3. Sondernr. zur Saarabstimmung, T. 
1; cf. Steinacher, „Saar- und Westgebiete“, Bundesleiter, 156, 171; Martin Herold, Josef 
Niessen, Franz Steinbach, „Geschichte der französischen Saarpolitik“, Franz Steinbach, 
Collectanea Franz Steinbach: Aufsätze und Abhandlungen zur Verfassungs-, Sozial- und Wirt¬ 
schaftsgeschichte, geschichtlichen Landeskunde und Kulturraumforschung, Hg. Franz Petri, 
Georg Droege, Veröffentlichungen des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rhein¬ 
lande an der Universität Bonn (Bonn: Röhrscheid, 1967), 253-343, hier 275-343. 
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