Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

lassen.  Von  mehreren  Offerten  erhielt  das  Angebot  des  Gasingenieurs
Roderich  Dullo  aus  Aachen  den  Vorzug,  der  u.a.  schon  1854  das  Gaswerk
  in  Paderborn  errichtet  hatte.  Erneut  wählte  der  Rat  aus  seiner
Mitte  eine  Kommission,  die  mit  Dullo  den  Vertragsabschluss  vorbereiten
  sollte.122  Nur  zwei  Wochen  später,  im  Februar  1870,  beauftragte
das  Gremium  den  Bürgermeister  Titz,  den  Vertrag  mit  Dullo  notariell
zu  vollziehen,  weil  dieser  als  "vollständig  im  Interesse  der  Gemeinde  Mergig
und  deren  Privatkonsumenten  befunden"  wurde.123  Es  ist  nicht  ersichtlich,
woran  das  Vorhaben  diesmal  scheiterte.  Wahrscheinlich  weigerte  sich
die  Königliche  Regierung  in  Trier,  Dullo  eine  Genehmigung  zu  erteilen.
Im  März  1873  beschloss  der  Stadtrat,  mit  Dullo  nicht  wieder  in  Verhandlungen
  einzutreten.124  Damit  war  die  Errichtung  eines  Gaswerks  in
Merzig  wiederum  gescheitert.  Erst  1885  griff  die  Verwaltung  die  Idee
einer  Gasbeleuchtung  erneut  auf.  Obwohl  sie  mit  dem  Ingenieur  Wilhelm
  Ritter  aus  Solingen,  der  im  Rheinisch-Westfälischen  Industriegebiet
  (Iserlohn,  Langenberg,  Solingen)  mehrere  Gaswerke  errichtet  hatte,
schon  im  füll  1885  einen  Vertrag  abgeschlossen  hatte,  konnte  das
Merziger  Gaswerk  infolge  mehrfacher  Intervention  des  Kreisbaumeisters
  erst  am  10.  März  1888  in  Betrieb  gehen.125
In  der  Festungsstadt  Saarlouis,  die  Frankreich  1815  an  Preußen  abtreten
musste,  verzögerte  die  Intervention  der  Militärbehörden  eine  zügige
Umsetzung  der  Gaswerkspläne.  In  den  Jahren  1858  und  1859  traten
gleich  mehrere  Privatunternehmer  mit  dem  Plan  an  die  Stadt  heran,  ein
Gaswerk  zu  errichten:  eine  Firma  G.F.  Dornbusch  aus  Berlin,  der  Ingenieur
  Carl  Bayer  aus  Köln,  ein  Herr  Adams  aus  Trier  sowie  der  Ingenieur
  Gustav  Franke  aus  Saarbrücken.126  Obwohl  die  von  Franke  angebotenen
  Gaspreise  von  zwei  Taler  für  1.000  Kubikfuß  (Straßenbeleuchtung)
  beziehungsweise  3,5  Taler  für  alle  anderen  Zwecke  vergleichsweise
  hoch  lagen,  was  dieser  u.a.  damit  begründete,  dass  die  gesamte
  Anlage  in  einer  Militärfestung  bombenfest  ausgeführt  und  außerhalb
  des  eigentlichen  Stadtkerns  errichtet  werden  müsste,  schloss  die

122  Stadt  Merzig:  Stadtratssitzung  vom  22.1.1870
123  Stadt  Merzig:  Stadtratssitzung  vom  5.2.1870
124  Stadt  Merzig:  Stadtratssitzung  vom  15.3.1873
12:3  LA  Sbr.  Dep.  Stadt  Merzig  686:  Vertrag  vom  29.12,1885;  Stadt  Merzig:  Stadtratssitzungen
  vom  11.4.1885,  15.3.1887  und  14.4.1887;  JfG,  28.  Jg.  (1885),  Nr.  12,  S.
320;  Körting  (1963),  S.  171;  100  Jahre  Gas  (1987),  S.  27
126  StA  Sls.  NB  LX  1  SLS:  Schreiben  Dornbusch  vom  August  1858;  Schreiben  Hayer
vom  2.10.1858;  Schreiben  Adams  vom  24.1./29.1,1859;  Schreiben  Franke  vom
1.2.1859

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