Full text : Volk, Reich und Westgrenze

ins  Saargebiet  eingreifen  durften,  wurde  die  dem  preußischen  Innenministerium
unterstehende  Kölner  Abteilung  von  Regierungsrat  Watermann  zur  Saar-Verbindungsstelle
  ausgebaut,  durch  die  „der  oft  unterirdische4  Verkehr  zwischen  den
Ministerien  in  Berlin  und  den  Gewerkschaften,  Parteien,  Verbänden,  usw.  im  Saargebiet44
  lief.332  Sante  arbeitete  eng  mit  Watermann  zusammen.33’  Natürlich  nahm  der
rheinische  Provinzial  verband  ebenfalls  Saaraufgaben  wahr.  Bis  zur  Vertreibung  aus
seinem  Amt  durch  die  Nationalsozialisten  1933  forderte  der  Landesverwaltungsrat
im  Provinzialverband  Josef  Busley  (1888-1969),  selbst  ein  Schüler  von  Kunstgeschichtsprofessor
  Clemen,  die  SFG  und  besonders  seinen  Freund  Sante;334  er
unterstellte  die  Saarbrücker  Landesplanung  der  SFG  und  schloss  unter  Santes
Leitung  die  saarländischen  Heimatvereine  und  -museen  zusammen.33'’
Dem  preußischen  Innenministerium  unterstand  außerdem  eine  überwiegend  im
Verborgenen  arbeitende  Zentralstelle  für  Nachkriegsgeschichte,  die  ihre  wissenschaftlichen
  Ergebnisse  den  Behörden  zur  Verfügung  stellte.336  Neben  den
Waffentillstandsverhandlungen  im  November  1918  oder  dem  Krieg  um  die
Ostprovinzen  ließ  die  Zentralstelle  auch  den  Separatismus  in  den  Rheinlanden
und  die  Grenzlandpolitik  im  Saarland  untersuchen.  Ihre  Leitung  übertrug  das
Innenministerium  im  Einvernehmen  mit  dem  Auswärtigen  Amt  1934  Albert
Brackmann.  Für  die  Zentralstelle  bearbeitete  der  junge  Stipendiat  Paul  Kluke  im
Auftrag  der  Historischen  Reichskommission  ein  Projekt  über  die  „Stellung  der
Reichsbehörden  zum  rheinischen  Separatismus44.  Für  Klukes  Befragungen  saarländischer
  Rückgliederungsgegner  interessierte  sich  die  Gestapo,  denn  Separatistenv32HessHStA,

  1150/46:  Sante  vertraulich  an  Zipfel  v.  4.8.1939;  cf.  Steinacher,  „Saar  und  Westgebiete“,
  Bundesleiter,  155;  Gerhard  Paul,  Klaus-Michael  Mallmann,  Herrschaft  und  Alltag:
Ein  Industrierevier  im  Dritten  Reich,  Mitarb.  Hans-Henning  Krämer,  Widerstand  und  Verweigerung
  im  Saarland  1935-1945,  2  (Bonn:  Dietz,  1991),  189.
333  Jacoby,  Nationalsozialistische  Herrschaftsübernahme,  42.
334  HessHStA,  1150/57:  Busley  an  Sante  v.  1.11.1930;  BABL,  R8037/2:  Busley  vertraulich  an
Aubin  v.  26.9.1930  [2];  R8037/1:  Mitglieder  und  Förderer  der  SFG,  Stand  Oktober  1933.
Busley  war  in  beiden  Weltkriegen  im  Kunstschutz  in  Frankreich  tätig;  Anja  Heuss,  Kunst-  und
Kulturraub:  Eine  vergleichende  Studie  zur  Besatzungspolitik  der  Nationalsozialisten  in  Frankreich
  und  der  Sowjetunion  (Heidelberg:  Winter,  2000),  274-75.
°  HessHStA,  1150/63:  Sante  [Forschungsarbeit  an  der  Saar]  v.  9.3.1935,  7.
”6  Die  Geschichte  der  Zentralstelle  für  Nachkriegsgeschichte,  namentlich  ihrer  Verbindung  zur
Gestapo,  zum  SD  und  RSHA  bedarf  noch  einer  eingehenden  Untersuchung;  Mathias  Beer,
„Der  ,Neuanfang1  der  Zeitgeschichte  nach  1945:  Zum  Verhältnis  von  nationalsozialistischer
Umsiedlungs-  und  Vernichtungspolitik  und  der  Vertreibung  der  Deutschen  aus  Ostmitteleuropa“,
  Deutsche  Historiker  im  Nationalsozialismus,  Hg.  Winfried  Schulze,  Otto  Gerhard
Oexle,  Mitarb.  Gerd  Helm,  Thomas  Ott,  Die  Zeit  des  Nationalsozialismus  (Frankfurt,  M.:
Fischer,  1999),  274-301,  hier  279;  cf.  id.,  „Die  Dokumentation  der  Vertreibung  der  Deutschen
aus  Ost-Mitteleuropa:  Hintergründe  -  Entstehung  -  Ergebnis  -  Wirkung“,  Geschichte  in
Wissenschaft  und  Unterricht,  50  (1999),  99-117,  hier  103;  id.,  „Im  Spannungsfeld  von  Politik
und  Zeitgeschichte:  Das  Großforschungsprojekt  Dokumentation  der  Vertreibung  der  Deutschen
  aus  Ost-Mitteleuropa“1,  Vierteljahrshefte  für  Zeitgeschichte,  46  (1998),  345-89,  hier  350;
Fahlbusch,  Wissenschaft,  70;  Götz  Aly,  „Rückwärtsgewandte  Propheten:  Willige  Historiker  -
Bemerkung  in  eigener  Sache“,  Macht,  Geist,  Wahn:  Kontinuitäten  deutschen  Denkens  (Berlin:
Argon,  1997),  153-83,  hier  169-78.

107
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.