Full text : Volk, Reich und Westgrenze

allen  studentischen  Verkehr  mit  staatlichen  Stellen  in  Saarfragen  war  nunmehr
Braun  allein  zuständig.  Das  Bonner  Saaramt  arbeitete  mit  der  Deutschen  Front,
der  NSDAP,  dem  Reichs-  und  dem  Preußischen  Innenministerium,  dem  preußischen
  Saarbeauftragten  in  Köln,  dem  BSV,  dem  Grenzlandreferat  der  Deutschen
Dozentenschaft  und  besonders  eng  mit  Steinbachs  IGL  zusammen.  Braun  dehnte
seine  Tätigkeit  sogar  auf  die  Saar  selbst  aus,  was  nur  verdeckt  geschehen  durfte,
und  blieb  über  einen  geheimen  Verbindungsmann  an  der  Saar  laufend  über  die
Politik  der  Regierungskommission  unterrichtet.  Er  verschickte  zentral  das  Saarpropagandamaterial
  an  die  Studentenschaften  und  bestimmte,  dass  jede  Hochschule
  ein  Saaramt  oder  im  Grenzlandamt  ein  Saarreferat  einzurichten,  im  Wintersemester
  1933/34  eine  große  Saarkundgebung  oder  Saarwerbewochen  unter
Einbeziehung  der  Wehrverbände  und  des  BSV  abzuhalten  und  alle  saarländischen
Studierenden  mit  ihren  Studiendaten  zu  ihm  nach  Bonn  zu  melden  hätten.  Zwar
wurde  die  zentrale  Erfassung  aller  Studenten  aus  dem  Saargebiet  und  deren
Einbeziehung  in  die  universitäre  Saarpropaganda  ein  Fehlschlag,  aber  in  der
Schulungsarbeit  konnte  Braun  Erfolge  nachweisen.  Auf  der  ersten  Saarschulung
Mitte  Dezember  1933  in  Bonn  hörten  über  250  Studierende  von  westdeutschen
Hochschulen  Saarvorträge  von  Heinrich  Schneider  aus  dem  preußischen  Innenministerium
  über  die  staatlichen  Grenzlandaufgaben,  vom  preußischen  Saarreferenten
  Watermann  über  Rückgliederungsfragen,  von  Steinbach  über  die  französische
  Saarpolitik,  von  Overbeck  zur  Saarwirtschaft  und  von  Braun  selbst  über
seine  eigene  Arbeit.  Anfang  Januar  1934  waren  knapp  35  Studierende  aus  Mittelund
  Süddeutschland  zur  Schulung  nach  Bad  Kreuznach  gekommen.  Im  Frühjahr
1934  wurden  Studierende  und  Gäste  von  HJ,  NS-Jungbauernschaft  und  vom  VDA
zu  einer  großen  Schulung  in  den  Warndt  eingeladen.120
Für  die  „deutsche  Saar“  arbeiteten  Politik,  Publizistik  und  Wissenschaft  eng  zusammen.1
  1  Die  von  Burschenschaften  unterstützte  Broschüre  Die  Deutsche  Saar
wurde  von  einigen  Berliner  Ministerien  und  von  der  Deutschen  Arbeitsfront  nachgefragt.122
  Der  Sondernummer  „Das  Land  an  der  Saar“  der  Zeitschrift  Das  Bayernland
  trugen  1932  saarländische  Wissenschaftler  Artikel  bei.121  Im  Einverständnis
mit  dem  Reichsministerium  des  Innern  wurde  von  der  Bezirksregierung  in  Trier
die  rechtswissenschaftliche  Arbeit  von  Hans  Westhoff,  Recht  und  Verwaltung  im

2(1  ARSF,  I  32  g  107:  Braun,  Bericht  des  Saarreferenten  über  die  Tätigkeit  im  Wintersemester
1933/34  v.  20.4.1934;  Braun,  Rundschreiben  an  die  Grenzlandämter  der  westdeutschen  Hochschulen
  v.  1.12.1933.  [Braun]  Westarbeit  (Saar)  der  Deutschen  Studentenschaft  [ca.  Ende  1933].
121  Hoppstädter,  „Saarländische  Geschichtsforschung“,  25.
'22  Mitherausgeber  Dr.  Götz  Freiherr  von  Pölnitz  war  Schriftleiter  der  burschenschaftlichen
Akademischen  Monatsblätter;  BayHStA,  MA  106129:  Die  deutsche  Saar,  Hg.  Martin  Luible,
Götz  Freiherr  von  Pölnitz,  K.V.-Sonderdrucke,  15  (München:  Akad.  Monatsbl.,  1934);  Pölnitz
an  BayMI  v.  26.11.1934;  BayHStA,  MA  106126:  Sperr  an  BayStK  v.  12.12.1933,  2.
121  BayHStA,  MA  106129:  „Das  Land  an  der  Saar“,  Das  Bayernland:  Illustrierte  Halbmonatsschrift
  für  Bayerns  Land  und  Volk,  43  (Aug.-Sept.  1932),  Nr.  16/17,  477-548:  Es  handelte  sich
um  Cartellieri,  Sante,  Keuth,  Zimmermann  und  den  Pfälzer  Volkskundler  Albert  Becker.

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