als Leutnant d. R. entlassen. Er studierte Geschichte und Kunstgeschichte in
Münster, München und Bonn und promovierte mit einer historischen Dissertation
über die Kurpfalz. 1925 war er Stipendiat der Notgemeinschaft. 1927 schloss er
eine archivarische Ausbildung am Preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin
an. Seit 1928 war er am Staatsarchiv Wiesbaden, seit 1931 als planmäßiger
Archivrat, 1929-35 von dort nach Saarbrücken abgeordnet. Im Abstimmungskampfstellte
er sein Kulturschaffen rückhaltlos in den Dienst der nationalsozialistisch
beherrschten Deutschen Front und lieferte seine wissenschaftliche Integrität
den Saar-Pfalz-Vereinigungsplänen Gauleiter Bürckels aus.284 Es trifft zu, dass
Santes Engagement „primär nicht im Kontext nationalsozialistischer Politik“ zu
sehen ist, und gewiss kann man auch, wie Hans-Christian Herrmann dies tat, Santes
freundschaftliche Kontakte zum Straßburger Stadtarchivar und -bibliothekar Joseph
Brauner (1892-1945)28S Anfang der 1930-er Jahre als „grenzüberschreitend“ bezeichnen.
Doch muss man dabei berücksichtigen, dass Brauner in der eisasslothringischen
Heimatbewegung aktiv war. Polizeibekannt waren seine Verbindungen
zum späteren Generalsekretär des Reichsverbandes der katholischen
Ausländsdeutschen Emil Clemens Scherer, der zusammen mit Robert Ernst Gelder
des Auswärtigen Amtes für die elsässische Heimat- und Autonomiebewegung
über die deutsch-französische Grenze schmuggelte.286 In den 1930-er Jahren war
Brauner Mitglied der WFG,28 1939 wurde er verhaftet und in Nancy inhaftiert.
Nach seiner Befreiung durch die Deutschen Unterzeichnete er zusammen mit
anderen elsässischen Autonomisten eine Dankadresse an Hitler. Im Herbst 1940
wurde Brauner anstandslos in die deutsche Archivverwaltung übernommen.288
Santes „Grenzüberschreitung“ kann also ebenso gut als der Versuch des Deutschen
Reiches und seiner Deutschtumswissenschaften gelesen werden, in Zusam-"84
Dieter Muskalla, NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel: Gleichschaltung - Neuordnung
- Verwaltung, Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische Landesgeschichte
und Volksforschung, 25 (Saarbrücken: SDV, 1995), 115; Georg Wilhelm Sante, „Saar - Rhein
- Reich“, Völkische Wissenschaft [1] (1934), 218-28.
H.-C. Herrmann, „Grundzüge“, 223. François Joseph Fuchs, „Brauner, Jacques Joseph
Xavier“, Nouveau dictionnaire de biographie alsacienne, Fédération des Sociétés d’Histoire et
d’Archéologie d’Alsace, réd. Ch[ristian] Baechler [et al.], secr. gén. de la commission Jean-Pierre
Kintz (Strasbourg: [FSHAA] 1983-84), 346; Leesch, Deutsche Archivare, 2: 79, 731.
~Ы) AAE, France 19, f. 184; François G. Dreyfus, „L’Allemagne de Weimar et le problème
alsacien“, Bulletin de la Société d’histoire moderne, 14 ( 1971), n° 15, 2-13; Grünewald, Elsaß-Lothringer,
159, 249-50; cf. Deutscher biographischer Index, 1. Ausg. Hg. Willi Gorzny, 2.,
kumul. u. erw. Ausg. (München: Saur, 1998), nachfolgend DBIII abgekürzt, 7: 3069;
8 PAAA, R60278, f. E062612 u. 28: Besprechung in Oberkirch am 17.9.1936; cf. PAAA,
R60296, f. E063447: Metz, WFG-Tätigkeitsbericht fur 1939/40 v. Juni 1940; Fahlbusch,
Wissenschaft, 394 Anm., 398.
288 GStAPK, Rep. 178/VII 3A5, I, f. 31: Metz an Zipfel v. 29.7.1940; cf. AN, AJ40 572/3:
Brauner an Schnath v. 8.11.1943 u. v. 30.3.1944; HessHStA, 1150/1: GLA Karlsruhe [Stenzei]
an Zipfel v. 29.6.1940.
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