Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Der  Prozess  der  kommunalen  Funktionserweiterung  und  der  Aufbau
von  Versorgungseinrichtungen  gestalteten  sich  jedoch  als  sehr  langwierig.
  Fehlentscheidungen,  Verzögerungen  und  Entwicklungsbrüche
kennzeichneten  eher  das  Bild  als  zielgerichtete  Entscheidungen.  Oftmals
  von  technischen  Neuerungen  überrollt,  taten  sich  die  meisten
Städte  mit  der  Bereitstellung  Öffentlicher  Energiedienstleistungen  und
sonstiger  Versorgungsleistungen  sehr  schwer.  Sie  zögerten  die  notwendigen
  Entscheidungen  teilweise  über  |ahre  hinaus,  warteten  die  technische
  Entwicklung  ab  oder  reagierten  erst  auf  Druck  der  staatlichen  Behörden
  oder  auf  die  fortdauernden  Initiativen  privater  Unternehmer.
Zu  gering  waren  die  Erfahrungswerte,  über  die  die  meisten  Städte  verfügten,
  zu  dünn  noch  die  Verwaltungsebene,  die  sich  kontinuierlich  mit
den  kommunalen  Einrichtungen  befassen  konnte,  zu  risikoreich  gerade
in  den  Anfangs]ahren  die  Einrichtung  und  Unterhaltung  von  Versorgungsbetrieben.

Der  Gasversorgung  kam  in  diesem  Kontext  eine  Schlüsselrolle  zu,  denn
mit  der  Einführung  der  Gasbeleuchtung  betraten  die  meisten  Städte
und  Gemeinden  kommunalpolitisches  Neuland.  Lange  bevor  sie
Wasser-  und  Elektrizitätswerke,  Straßenbahnen  und  Schlachthöfe  einrichteten,
  entschieden  sie  sich  für  eine  zentrale  Gasbeleuchtung.  Besaßen
  1859  schon  mehr  als  200  Gemeinden  in  Deutschland  ein  Gaswerk,
lag  die  Blütezeit  der  Elektrizitätswerke  und  Straßenbahnen  erst  im  ausgehenden
  19.  und  Anfang  des  20.  Jahrhunderts.  Trotz  dieses  rasanten
Aufstiegs,  den  die  Gasversorgung  seit  etwa  1850  vollzog,  tat  sich  aber
die  überwiegende  Zahl  der  Kommunen  mit  der  Errichtung  und  dem
Betrieb  eines  Gaswerks  sehr  schwer.  Dies  zeigt  auch  die  Entwicklung  in
der  Saarregion.
Saarbrücken-St.  Johann  lag  bereits  1838  ein  erstmaliges  Angebot  der  "Allgemeine
  Gesellschaft  für  Gasbeleuchtung"  vor,  auf  das  die  Stadt  jedoch
nicht  näher  einging.  Da  zum  damaligen  Zeitpunkt  mit  Flannover,
Frankfurt  am  Main,  Berlin  und  Dresden  lediglich  ausgesprochene
Großstädte  über  eine  Gasversorgung  verfügten,  hielten  die  Stadtoberen
eine  solche  Einrichtung  für  eine  Stadt  mit  gerade  8.000  Einwohnern  für
überflüssig.112  Auch  die  Initiative  der  örtlichen  Casino-Gesellschaft,  die
1848  im  Garten  des  Casino-Geländes  eine  kleine  Gasbereitungsanstalt
anlegte,  übte  zunächst  auf  die  kommunalen  Entscheidungsträger
keinerlei  Wirkung  aus.  Obwohl  die  Gesellschaft  seit  Anfang  der  50er-112

  StA  Sbr.  AS  558

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