Full text : Volk, Reich und Westgrenze

menarbeit  mit  deutschfreundlichen  Autonomisten  die  kulturelle  Hegemonie  über
Elsass-Lothringen  zurückzuerobern.289
1935 kehrte  Sante  ans  Archiv  in  Wiesbaden  zurück.  Seit  1938  wurde  er  mit
Planungsarbeiten  zur  Errichtung  eines  saarländisch-pfälzischen  Staatsarchives
betraut.  Nach  Beginn  des  Zweiten  Weltkrieges  war  er  als  Oberleutnant  für  die
Auslagerung  der  Archivalien  aus  der  Freimachungszone  im  Saarland  und  in  der
Pfalz  verantwortlich.  Wegen  seiner  guten  Kenntnis  der  westmärkischen  Archivlage
  wurde  er  im  Krieg  vom  Kommissar  für  den  Archivschutz  in  den  besetzten
Gebieten  zu  Rate  gezogen.290  Sante  wurde  im  Mai  1940  als  Kriegsverwaltungsrat
Referent  für  den  Archivschutz  beim  Militärbefehlshaber  in  Belgien  und  Nordfrankreich.
  Im  September  1940  stand  er  auf  der  Liste  der  Archivare,  die  „nach  der
Landung  in  England'"  zur  Überwachung  der  britischen  Archive  vorgesehen
waren.291  In  Brüssel  bereitete  Sante  den  Archivalienaustausch  mit  deutschen
Archiven,  namentlich  dem  Reichsarchiv  Wien,  vor  und  inventarisierte  im  Rahmen
des  „Westprogramms  der  deutschen  Archivverwaltung“  die  Dokumente  zur  deutschen
  Geschichte.  1944  erhielt  er  zusätzlich  das  Referat  Bibliothekenschutz.292
Auf  Grund  der  persönlichen  Animositäten  zwischen  ihren  Leitern  Sante  und
Franz  Petri  gestaltete  sich  die  Zusammenarbeit  des  Archiv-  und  des  Hochschulreferats
  beim  Militärbefehlshaber  schwierig.  Santes  alte  Fehde  mit  Steinbach  ging
in  Brüssel  mit  Steinbachs  Schüler  Petri  weiter.  Petri  ließ  Sante  nicht  zu  den  Beratungen
  um  das  Deutsche  Wissenschaftliche  Institut  in  Brüssel  zu.  Im  Gegenzug
beschwerte  sich  Sante  Ende  1942  über  eine  Einladung  Petris  zu  einem  Vortrag
beim  Staatsarchiv  Düsseldorf  und  bat  darum,  diesen  in  Zukunft  auszuschließen.293
Nach  dem  Krieg  kam  Sante  erneut  ans  Wiesbadener  Archiv,  das  er  bis  zur
Pensionierung  1961  als  Direktor  leitete.  Er  starb  am  11.  März  1984  in  Wiesbaden.
Die  Machtverhältnisse  in  der  Forschungsgemeinschaft
Sante  stellte  der  SFG  die  Aufgabe,  „ein  ganzes  Land  zu  klarem  Bewußtsein  seiner
selbst  zu  bringen,  damit  sich  dieses  in  politische  Tat,  Abstimmung  für  das  Reich,
umsetze“.  Er  wusste,  dass  Reichsbehörden  und  preußische  Stellen  am  Brennpunkt

~89  Cf.  Anne  Christine  Nagel,  „[Besprechung]  Ursula  Wolf,  Litteris  et  Patriae  (1996)“,
Berichte  zur  Wissenschaftsgeschichte,  21  (1998),  194-95,  hier  195.
290  HessHStA,  1150/23,  f.  88:  Sante  an  Zipfel  v.  5.12.1942,  f.  97:  Zipfel  an  MVCh  des  MBBN
v.  24.11.1942.
~91  HessHStA,  1150/23,  f.  443:  Vermerk  Zipfels  v.  28.9.1940  über  eine  Rücksprache  mit  Sante
am  17.9.1940;  cf.  Wolfgang  Hans  Stein,  „Die  Inventarisierung  von  Quellen  zur  deutschen
Geschichte:  Eine  Aufgabe  der  deutschen  Archivverwaltung  in  den  besetzten  westeuropäischen
Ländern  im  Zweiten  Weltkrieg“,  Inventar  von  Quellen  zur  deutschen  Geschichte  in  Pariser
Archiven  und  Bibliotheken,  bearb.  v.  e.  Arbeitsgruppe  unter  Leitung  v.  Georg  Schnath,  Hg.
Wolfgang  Hans  Stein,  Veröffentlichungen  der  Landesarchivverwaltung  Rheinland-Pfalz,  39
(Koblenz:  LA  Rheinland-Pfalz,  1986),  xxxvii-lxvii,  hier  !vi.
AN,  AJ4"  37/8e:  L[öffler]  (Ch  MV  -  Gruppe  kult  Az.  bibl)  an  Referat  org  v.  25.1.1944.
~9'  HessHStA,  1150/23,  f.  82:  Sante  an  Classen  v.  23.12.1942;  cf.  Hausmann  „Auch  im  Krieg",
256-76.

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