Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Saardeutschen  Heimatkulturverbandes  Mailänder  wollte  Aubin  ganz  aus  der  SFG
hinausdrängen  und  die  wissenschaftliche  Leitung  dem  näher  gelegenen  IGL
übertragen.  Wahlweise  schlug  Mailänder  die  Selbstgleichschaltung  der  SFG  vor,
deren  Führung  einem  saarländischen  Nationalsozialisten  anzutragen  sei.307  Schmidt-Ott
  empfahl  weniger  aus  Überzeugung  als  aus  Taktik  -  er  selbst  hatte  kaum  einen
Monat  zuvor  den  Nationalsozialisten  seinen  Rücktritt  vom  DFG-Vorsitz  anbieten
müssen308  -  die  Chance  der  Selbstgleichschaltung  nicht  ungenutzt  zu  lassen.  Doch
dürfe  man  knapp  ein  Jahr  vor  der  Volksabstimmung  nicht  leichtfertig  die  Leitung
austauschen.  Da  sich  das  preußische  Kultusministerium  mit  der  einfachen  Rotation
  innerhalb  des  Vorstandes  zufrieden  erklärt  hatte,  ließ  man  es  dabei  bewenden.
  Die  wissenschaftliche  Leitung  der  SFG  blieb  bei  Aubin;  Bongard  führte
nunmehr  ihre  Geschäfte.309
Heim-ins-Reich-Propaganda
1934  trat  die  Saar  über  die  Ufer.  Saarpropaganda  überschwemmte  das  Land.  Landauf,
  landab  tauchten  „Saarkorrespondenzen“  310 *  und  Saarsonderhefte  auf.3"  In  den
Monaten  vor  der  Volksabstimmung  erreichte  der  Pegel  der  Saarpublizistik
Höchstmarken  und  die  Bücherflut  sprengte  sämtliche  Deiche.  Saartagungen  und
Saarvorträge  fielen  auf  jede  größere  deutsche  Stadt  und  Saarabende  troffen  vor
Heim-ins-Reich-Stimmung.3i:  Jeder  Deutschtumsverband,313  jeder  größere  Verein3  4

307 Ob  Mailänder  an  sich  selbst  dachte,  war  nicht  zu  klären,  da  sich  zu  ihm  keine  BDC-Akte  fand.
,ox  Schmidt-Ott  blieb  noch  bis  Juni  1934  kommissarisch  im  Amt;  Hammerstein,  Deutsche
Forschungsgemeinschaft,  94,  111;  Conrad  Grau,  Wolfgang  Schlicker,  Liane  Zeil,  Die  Berliner
Akademie  der  Wissenschaften  in  der  Zeit  des  Imperialismus,  T.  3:  Die  Jahre  der  faschistischen
Diktatur  1933  bis  1945,  Gesamtred.  Leo  Stern,  Studien  zur  Geschichte  der  Akademie  der
Wissenschaften  der  DDR,  2/1II  (Berlin:  Akad.-Verl.,  1979),  33;  cf.  Mertens,  „NS-Wissenschaftspolitik“,
  396-98;  Lothar  Mertens,  „Die  ,Notgemeinschaft  der  deutschen  Wissenschaft/
Deutsche  Forschungsgemeinschaft1  im  Dritten  Reich  1933-1936“,  Die  Rolle  der  Geisteswissenschaften
  im  Dritten  Reich  1933-1945,  Hg.  Frank-Rutger  Hausmann,  Mitarb.  Elisabeth
Müller-Luckner,  Schriften  des  Historischen  Kollegs,  Kolloquien  53  (München:  Oldenbourg,
2002),  21-37,  hier  22-25.
309  LASb,  SM  12:  Aubin  [et  al.],  Mitgliederversammlung  der  SFG  am  2.10.1933,  3-4;
HessHStA,  1150/57:  Sante  an  Bongard  v.  18.7.1933.
310  BayHStA,  MA  106126:  Sperr  (Vertretung  Bayerns  beim  Reich)  an  BayStK  v.  23.1.1934,  2.
BayHStA,  MA  106126:  Sperr  an  BayStK  v.  12.12.1933,  2:  z.  B.  die  Saarsondernummer  der
Leipziger  Illustrierten  Zeitung;  Sperr  an  BayStK  v.  23.1.1934;  Sitzung  d.  Saarausschusses  v.
22.1.1934, 2:  „Im  allgemeinen  ist  der  Eindruck  wohl  richtig,  dass  z.  Zt.  Hochkonjunktur  in
Saarschriften  ist,  ohne  dass  eine  wirklich  durchschlagende  und  einprägsame  Schrift  bisher
gefunden  wurde.“  Keuth  schrieb  monatelang  Artikel:  für  das  Saar-Sonderheft  der  Zeitschrift
Deutsche  Film-  und  Funkrwacht,  für  die  Saar-Sondernummer  von  Der  deutsche  Junge:  Zeitschrift
  für  die  deutsche  Jugend,  für  die  Neue  Jugend',  LASb,  SM  44:  Schriftleiter  Dr.  Walter
Hawel  an  Keuth  v.  26.8.1933,  Keuth  an  Deutsche  Film-  und  Funkwacht  v.  7.9.1933;  LASb,
SM  116:  Kleeberg  an  Keuth  v.  16.7.  u.  v.  27.8.1934.  Der  Saarausschuss  der  Reichsregierung
plante,  eine  Broschüre  wie  Die  Bayerische  Ostmark  bedroht!  für  das  Saargebiet  herauszugeben,
  für  die  bedrohte  Westmark  sozusagen;  BayHStA,  MA  106126:  Sperr  an  BayStK  v.
12.12.1933,  2-3.
,l2  Steinacher,  „Saar-  und  Westgebiete“,  Bundesleiter,  156-57:  Allein  Steinacher  hielt  1934  auf
34  Saartagungen  Vorträge.  LASb,  SM  44:  Herbert  Fiedler  an  Keuth  v.  24.8.1933,  Keuth  an

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