Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Saargebiet,  in  Auftrag  gegeben.324  Wenn  schon  nicht  direkt  vergütet,  so  erfuhr
geeignete  Saarliteratur  wenigstens  indirekt  behördliche  Unterstützung.  Deutsche
Gesandte  verteilten  in  ihren  Gastländern  das  Buch  Frankreich  an  der  Saar  des
Essener  Rechtsanwaltes  Friedrich  Grimm.325 *  Die  Broschüre  des  Mitgliedes  der  internationalen
  Rekurskommission  für  die  Verteilung  der  Saarkontingente,  L.  Maisch,
Zum  Verständnis  für  das  Saargebiet,  wurde  vom  Auswärtigen  Amt  und  den  deutschen
  Auslandsmissionen  angefordert.'26  Die  französische  Diplomatie  hatte  an
den  Ausflüssen  der  deutschen  Saarpublizistik  schwer  zu  schlucken.  Doch  jeden
Becher  musste  sie  nicht  leeren.  Die  vom  Propagandaministerium  unterstützte
Veröffentlichung  des  aggressiv  frankophoben  Saarbuches  von  Friedrich  Heiß’2
ließ  Frankreich  nicht  unerwidert.  Die  Reichsregierung  musste  das  Saarbuch  aus
dem  Buchhandel  ziehen.  Anfang  1935  erschien  eine  um  den  beanstandeten  Teil
gekürzte  Neuausgabe.328
In  der  Kulturpflege  im  Saargebiet  waren  eine  ganze  Reihe  amtlicher  deutscher
Stellen  tätig,  von  denen  die  Saarforschung  gefördert  und  in  Dienst  genommen
wurde.329  Im  Auswärtigen  Amt  war  der  Vortragende  Legationsrat  Hermann
Voigt330  für  Saarfragen  zuständig,  im  Reichsinnenministerium  Ministerialdirektor
Ernst  Vollert  und  im  Preußischen  Innenministerium  Assessor  Heinrich  Schneider.331
  Bis  zur  seiner  Auflösung  1930  schaltete  sich  ebenfalls  das  Reichsministerium
  für  die  besetzten  Gebiete  ein.  Da  die  deutschen  Ministerien  nicht  unmittelbar

04  BayHStA,  MA  106129,  Mappe  „Zusammenstellung  des  zur  Zeit  im  Saargebiet  bestehenden
Rechtszustandes  und  Übersicht  über  die  Zentralverwaltung  des  Saargebiets,  1934“;  Hans
Westhoff,  Recht  und  Verwaltung  im  Saargebiet  (Trier:  1934).
325  Friedrich  Grimm,  Frankreich  an  der  Saar:  Der  Kampf  um  die  Saar  im  Lichte  der  historischen
  französischen  Rheinpolitik  (Hamburg:  Hanseat.  Verlagsanst.,  1934);  cf.  AAE,  Sarre  282,
f.  205:  Henri  Cambon  (frz.  Gesandter  in  Luxemburg)  an  MAE  v.  16.11.1934.
06  BayHStA,  MA  106129:  L.  Maisch,  Zum  Verständnis  für  das  Saargebiet  und  zur  Verständigung
  (Solothurn:  Vogt-Schild,  1933).
,37  Friedrich  Heiß,  Das  Saarbuch:  Schicksal  einer  deutschen  Landschaft  (Berlin:  Volk  u.  Reich,
1934);  BABL,  R55/752,  f.  10:  „Bericht  der  ,CURA‘  Révisions-  und  Treuhand-Gesellschaft
mbH  Berlin  über  die  Aufteilung  des  Kontos  ,Saarabstimmung‘  bei  der  Zeitungsbedarf  GmbH,
Berlin“  v.  31.10.1935:  Das  RMVP  nahm  10  000  Exemplare  ab.
'28  AAE,  Sarre  282,  f.  215-24:  François-Poncet  an  MAE  Pierre  Laval  v.  20.11.1934;  Friedrich
Heiß,  Das  Saarbuch:  Schicksal  einer  deutschen  Landschaft,  2.,  umgearb.  u.  erw.  Aufl.  (Berlin:
Volk  u.  Reich,  1935).
329  HessHStA,  1150/57:  SFG-Mitgliederliste  v.  14.3.1935.
330  HessHStA,  1150/69:  Sante,  Wünsche,  die  auf  der  Berliner  Besprechung  am  21.10.1931
vorgebracht  wurden,  2;  Jacoby,  Nationalsozialistische  Herrschaftsübernahme,  31.  Da  das  „i“  in
„Voigt“  als  stummer  Dehnungslaut  nicht  gesprochen  wird,  wurde  der  Name  in  den  Quellen
gelegentlich  als  „Vogt“  wiedergegeben;  fur  den  Hinweis  auf  die  Aussprache  von  „Voigt“  danke
ich  Herrn  Hellwig.
331  Zu  Schneider,  der  im  zweiten  Saarkampf  1955  wieder  aktiv  wurde:  Jürgen  Hannig,  „Separatisten
  -Nationalisten?  Zum  Abstimmungskampf  1955“,  Die  Saar  1945-1955:  Ein  Problem  der
europäischen  Geschichte  /  La  Sarre  1945-1955:  Un  problème  de  l’histoire  européenne,  Hg.
Rainer  Hudemann,  Raymond  Poidevin,  Mitarb.  Annette  Maas  (München:  Oldenbourg,  1992),
381-96,  hier  388;  Maria  Zenner,  Parteien  und  Politik  im  Saargebiet  unter  dem  Völkerbundsregime
  1920-1935,  Veröffentlichungen  der  Kommission  für  saarländische  Landesgeschichte
und  Volksforschung,  3  (Saarbrücken:  Minerva,  1966),  257.

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