Full text : Volk, Reich und Westgrenze

dass  man  nichts  zu  verbergen  habe,  denn  eine  freundliche  Haltung  der  Regierungskommission
  wäre  der  Forschungs-  und  Öffentlichkeitsarbeit  der  SFG  im  Saargebiet
  zugute  gekommen.  Bongard  aber  konnte  direkten  Beziehungen  zur  Völkerbundsregierung
  nichts  Positives  abgewinnen.  Eine  Wissenschaftsorganisation,  die
an  der  Saar  gewissermaßen  ihre  eigene  Außenpolitik  betrieb,  wäre  auch  von  Berlin
nicht  geduldet  worden.  Aubin  lenkte  ein  und  sah  von  seiner  Einladung  Wiltons
ab.2  *  Der  Brückenschlag  der  SFG  zur  Regierungskommission  blieb  Stückwerk.
Doch  Stückwerk,  welches  das  preußische  Kultusministerium  in  seinem  Willen
bestärkte,  sich  die  SFG  gänzlich  unterzuordnen,  zumal  es  gerade  daran  ging,  die
krisengeschüttelte  Notgemeinschaft  unter  das  Joch  zu  zwingen.21'  Man  fand
jemanden,  der  an  der  Saar  Aubin  fachlich  Paroli  bieten  konnte:  den  wissenschaftlichen
  Hilfsarbeiter  im  Wiesbadener  Staatsarchiv  Sante,  den  man  systematisch  für
die  Saaraufgabe  aufbaute.  Als  1929  durch  den  Tod  Ruppersbergs  die  Ämter  des
Saarbrücker  Stadtarchivars  und  des  Schriftführers  der  SFG  frei  wurden,2X0  ergriffen
  Haslinde  und  Bongard  die  Gelegenheit,  die  preußische  Position  an  der
Saar  auszubauen.  Der  Generaldirektor  der  Preußischen  Staatsarchive  beurlaubte
Sante  vom  E  März  1929  an,  offiziell  zur  Verwaltung  des  Saarbrücker  Stadtarchives
und  zur  Koordinierung  des  saarländischen  Archivwesens,  tatsächlich  aber  „um  die
wissenschaftliche  Erforschung  der  Saarlande  zu  betreiben  und  die  erarbeiteten
Erkenntnisse  für  die  deutsche  Politik  nutzbar  zu  machen“.2*1  Das  preußische  Kultusministerium
  besoldete  Sante  weiter.2*2
Georg  Wilhelm  Sante
Georg  Wilhelm  Sante2*’  wurde  am  3.  Oktober  1896  in  Hildesheim  geboren.  Im
Ersten  Weltkrieg  kämpfte  er  1915-18  an  der  Westfront,  wurde  dekoriert  und  1919

~7*  LASb,  SM  12:  Aubin,  Griewank,  Mitgliederversammlung  der  SFG  am  6.1.1929,  2,  9;  cf.
Jacoby,  Nationalsozialistische  Herrschaftsübernahme,  27.
'  9  BABL,  R8037/2:  Clemen  [an  Aubin]  v.  30.4.1929  [  1-2];  cf.  Schlicker,  „Notgemeinschaft
  ...“,  3:  535;  PAAA,  R65817:  [Friedrich]  Schmidt-Ott,  „Zusammenfassung  und
planmäßige  Finanzierung  in  der  staatlichen  Förderung  der  deutschen  Kulturaufgaben“,  Reich
und  Länder:  Zeitschrift  für  die  Entwicklung  der  Verfassung  und  Verwaltung  in  Deutschland
[1929],  1-4;  Kurt  Zierold,  Forschungsförderung  in  drei  Epochen:  Deutsche  Forschungsgemeinschaft:
  Geschichte  -  Arbeitsweise  Kommentar  {Wiesbaden:  Steiner,  1968),  113-37.
~*°  LASb,  SM  12:  Aubin,  Griewank,  Mitgliederversammlung  der  SFG  am  6.1.1929,  8;  cf
HessHStA,  1150/63:  Aubin  an  Sante  v.  29.3.1935,  1.
~81  HessHStA,  1150/63:  Sante,  Tätigkeitsbericht  v.  26.1.1935,  1;  cf.  Sante  an  Brackmann  v.
26.1.1935,  1;  cf.  H.-C.  Herrmann,  „Grundzüge“,  218-19.
282  BACos,  R1601/1830:  PrKM  an  RMbG  v.  15.5.1929;  Haslinde  an  RMbG  v.  16.4.1930.
283  Wolf-Heino  Struck,  „Georg  Wilhelm  Sante  zum  Gedenken:  *  Hildesheim  3.10.1896,
t  Wiesbaden  11.3.1984“,  Der  Archivar,  37  (1984),  175-80;  H[artmut]  Heinemann,  „[Findbuch
des  Hessischen  Hauptstaatsarchivs]  Abteilung  1150:  Nachlaß  G.  W.  Sante:  Vorbemerkung“
(Wiesbaden:  HessHStA,  1985),  [ii-iii];  Otto  Renkhoff,  Nassauische  Biographie:  Kurzbiographien
  aus  13  Jahrhunderten,  Veröffentlichungen  der  Historischen  Kommission  für  Nassau,
39  (Wiesbaden:  Hist.  Komm,  für  Nassau,  1985),  337-38;  DBA  II,  1121:  157.  Bei  Wolfgang
Leesch,  Die  deutschen  Archivare  1500-1945,  Bd.  2:  Biographisches  Lexikon  (München:  Saur,
1992)  fehlt  ein  Eintrag  zu  Sante.

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