abwehr gehörte wie die Verfolgung von Kommunisten und Sozialdemokraten zu
den Aufgaben nationalsozialistischen Staatsschutzes. Friedrich Meinecke protestierte
vergebens gegen den Missbrauch von für die wissenschaftliche Arbeit
erhobenen Daten. Kluke nahm den „Sonderauftrag“ des Reichsinnenministeriums
an und wurde zur Generalanwaltschaft und Staatspolizeistelle Trier abgeordnet,
um den Strafverfolgungsbehörden „Material über die Tätigkeit der Saarseparatisten
und die französische Durchdringungstätigkeit“ zu beschaffen.337
Deutsche Front
Der Tag der Saarabstimmung rückte näher und die wissenschaftliche Arbeit der
SFG wurde auf diesen 13. Januar 1935 ausgerichtet. Ihre Mitglieder unterstützten,
wo sie nur konnten, die amtliche Saarpropaganda, verfassten unzählige Artikel
und hielten Lichtbildvorträge. Die nationale Arbeit der SFG wurde vom Völkischen
Beobachter lobend erwähnt.338 „Saar-Vorträge halten, ist Dienst!“ mahnte
Sante,339 der im Reich „auf breiter Basis [...] Schulung in Saarfragen“ betrieb.340
Als Bürckels Deutsche Front rief, brachten die Saarforscher ihr gesellschaftliches
Gewicht341 in den Abstimmungskampf ein und schrieben für die Sonderausgaben
ihres Propagandaorgans, Deutsche Front: Brüder in Not.'42 Die Zeitung wollte
neben diversen politischen Beiträgen zur Zukunft des Saargebietes und zu den
Errungenschaften des Nationalsozialismus auch historische und geopolitische
Erläuterungen zur Situation des Saarbeckens und Beweise für die deutsche
Stammesverwandtschaft in Mundart, Volks- und Brauchtum geben.343 In der
337 Zit. nach Haar, Historiker ..., 178. Ich danke Ingo Haar für den Hinweis auf die Saarforschungen
Klukes. Cf. Beer, „Neuanfang ...“, 289. Eine fernmündliche Anfrage v. 31.1.2000
bei Herrn Dr. Peter Brommer vom LHA Koblenz und die Recherche im dortigen Bestand
Bezirksregierung Trier ergaben, dass die meisten Gestapoakten Trier im Zweiten Weltkrieg
untergegangen sind; Dr. Flach (LHA) an Verf. v. 2.3.2000; cf. Peter Brommer, „Zur Tätigkeit
der Gestapo Trier in den Jahren 1944/45“, Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, 18
(1992), 325-68, hier 327, 329. Die Verwaltungsakten der Staatsanwaltschaft Trier aus den
Jahren 1934/35 sind unauffindbar, in den Registern ist nichts vermerkt; Telefonate mit dem
Leitenden Oberstaatsanwalt Herrn Roos (Staatsanwaltschaft Trier) v. 17.3.2000; mit Herrn
Dr. Krümmel (LHA) und dem Leitenden Oberstaatsanwalt Herrn Winkler (Generalstaatsanwaltschaft
Koblenz) v. 2.2.2000. Den genannten Herren danke ich für ihre Mühe. Cf.
G. Paul, Mallmann, Herrschaft und Alltag, 181-82, 188.
338 HessHStA, 1150/57: „15 Jahre Kulturarbeit an der Saar“, Der Völkische Beobachter
(1.3.1935); cf. BABL, R8037/1: Aubin an d. Mitglieder d. SFG v. 31.12.1935.
339 HessHStA, 1150/63: Sante an Overbeck v. 5.11.1934, 2; cf. Overbeck an Sante v.
20.10.1934, 2.
340 BABL, R8037/1: Aubin, Wissenschaftliche Unternehmungen der SFG 1.10.1934-30.9.1935
v. 31.12.1935, 1-2; HessHStA, 1150/63: Sante an Emrich v. 9.10.1934.
'41 Cf. Gerhard Paul, „Deutsche Mutter - heim zu Dir!“ Warum es mißlang, Hitler an der Saar
zu schlagen: Der Saarkampf 1933-1935, Vorw. Eike Hennig (Köln: Bund, 1984), 156-59.
342 Das RMVP war an den Kosten mit geringen Mitteln beteiligt, BABL, R55/752, f. 7: CURA
GmbH über Konto Saarabstimmung v. 31.10.1935.
'4’ BayHStA, MA 106126: Deutsche Front: Organ der Politischen Einheitsorganisation „Deutsche
Front“ Saarbrücken - Zweigstelle Köln für die Abstimmungs-Sonderausgaben zum 13.
Januar 1935 an Dr. Grasmann (Bayerischer Industriellen-Verband) v. 27.11.1934. Die Deutsche
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